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Eine schaurig-schöne Geistergeschichte für Jung und Alt

Die Geisterverschwörung (Mara deckt auf, #1) - Susanne Mittag

*Worum geht's?*
Früher hat sich Mara nichts sehnlicher gewünscht als echte Geister sehen zu können. Dann ging ihr Wunsch in Erfüllung - aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat! Seitdem ist sie ständig von Geistern umgeben. Zwei von ihnen - Adrian und Emilia - wohnen sogar bei ihr! Und auch wenn es durchaus seine Vorteile hat, Geisterfreunde zu haben, wünscht sich Mara manchmal, von ihnen in Ruhe gelassen zu werden. Als Mara eine echte Geisterjägerin kennenlernt, wittert sie ihre Chance. Sie bekommt sogar einen Ferienjob als ihre Assistentin angeboten! Doch der ist alles andere als ungefährlich: Plötzlich wird Mara von einem seltsamen Schatten verfolgt! Und dann ist da noch das düstere Geheimnis, dem Mara mit jedem Tag näher kommt...

*Meine Meinung:*
"Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf" ist das neue Buch der Autorin Susanne Rauchhaus, die unter ihrem Pseudonym Susanne Mittag für die jüngere Leserschaft schreibt. Auch die Geschichte von Mara richtet sich eher an die jüngere Zielgruppe und wird vom Verlag für Leser ab 10 Jahren empfohlen. Die Betonung möchte ich in diesem Fall auf das Wort "ab" legen, denn die Geistergeschichte gehört definitiv zu jenen Büchern, die sowohl Jung als auch Alt zu begeistern vermögen.

Kinderbücher haben oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, einfach geschrieben und vorhersehbar zu sein. "Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf" ist allerdings ein Paradebeispiel dafür, dass Kinderbücher keine Stereotypen sind, die man bloß dem Nachwuchs in die Hand drücken kann. Die Geschichte bietet eine humorvolle und zugleich spannende Handlung in schaurig-schönem Grusel-Flair. Witzige und pfiffige Dialoge und ein harmonisches Zusammenspiel unter den verschiedenen Figuren machen "Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf" zu einem Pageturner, der jede Menge Lesespaß garantiert.

Die Handlung steckt außerdem voller Geheimnisse und Rätsel, die es zusammen mit Mara aufzudecken gilt. Neugierig und gespannt, was es mit der Geisterverschwörung auf sich hat, klebt man an den Seiten und sucht nach dem nächsten Hinweis. Wie vielschichtig das Buch ist und wie viele kleine Details in ihm versteckt sind, erkennt man allerdings erst, als sich alle Puzzleteile auf den letzten Seiten zu einem überraschenden Finale zusammensetzen, das man so sicherlich nicht erwartet hätte.

Mara ist eine kluge Protagonistin mit einem mutigen Herzen am rechten Fleck. Das Mädchen mit dem großen Schauspieltalent und der besonderen Gabe, Geister sehen zu können, ist einem auf Anhieb sympathisch und schafft es in Windeseile, ihre Leser mitzureißen und für sich zu begeistern. Es macht großen Spaß, sie auf ihrem Abenteuer zu begleiten, neue Hinweise mit ihr zu entdecken, gemeinsam Rätsel zu lösen - und zusammen mit Mara in brenzligen Situationen nach einem Ausweg zu suchen...

Auch die anderen Charaktere wachsen einem schnell ans Herz. Ob Lucas, der Computerfreak, oder Adrian und Emilia, Maras zwei Hausgeister - sie alle haben ihre eigenen individuellen Persönlichkeiten, die sie interessant und einzigartig machen. Mit ihrer zauberhaften Art bringen sie viel Witz und Charme in die Geschichte. Aber es gibt nicht nur gute Geister und liebe Menschen in "Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf"! Die Bösewichte sorgen mit ihrem Facettenreichtum für eine gehörige Portion Spannung.

Ein besonderes Highlight waren für mich die Kapitelanfänge. Prometheus Schröder, der berühmt-berüchtigte Geisterjäger, der die Geschichte mit einem persönlichen Kapitel aus seiner Sicht einleitet und auch im weiteren Verlauf eine größere Rolle spielt, hat nämlich sein eigenes Fachbuch über Geister geschrieben, um sein weitreichendes Wissen festzuhalten: "Die Wahrheit über Geister". Aus jenem überragenden Werk gibt es zu jedem Kapitelanfang ein Zitat, das uns Lesern mehr über die Geister wissen lässt.

*Cover:*
Das Cover könnte großartiger kaum sein. Die skurrilen Illustrationen der Charaktere passen perfekt zum schaurig-schönen Charme des Buches und sehen einfach klasse aus! Dazu kommt die reflektierende goldene Farbe des Bandes, das sich durch das Cover zieht. Toll!

*Fazit:*
"Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf" von Susanne Mittag ist eine schaurig-schöne Geistergeschichte für Jung und Alt. Das Buch entpuppt sich dank der tollen Mischung aus sympathischen Figuren, einer spannenden Handlung, überraschenden Wendungen und einem locker-leichten Schreibstil schnell als liebevoller Pageturner, der beGEISTert. Maras spannendes Abenteuer sollten sich Fans von Geistern auf keinen Fall entgehen lassen! Für "Die Geisterverschwörung: Mara deckt auf" vergebe ich 5 Lurche.

Auf nach Madagaskar...

Die Insel des Mondes: Roman (German Edition) - Beatrix Mannel

*Worum geht's?*
Madagaskar im Jahre 1880: Mit nur 21 Jahren wagt die junge Deutsche Paula einen Neuanfang. Sie will die Vanilleplantage ihrer verstorbenen Großmutter Mathilde übernehmen, die sie leider nur durch Schriftstücke kennt, und ihr Leben ihrer großen Leidenschaft, den Düften, widmen. Sie will alles hinter sich lassen, alles vergessen, was sie in ihrem kurzen, aber sehr schmerzhaften Leben bereits erleiden musste. Auf der Suche nach der Plantage wird Paula nicht nur von der Einheimischen Noria begleitet, die den Weg durch den gefährlichen Dschungel kennt, sondern auch von drei Männern, die sich in Madagaskar selbst Antworten auf ihre persönlichen Fragen erhoffen. Doch nicht jeder von ihnen spielt ein ehrliches Spiel mit seinen Kameraden – und ehe Paula sich versieht, schwebt sie in großer Gefahr…

*Meine Meinung:*
In „Die Insel des Mondes“ entführt Autorin Beatrix Mannel in eine fremde Welt in einer längst vergangenen Zeit: Im Jahre 1880 traut sich die junge Paula, alles hinter sich zu lassen. Ihre Familie, ihre Ehe – und vor allem all die schrecklichen Erinnerungen, die sie mit ihnen verbindet. Paula reist mit gerade einmal 21 Jahren alleine von München nach Madagaskar, um dort die Plantage ihrer mutigen Großmutter zu finden, die sie leider nie persönlich kennenlernen durfte. Doch Paula spürt genau, dass sie das Erbe ihrer Großmutter anzutreten hat. Ganz egal, was andere deshalb von ihr halten! Aber das ist kein ungefährliches Unterfangen…

„Die Insel des Mondes“ ist ein Roman mit vielen Facetten. Es ist ein Buch über eine Frau, die über sich hinauswächst, über eine geschlagene Persönlichkeit, die wieder zu sich selbst findet. Die Geschichte von Paula steckt voller berührender Emotionen. Durch die bildhafte Schreibe der Autorin, die Madagaskar vor das innere Auge ihrer Leser zaubert und die verschiedenen Dürfte so realistisch und intensiv beschreibt, dass man sie beinahe selbst riechen kann, wird der Roman zu einem atmosphärischen Lesevergnügen. Auch wenn ich ein großer Fan detailreicher Beschreibungen bin, hätte die eine oder andere Szene für meinen Geschmack etwas kürzer ausfallen können. Dennoch: Mit „Die Insel des Mondes“ gönnt man sich für kleines Geld ein großes Urlaubsfeeling! Und weil ein Urlaub nicht nur entspannend und schön, sondern auch aufregend sein soll, hat Beatrix Mannel Krimi-Elemente in ihre Geschichte eingewoben, die einen vor Spannung an den Seiten kleben lassen.

Mit ihren jungen 21 Jahren hat Paula schon so viel erleben und durchhalten müssen, dass sie ihre Kindheit schon lange hinter sich gelassen hat. Die junge Frau lernt man bereits auf den ersten Seiten als starke Persönlichkeit kennen, deren junges Alter ihr man höchstens an ein paar naiven Gedanken und Entscheidungen anmerken kann. Obwohl Paula von Anfang an eine ausgeprägte Figur ist, merkt man schnell, dass sie noch mit einigen Dingen zu kämpfen hat. Auch wenn sie es nicht nach außen zeigt, tobt in ihrem inneren so mancher Kampf. Während ihres Abenteuers auf Madagaskar muss sich Paula den Schatten ihrer Vergangenheit stellen. Ob sie auf der Insel des Mondes tatsächlich ihr Glück finden kann? Paula ist auf jeden Fall eine sympathische Protagonistin, mit der man sich gerne auf die Suche nach der Antwort auf diese Frage macht.

Paula reist allerdings nicht alleine durch Madagaskar. Begleitet wird sie von vier Personen, die unterschiedlichere Absichten kaum haben könnten: Morten, der Missionar, will seinen Glauben in die Welt hinaustragen, Lázló, der Frauenheld, und Villeneuve, der Arzt, suchen in Madagaskar nach neuen Heilpflanzen und Noria, die Einheimische, sorgt dafür, dass die bunte Truppe auf der Insel nicht verloren geht. Das sind zumindest die Ziele, die sie vorgeben zu verfolgen, aber nicht jeder spielt ein ehrliches Spiel mit seinen Begleitern… Facettenreich und authentisch sind die Charaktere allemal!

Erzählt wird die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven: Während des Haupthandlungsstrangs, Paulas Abenteuer auf Madagaskar, lässt Beatrix Mannel einen personalen Erzähler ans Werk, der die Leser durch die Geschichte führt und sie außerdem an den Gedanken und Gefühlen der Protagonistin teilhaben lässt. Einige andere Kapitel bestehen dagegen nur aus Briefen, die Paulas Großmutter Mathilde an ihre Tochter Florence geschrieben hat und in denen sie von ihrem Leben erzählt. Die letzte und auch mysteriöseste Erzählperspektive ist die aus der Sichtweise einer Person, die mit Paula gemeinsam auf Reisen ist, allerdings ganz andere Absichten hat, als sie es vor den anderen zugibt – und damit für Nervenkitzel und Spannung sorgt!

Auf ca. den letzten 20 Seiten gibt es nicht nur ein paar interessante Zusatzinfos der Autorin über ihr Buch und dessen Wahrheitsgehalt, sondern auch ein ausführliches Glossar, das alle Fremdwörter, anderssprachigen Begriffe und relevanten Personen zusammenfasst und erklärt. Da es davon in „Die Insel des Mondes“ wirklich viele gibt, ist es ein mehr als hilfreiches Extra; vor allem, wenn man zwischen den einzelnen Kapiteln mal größere Lesepausen einlegen muss!

Zwei weitere tolle gestalterische Extras findet man quasi hinter dem Cover und vor dem Klappentext, also auf der jeweils anderen Seite des Einbands. Dort sind zwei Karten abgedruckt. Eine von ihnen zeigt Afrika im Jahre 1914 und zeigt, welche Länder Kolonialgebiete europäischer Staaten waren, die andere stellt die Insel Madagaskar dar, auf der „Die Insel des Mondes“ spielt. Leider ist letztere nicht detailliert genug, um Paulas Reise durch Madagaskar nachvollziehen zu können, aber nett anzuschauen sind die beiden Karten dennoch. 

*Cover:*
Das Cover verspricht genau das Feeling, was einen zwischen den Seiten auch erreichen wird, und sieht einfach toll aus. Mein Highlight ist jedoch der tolle Schriftzug mit einem tierischen Hinweis auf ein wichtiges Element der Geschichte!

*Fazit:*
„Die Insel des Mondes“ von Beatrix Mannel ist ein Roman, der für Urlaubsstimmung sorgt. Gemeinsam mit Paula und ihren Reisekameraden streift man durch Madagaskar, stets das Ziel vor Augen: Die Suche nach den Antworten der Vergangenheit – und nach dem Glück in der Zukunft. Die fremde Kultur, die abenteuerlichen Ereignisse und die wahren Absichten einiger Figuren sorgen für Spannung, die einen mitreißt und an den Seiten kleben lässt. Wer Lust auf einen sommerlichen Roman voller Emotionen, Spaß und Abenteuer hat, greift mit „Die Insel des Mondes“ definitiv zum richtigen Buch. Ich vergebe gute 4 Lurche.

In einem Wort: Krass!

Das Mädchen mit dem Haifischherz - Jenni Fagan, Noemi von Alemann

*Worum geht's?*
Mit gerade einmal fünfzehn Jahren hat Anais Hendricks mehr Straftaten zu verbuchen als so mancher Schwerverbrecher. Sie stiehlt, prügelt, nimmt eine Droge nach der anderen, ist ein böses Mädchen durch und durch. Für ihre Sozialarbeiterin, die Polizisten und die Richter ist schon lange klar, dass Anais ein hoffnungsloser Fall ist. Als sie mit Blut verschmiert verhaftet wird und sich dem Vorwurf stellen muss, eine Polizistin ins Koma geprügelt zu haben, wird Anais ins Panoptikum gebracht. In der Besserungsanstalt für Jugendliche soll sie bleiben, bis geklärt ist, ob sie in eine geschlossene Anstalt gehört. Bloß Anais, die sich partout nicht erinnern kann, weiß: Alles, was sie erlebt und getan hat, ist Teil eines Experiments, an dem Menschen zerbrechen sollen. Aber Mädchen mit Haifischherzen geben so schnell nicht auf…

*Meine Meinung:*
„Das Mädchen mit dem Haifischherz“ von Jenni Fagan ist ein Debüt, das es in sich hat. Ganz egal, was man sich vor dem Lesen von dem Buch erwartet: Es ist nicht das, was man tatsächlich geboten bekommen wird. Denn die Geschichte von Anais‘, dem Mädchen mit dem Haifischherz, das eine Polizistin ins Koma geprügelt hat, nachdem sie schon hunderte von anderen Straftaten begangen hat, ist in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. Es ist ein Buch, das mir einiges abverlangt hat, mich aber doch faszinieren konnte. Trotzdem kann ich nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen, denn „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ ist vor allem eins: Krass!

Kaum hatte ich das erste Kapitel gelesen, musste ich „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ schon wieder beiseitelegen. Schon nach wenigen Seiten brauchte ich eine Lesepause, denn alles an diesem Buch hat mich angestrengt und auch abgeschreckt. Jenni Fagan hat einen sehr extremen Schreibstil, der vor Flüchen und Schimpfworten geradezu überläuft. Auch hinsichtlich der Handlung nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund. „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ ist brutal, grausam, rüde und erbarmungslos und ganz sicher nichts für schwache Nerven. Die vielen Gedanken- und Zeitsprünge, die Jenni Fagan in Anais‘ Kopf stattfinden lässt, machen es zudem alles andere als leicht, die Handlung zu durchblicken und zu verstehen. Wer eine leichte Lektüre mit einer rebellierenden Protagonistin erwartet hat, hat sich definitiv das falsche Buch herausgesucht.

Je mehr man liest, je besser man Anais und ihre Geschichte kennenlernt, desto besser kommt man auch mit dem außergewöhnlichen Stil des Buches zurecht. Schrecken die krassen Worte und die drastische Geschichte zunächst ab, so können sie einen als Leser nach einer Eingewöhnungszeit doch faszinieren und in einen außergewöhnlichen Bann ziehen. Voraussetzung dafür ist aber ganz klar, dass man über seine eigenen Werte- und Moralvorstellungen hinwegsehen und sich auf Anais‘ Welt einlassen kann. Nicht selten fühlte ich mich mit dem extremen Drogenkonsum und Anais‘ Trips, die Jenni Fagan sehr authentisch beschrieben hat, überfordert, wie auch von den Gewalttaten und dem psychischen Terror zwischen den Buchdeckeln. Obwohl ich häufig eine Lesepause von dem Mädchen mit dem Haifischherz brauchte, so hat es mich doch immer wieder zu dem Buch zurückgetrieben, um mehr von Anais‘ zu erfahren.

Mit gerade einmal fünfzehn Jahren verkörpert Anais alles, was ein böses Mädchen nur ausmachen kann. Sie nimmt eine Droge nach der anderen, ist nonstop bekifft, kann sich kaum ausdrücken, ohne ein Schimpfwort zu benutzen, und prügelt sich. Nun wird der jungen Protagonistin sogar vorgeworfen, eine Polizistin ins Koma geschlagen zu haben. Na, wenn das nicht die perfekten Eigenschaften für eine sympathische Hauptfigur sind! Was sich im ersten Moment lächerlich anhören mag, ist allerdings tatsächlich wahr: So erschreckend und abstoßend man Anais auf den ersten Seiten noch betrachtet, so sehr wächst sie einem im Laufe der Geschichte doch ans Herz. Denn Anais ist gar nicht das böse Mädchen, das alle aus ihr machen wollen. Sie ist ein gebrochenes Kind mit einer Geschichte, die einem selbst das Herz bricht. Mit einem Schicksal, das sie zwar zu dem gemacht hat, was sie ist, sie aber dennoch als starke und mutige Persönlichkeit auszeichnet. Man muss Anais bloß eine Chance geben, sie kennenlernen wollen, und man wird auf eine Protagonistin treffen, von der man selbst noch etwas lernen kann – abgesehen von neuen Flüchen!

Wer nicht gerne mit offenen Fragen zurückgelassen wird, wird mit Anais‘ Geschichte ebenfalls nicht glücklich werden. Viele, vor allem für Anais auch sehr essentielle Dinge, klärt Jenni Fagan bis zur letzten Seite nicht auf. Sie lässt ihre Leser mit ihren Gedanken, Eindrücken, Vermutungen zurück und überlässt ihn ein wenig fraglos wieder in die reale Welt. Mir persönlich haben die ungeklärten Ereignisse nichts ausgemacht, hatte ich doch stets im Gefühl, dass es in der Geschichte um so viel mehr geht als um die Umstände, die beschrieben werden. Konzentriert man sich beim Lesen aber tatsächlich auf die Handlung, beendet man „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ mit einem mehr als unbefriedigenden Gefühl.

Mit diesem „mehr“ meine ich vor allem die Einstellung zum Leben, die Anais ihren Lesern vermittelt. Das Mädchen musste sich in ihrem jungen Leben so vielen Abscheulichkeiten und Grausamkeiten stellen und wird auch bis zur letzten Seite noch einige erfahren müssen. Anais gibt einem als Leser jedoch selten das Gefühl, dass ihre eigenen Straftaten tatsächlich schlecht oder böswillig waren. Was ihr im Gegenzug, selbst aus den Reihen der „Guten“, angetan wird, lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen! Zwischen den Zeilen von „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ steckt so viel, dass einen dazu zwingt, über Gut und Böse nachzudenken. Ist eine Straftat vor dem Gesetz immer falsch? Und sind die Strafen tatsächlich gerecht? Anais gibt ihren Lesern allerdings neben vielen Gedankenanstößen auch Mut und Tapferkeit auf den Weg: Mut, um sich niemals unterkriegen zu lassen, und Tapferkeit, um das Leben durchzustehen. Wie Anais sagen würde: Vive das Leben!

*Cover:*
Großartig! Das Cover wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und stellt die mutige Anais genau so dar, wie man sie zwischen den Buchdeckeln kennenlernen wird. Für mich ist dieses Cover ganz eindeutig ein Highlight, das deutlich aus der Masse heraussticht.

*Fazit:*
„Das Mädchen mit dem Haifischherz“ von Jenni Fagan lässt sich in einem Wort beschreiben: Krass! Obwohl Protagonistin mit gerade einmal fünfzehn Jahren noch nicht ganz aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, ist dieses Buch nichts für junge Leser. Fagans extremer Schreibstil, der keine Seite ohne Schimpfwort ausklingen lässt, und auch die brutale Geschichte lassen einem so manches Mal die Nackenhaare zu Berge stehen. Trotzdem konnte mich die Anais‘ besondere Geschichte in ihren Bann ziehen und sehr zum Nachdenken bewegen. Sicherlich nichts für schwache Nerven, aber definitiv lesenswert, wenn man sich auf das Buch einlassen kann! Für „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ vergebe ich 4 Lurche.

Gestohlene Zeit? Sicher nicht!

Die gestohlene Zeit - Heike Eva Schmidt

*Worum geht's?*
1987: Die 21-jährige Lehramtsstudentin Emma begleitet eine 12. Klasse als Betreuerin auf einer Fahrt in die Dolomiten. Dabei ahnt sie nicht, welche folgenschweren Konsequenzen dieser Ausflug für sie haben wird! Als sie im Gebirge einen Ring findet, von dem eine magische Macht auszugehen scheint, wird Emma plötzlich von zwei Schülern überfallen und schwer verletzt zurückgelassen – an einem Ort, über den der grausige Zwergenkönig Laurin herrscht, den Emma immer nur für eine Märchengestalt gehalten hat. Er hält Emma für seine Geliebte Similde, sperrt sie in seine unterirdischen Höhlen und will sie in drei Tagen zur Braut nehmen. Emma muss fliehen – koste es, was es wolle! Nur Laurins menschlicher Gefangener Jonathan ist an Emmas Seite, um ihr zu helfen. Gemeinsam überlisten die beiden den Zwergenkönig und sein Volk, doch nach ihrer Flucht sind sie noch lange nicht in Sicherheit. Laurin hat sie mit einem grausamen Fluch belegt! Und als wäre das noch nicht schlimm genug, muss Emma feststellen, dass innerhalb der kurzen Zeit im Zwergenreich fast 30 Jahre in der Menschenwelt vergangen sind… 

*Meine Meinung:*
Mit „Die gestohlene Zeit“ legt Autorin Heike Eva Schmidt, die sich bereits mit Werken wie „Purpurmond“ oder „Schlehenherz“ einen Namen gemacht hat, ein neues Buch vor, für das sich vor allem junge Erwachsene mit einem Herz für Märchen begeistern können werden. Zwar handelt es sich bei „Die gestohlene Zeit“ nicht um eine Märchenadaption, wie sie zurzeit noch immer gerne geschrieben werden, aber im Großen und Ganzen dreht sich die Handlung um geheimnisvolle Sagen und Flüche. Eine märchenhafte Atmosphäre ist dem Roman, der verschiedene Genres in sich vereint, keinesfalls abzusprechen.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem die Autorin ihren Lesern die alte Legende vorstellt, auf die der gesamte Roman aufbaut. Auf eigentümliche, aber Interesse weckende Weise lernen wir zunächst den Antagonisten und seine Hintergründe kennen: den grausamen und hässlichen Zwergenkönig Laurin. Erst im nächsten Kapitel begegnen wir Emma, die uns durch die Geschichte führen wird. Heike Eva Schmidt hat sich für „Die gestohlene Zeit“ eine wirklich außergewöhnliche Handlung ausgedacht, die amüsante Lesestunden garantiert. Spaß und Spannung wechseln sich ab und sorgen mit der sagenhaften Stimmung für echtes Pageturner-Feeling.

Heike Eva Schmidt hat zahlreiche altbekannte Fantasy-Elemente in ihren Roman einfließen lassen, die sich zu einem gelungenen Gesamtbild zusammenfügen, dem man so noch nicht begegnet ist. Neben einem grausigen Zwergenkönig, einer alten Sage, einem verzwickten Fluch und einem mächtigen Ring bekommt man sogar einen Hauch Zeitreise geboten. Was auf den ersten Blick wie ein wilder Haufen zusammengewürfelter Fantasy-Elemente aussehen mag, sorgt durch ein gekonntes Zusammenspiel für abwechslungsreiche und mitreißende Magie zwischen den Buchdeckeln.

Was „Die gestohlene Zeit“ leider immer wieder ein wenig ins Wanken geraten lässt, sind die langatmigen Sequenzen, die sich zwischen die bedeutsamen Kapitel drängen. Oftmals ertappt man die Handlung dabei, wie sie es Protagonistin Emma und ihren Freunden durch seltsame Zufälle und glückliche Fügungen einfacher macht als geplant. Dass nimmt dem Roman nicht nur einen Teil seiner Spannung, es macht ihn auch vorhersehbarer. Hier und da hätte Heike Eva Schmidt ihrer Geschichte mit einer kleinen Hürde für die Charaktere mehr Würze verleihen können.

Die 21-jährige Emilia, genannt Emma, ist die Protagonistin und Erzählerin der Geschichte. Die Lehramtsstudentin, die tief in ihrem Herzen den Wunsch von einem eigenen Café hegt, ist eine schlagfertige junge Frau, die die Leser mit ihrer sarkastischen Art schnell für sich gewinnen kann. Sie ist eine liebenswerte Protagonistin, die man gerne auf ihrem Abenteuer begleitet, aber sie macht es einem als Leser auch nicht immer leicht. Manchmal handelt Emma so unbedarft und unüberlegt, dass man darüber nur den Kopf schütteln kann. Alles in allem machen ihre Fehlentscheidungen Emma aber nicht unsympathischer, sondern facettenreicher und plastischer. 

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Emma und Jonathan entwickelt, spielt eine wichtige Rolle, kam mir persönlich aber zu kurz. Obwohl ich in gewisser Weise nachvollziehen kann, wieso Emma so schnell dem Charme des sympathischen Jonathan verfällt, entwickelten sich ihre Gefühle zu abrupt. Ich hätte gerne mehr gefühlvolle Momente zwischen den beiden erlebt, da sie als Paar nochmals neue, intimere Seiten von sich zeigen. An dieser Stelle spricht allerdings ganz klar die Romantikerin aus mir! Heike Eva Schmidt drängt die Liebesgeschichte nicht in der Vordergrund des Geschehens und tut dem einen oder anderen Leser damit sicherlich einen großen Gefallen.

Heike Eva Schmidt hat einen tollen Schreibstil, der die Seiten nahezu davonfliegen lässt. Sie schreibt mit einer natürlichen Leichtigkeit, einer lockeren Unbefangenheit, sodass man voll und ganz in die Geschichte abtauchen kann. Was an ihrem Stil besonders auffällt, ist die Authentizität, mit der sie ihren Figuren die Worte in den Mund legt. Heike Eva Schmidt wechselt je nach Charakter und Persönlichkeit problemlos zwischen altertümlichem und modernem Sprachgebrauch, zwischen humorvoller und märchenhafter Schreibe und lässt dabei niemals einen aufgesetzten oder befremdlichen Eindruck aufkommen.

*Cover:*
In Wirklichkeit sieht das Cover noch viel schöner aus als es ein Foto einfangen kann. Denn das Gold wurde mit einer speziellen Farbe auf das Buch gedruckt, dass das Cover glitzern und strahlen lässt. Im Kontrast zum dunklen Hintergrund ergibt sich ein tolles Bild, das neugierig macht.

*Fazit:*
„Die gestohlene Zeit“ von Heike Eva Schmidt ist ein toller Einzelband, der mit einer gelungenen Mischung aus Fantasy-, Sagen- und Zeitreise-Elementen für tolle Lesestunden sorgt. Dank des tollen Schreibstils der Autorin und der großartig konzipierten Handlung gerät man schnell in einen Leserausch, der einen durch die Seiten von Emmas Abenteuer fliegen lässt. „Die gestohlene Zeit“ bietet abwechslungsreiche und amüsante Unterhaltung, macht es den Charakteren für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu leicht. Etwas mehr Tiefe und ein paar zusätzliche Hindernisse hätten dem Roman sicherlich keinen Abbruch getan, aber auch so bietet die Geschichte alles in allem herrlichen Lesespaß. Für „Die gestohlene Zeit“ vergebe ich 4 Lurche.

Ein phantastisches Must-Read für jeden, der das Lesen liebt!

Taberna libraria - Die Magische Schriftrolle: Roman - Dana S. Eliott

*Worum geht's?*
Als sich die besten Freundinnen Silvana und Corrie in dem beschaulichen Städtchen Woodmore den Traum von einer eigenen Buchhandlung erfüllen, ahnen sie noch nicht, in welches Abenteuer sie sich damit gestürzt haben! Denn in ihrem Keller befindet sich der Zugang zur magischen Welt Amaranthina. Plötzlich müssen sich Silvana und Corrie entscheiden, ob sie sich der gefährlichen Aufgabe stellen wollen, die Amaranthina für sie bereithält. Denn ein mächtiger Zauberer ist alles andere als begeistert davon, dass die Freundinnen ausgerechnet diese Buchhandlung übernehmen…

*Meine Meinung:*
„Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“ ist der Auftakt einer geplanten Fantasy-Tetralogie aus der Feder des Autoren-Duos Dana S. Eliott. Dieses Buch ist ein absolutes Must-Read für jeden leidenschaftlichen Bücherwurm, denn die Geschichte ist ein Inbegriff der Liebe zu Büchern! Es geht um die beiden Freundinnen Corrie und Silvana, die ihren eigenen Buchladen eröffnen und dabei eine magische Welt entdecken, in der der Literatur eine mächtige Rolle innehat. Wer das Lesen liebt, wird sich zwischen den Seiten von „Die magische Schriftrolle“ pudelwohl fühlen. Mit knapp 500 Seiten darf sich das Buch zwar schon als echter Schmöker bezeichnen, aber durch die wunderschöne und zauberhafte Atmosphäre habe ich es trotzdem innerhalb kürzester Zeit verschlungen! Wer sich vom Auftakt der „Taberna Libraria“-Reihe allerdings eine actionreiches Lesevergnügen erhofft, greift hier vielleicht doch zum falschen Buch. Dana S. Eliott verzichten zwar nicht auf Spannung und Aufregung, bannen ihre Leser aber vor allem durch die tolle Atmosphäre an ihre Seiten.

Silvana ist die Zurückhaltende und Vorsichtige der beiden Freundinnen. Ihre Vergangenheit hat sie gelehrt, dass es besser ist, nicht besonders oder außergewöhnlich zu sein. Doch Silvana ist genau das! Sie ist eine Protagonistin mit einer speziellen Fähigkeit, die sie lange Zeit zu verdrängen versucht. Ihre zögerliche Art macht Silvana im Vergleich zu ihrer Freundin zunächst sehr unscheinbar, aber sie wächst einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wächst sie über sich hinaus! Damit entwickelt sie sich mehr und mehr zu einer Protagonistin, von der man sich nach der letzten Seite noch gar nicht trennen mag – auch wenn es sich nur um eine Trennung auf Zeit handelt!

Die stürmische und leidenschaftliche Corrie stellt den Gegenpol zu ihrer besten Freundin dar. Sie liebt das Abenteuer, begeistert sich schnell für neue Ideen und lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen! Ihre optimistische Art steckt einen als Leser sogar durch die Seiten an und sorgt dafür, dass man sich gemeinsam mit ihr gleich in das magische Abenteuer stürzen will. Während mir Silvana mit der Zeit immer sympathischer wurde, verlor ich zu Corrie irgendwann leider den Draht. Zu impulsiv, zu unbedacht brachte sie die Handlung oftmals weiter, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte. Man sollte schließlich meinen, dass man aus seinem Leichtsinn und seinen Fehlern lernt…

Zwischen den Buchdeckeln liegt eine Welt verborgen, die jeder Fan von bezaubernden Orten um jeden Preis erkunden sollte. Amaranthina, so der Name der magischen Parallelwelt, deren Existenz die beiden Freundinnen entdecken, steckt voller Magie und unglaublicher Begebenheiten. Hier treiben faszinierende Kreaturen ihr Unwesen, lebendige Bücher und sprechende Leseratten trotten durch Buchhandlungen und Feuerwölfe und Eiskatzen bieten sich aufregende Kämpfe. Das Autoren-Duo beweist mit Amaranthina nicht nur ihre Kreativität, sondern auch ihr Schreibtalent, denn sie haben es geschafft, dass ich mich auf den ersten Blick unsterblich in ihre Welt verliebt habe! „Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“ zähle ich zu jenen Büchern, die ich nach der letzten Seite mit Sehnsucht zurück in mein Regal stelle – Sehnsucht nach einem Ort, den ich niemals wirklich besuchen können werde.

In „Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“ stößt man auf eine Vielzahl an Nebencharakteren, die den Handlungsverlauf der Geschichte maßgeblich mitbestimmen. Man trifft auf weise Greifen, kluge Faun, zierliche Elfen, starke Vampire, hinterlistige Naga und noch viele mehr! Fantasy-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten und werden sicherlich mehr als nur einen persönlichen Liebling unter den vielen Wesen und Figuren finden. Dana S. Eliott hat jedem einzelnen Charakter eine einzigartige Persönlichkeit verliehen, die neugierig macht! Leider bleiben viele der Nebencharaktere trotz der 500 Seiten noch recht blass. Da das Potenzial aber fraglos vorhanden ist, zweifle ich nicht daran, dass dies in den Folgebänden so bleiben wird!

Auch wenn die Handlung von „Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“ an sich mit dem Epilog beendet ist, endet das Buch mit einem Cliffhanger, der augenblicklich wieder Spannung aufwirbelt. Das Unausweichliche, das sich schon während der letzten Kapitel immer deutlicher herauskristallisiert, tritt ein und erfordert von den beiden Freundinnen augenblickliches Handeln! Es verspricht aufregend und mitreißend zu werden, doch erst einmal müssen wir uns Leser in Geduld üben. Denn „Das Geheimnis von Pamunar“, so der Titel der Fortsetzung, erscheint erst Ende 2014. 

*Cover:*
Ich bin absolut verliebt in dieses Cover! Es ist so schlicht und doch so passend. Mit der Pergament-Optik können die Grafiker einen jeden Bücherwurm ohnehin überzeugen. Mein absolutes Highlight ist allerdings die schöne Leseratte, an der ich mich gar nicht sattsehen kann.

*Fazit:*
„Die magische Schriftrolle“, der Auftakt zur „Taberna Libraria“-Reihe des Autoren-Duos Dana S. Eliott, ist ein Must-Read für jeden, der das Lesen liebt. Es ist eine zauberhafte Geschichte voller Magie, die die Liebe zum Buch mit all ihren Facetten ehrt. Das Abenteuer der Freundinnen Silvana und Corrie, die sich den Wunsch eines eigenen Buchladens in einem kleinen Städtchen erfüllen und dabei die magische Parallelwelt Amaranthina entdecken, lebt vor allem von der großartigen Atmosphäre und den seltsamen Kreaturen die zwischen den Seiten leben, wie etwa den geselligen Büchern, den sprechenden Leseratten oder den rivalisierenden Feuerwölfen und Eiskatzen. Ich habe mich absolut in Amaranthina verliebt, aber leider konnten mich einzelne Charaktere nicht ebenso stark begeistern. Insgesamt vergebe ich voller Vorfreude auf die Fortsetzung 4 Lurche für „Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“.

Ein modernes Märchen voller poetischer Bilder

Metamorphose am Rande des Himmels: Roman (German Edition) - Mathias Malzieu

*Worum geht's?*
Tom Cloudman – „Häma-Tom“ genannt – ist ein Stuntman, der seinen Beruf zwar mit Herzblut und Leidenschaft, aber leider auch mit größter Tollpatschigkeit ausübt. Er reist von Stadt zu Stadt und begeistert die Menschen mit seinen waghalsigen Kunststücken, die für Tom meist Verletzungen mit sich bringen. Als er nach einem weiteren missglückten Auftritt im Krankenhaus landet, erfährt Tom, dass er schwerkrank ist. Rote Bete hat sich in ihm eingenistet, die sich nun unaufhaltsam in seinem Körper ausbreitet. Tom ist nicht bereit, sich mit seinem Schicksal abzufinden, und so bastelt er sich aus den Federn seines Kopfkissens Flügel, um sich seinen größten Herzenswunsch zu erfüllen: Er möchte fliegen! Was als Idee beginnt, um der Realität entfliehen zu können, nimmt schon bald reale Konturen an. Als Tom auf dem Dach des Krankenhauses auf Endorphina trifft – ein wunderschönes Mischwesen, halb Mensch, halb Vogel – und sie ihm nicht nur die Erfüllung seines Traumes, sondern auch Heilung verspricht, kann Tom sein Glück kaum fassen. Doch alles hat seinen Preis…

*Meine Meinung:*
Mit seinem Debüt „Die Mechanik des Herzens“ hat sich Mathias Malzieu fest in mein Herz geschrieben. Die Geschichte um Jack mit dem mechanischen Herzen hat mich nicht einfach bloß begeistert: Ich habe mich Hals über Kopf in dieses Buch verliebt! Kein Wunder also, dass damit auch „Metamorphose am Rande des Himmels“ schon vor dem ersten Satz als absolutes Must-Read für mich galt. Ich erhoffte mir von Malzieus zweitem Roman eine märchenhafte und poetische Geschichte, die unter die Haut geht…

… und natürlich hat mich Mathias Malzieu nicht enttäuscht. Mit seinem einzigartigen Schreibstil zaubert er skurrile und faszinierende Bilder, die zum Träumen einladen. Malzieu ist ein Ausnahmekünstler, der mit seiner phantastischen Sprachgewalt geschickt umzugehen weiß und seine Leser für kurze Zeit in fremde Welten entführen kann, die einen alles um sich herum vergessen lässt. Er erzählt eine unglaubliche Geschichte, die sich dank facettenreicher und individueller Charaktere und sagenhaften Begebenheiten, die man gar niemals vergessen will. Auf Malzieus Romane muss man sich einlassen, doch man wird mit einem ganz besonderen Leseerlebnis belohnt, das tief unter die Haut und direkt ins Herz geht. Besonders Fans von Tim Burton werden sich für Malzieus Märchen begeistern können.

„Metamorphose am Rande des Himmels“ behandelt einige schwerwiegende und bedrückende Themen. Protagonist Tom muss gegen einen bösartigen Tumor kämpfen, den er selbst nur als „rote Bete“ bezeichnet, während andere Charaktere mit ihrer Andersartigkeit konfrontiert werden. Ein Großteil der Handlung spielt sich auf einer Krebsstation eines Krankenhauses ab und dementsprechend belastend ist auch die Atmosphäre des Romans. Nichtsdestotrotz schafft es Mathias Malzieu sein modernes Märchen mit einem Charme zu erzählen, der einem eine Gänsehaut bereitet. Zwischen den Zeilen steckt so viel Hoffnung, so viel Mut und Kraft. „Metamorphose am Rande des Himmels“ muss man nach der letzten Seite erst einmal sacken und wirken lassen.

Zwischen den Buchdeckeln begegnet man einer Hand voll einzigartiger Figuren, die ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen haben. Tom Cloudman, der tollpatschige Stuntman, Endorphina, die verführerische Vogelfrau, Viktor, ein an Leukämie erkrankter kleiner Junge, oder Pauline, die Krankenschwester – sie alle schleichen sich mit ihren Stärken und Schwächen in die Herzen der Leser. Durch die knapp bemessene Zeit, die man mit ihnen verbringen darf, werden sie allerdings nicht in jedem Leserherz ein Nest finden. Malzieu hat Charaktere erschaffen, die trotz ihrer phantastischen Art sehr lebendig wirken. Sie sprechen nicht alles aus, was sie denken, und erwarten ihrerseits von den Lesern, dass man sie auch hinter ihren Worten kennenlernen möchte. So gilt auch bei ihnen: Wenn man sich nicht auf sie einlässt, wird man bloß oberflächlichen Hüllen mit vielversprechenden Ansätzen begegnen.

Obwohl mich „Metamorphose am Rande des Himmels“ berührt, beeindruckt und bewegt hat, kann ich mich nach der letzten Seite meiner Lobeshymne zum Debüt nicht gänzlich anschließen. „Die Mechanik des Herzens“ hat mich auf eine Art und Weise getroffen, wie es Toms Geschichte leider nicht vermochte, und auch wenn beide Romane für mich unvergleichliche Meisterwerke darstellen, so war die Erzählung um Jack mit dem mechanischen Herzen doch einen Kuckuckstick intensiver und eindringlicher.

„Metamorphose am Rande des Himmels“ kommt mit einem recht hohen Preis daher. Für gerade einmal 160 Seiten, von denen die letzten 20 bloß eine Leseprobe zu Malzieus Erstling „Die Mechanik des Herzens“ beinhalten, zahlt man satte 12,99€. Den Roman deshalb allerdings als „gestreckt“ oder – ganz im Stile der Thematik – „aufgeplustert“ zu bezeichnen, wäre alles andere als gerecht. Denn der Verlag hat bei der Produktion des Buches nicht nur großen Wert auf eine gelungene Übersetzung gelegt, sondern auch auf hochwertige Materialien und eine erstklassige Gestaltung. „Metamorphose des Himmels“ ist mit seinem grandiosen Text und seiner qualitativen Klappbroschur absolut jeden Cent wert, auch wenn der Preis zunächst ein wenig abschreckend wirkt.

*Cover:*
Niemand geringeres als Benjamin Lacombe hat dieses wundervolle Cover gezeichnet, wie könnte ich mich da nicht verlieben? Lacombe und Malzieu sind ein großartiges Team.

*Fazit:*
„Metamorphose am Rande des Himmels“, das zweite Werk des Ausnahmekünstlers Mathias Malzieu, ist ein modernes Märchen für Erwachsene, das mit poetischen Wortbildern, einer faszinierenden Geschichte und skurrilen Charakteren zu überzeugen weiß. Es ist eine Geschichte, die trotz bedrückender Themen voller Kraft und Mut steckt. „Metamorphose am Rande des Himmels“ geht tief unter die Haut, direkt ins Herz und hallt noch sehr lange nach! Mit „Die Mechanik des Herzens“ kann Malzieus zweites Buch zwar nicht ganz mithalten, dennoch bietet der außergewöhnliche Autor seinen Lesern eine grandiose Geschichte, für die sich vor allem Fans von Tim Burton begeistern werden. Für „Metamorphose am Rande des Himmels“ vergebe ich 4 Lurche.

Ein Muss für jeden Fan von mitreißender Tierfantasy!

Survivor Dogs. Die verlassene Stadt: Band 1 - Erin Hunter

*Worum geht's?*
Der Sheltie-Retriever Lucky ist ein Einzelhund. Er braucht weder ein Rudel noch eine Langpfote, die sich um ihn kümmert! Lucky genießt sein Leben als Straßenhund und Einzelgänger, denn so ist er frei – frei von jeder Verantwortung. Doch dann wird seine vertraute Welt plötzlich von einem Erdbeben erschüttert, das Luckys Stadt komplett zerstört. Nichts ist mehr so, wie es war, und auch Lucky muss umdenken. Die Nahrung in den Ruinen wird knapp! Als er auf eine Gruppe zurückgelassener Leinenhunde trifft, schließt sich Lucky ihnen notgedrungen an. Für die erste Zeit nach dem Beben zählt nur das nackte Überleben! Nun ist es an Lucky, aus den hilflosen Hunden ein Rudel zu machen, das für sich sorgen kann. Aber wie macht man aus verhätschelten Schoßhündchen wilde Jäger? Und haben Einzelhunde in dieser zerstörten Welt überhaupt noch eine Chance?

*Meine Meinung:*
Erst Katzen, dann Bären – und jetzt sind sie auch noch auf den Hund gekommen! Mit „Die verlassene Stadt“ startet das erfolgreiche Autorenteam Erin Hunter die „Survivor Dogs“-Serie, eine tierische Abenteuerreihe rund um den besten Freund des Menschen. 

Da dies mein erstes Buch von Erin Hunter ist, kann ich die „Survivor Dogs“ nicht mit den „Warrior Cats“ oder den „Seekers“ vergleichen. Dafür konnte ich mich aber ganz unvoreingenommen in „Die verlassene Stadt“ stürzen – und ich habe Blut geleckt! Das Autorenteam hat ein mitreißendes Abenteuer geschrieben, das man als Leser durch Hundeaugen erleben darf. Wie denkt, fühlt, handelt ein Hund? Erin Hunter beschreibt die Handlung so passend, die Verhaltensweisen der Hunde so realistisch, dass man voll und ganz in die Geschichte abtauchen kann. Neben einer eigenen „hündischen Weltanschauung“ stößt man auch auf so manchen Begriff, den die Hunde für Menschendinge benutzen. In „Survivor Dogs: Die verlassene Stadt“ trifft man auf eine tolle Geschichte mit einer rundum gelungenen Umsetzung, die für tolle Lesestunden sorgt.

Der Sheltie-Retriever Lucky ist der Protagonist der Geschichte und ein ganz spezieller Hund. Denn Lucky ist ein Einzelgänger, ein Straßenhund und Überlebenskünstler, der so gar nichts von einem Leben in einem Rudel hält. Er braucht keine anderen Hunde und erst recht keine Langpfoten! Lucky kann gut auf sich selbst aufpassen. Als ein großes Beben die Stadt zerstört, muss der mutige und gewitzte Lucky allerdings umdenken. Notgedrungen schließt er sich einem Rudel Leinenhunde an, die ohne ihre Menschen in der Wildnis total aufgeschmissen sind. Durch sie wächst Lucky über sich hinaus, denn trotz der langen Zeit als Einzelhund ist Luckys Herz nicht aus Eis…

Mit den Nebencharakteren – oder eher Nebenhunden - der Geschichte hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Das Möchtegern-Rudel der Leinenhunde ist ein bunt gemischter Haufen der unterschiedlichsten Hunderassen, die alle ihre ganz eigenen Persönlichkeiten und Talente besitzen. Jeder von ihnen war mir auf seine Art sympathisch und wuchs mir mit jeder Seite mehr ans Herz, in der sie auch als Rudel enger zusammengewachsen sind. Leider hatte ich zu Beginn aber Probleme, die Namen mit ihren Rassen zu verbinden und mir die bunten Hunde bildlich vorstellen zu können. Leser, die sich besser mit Hundearten auskennen als ich, werden damit allerdings wohl keine Schwierigkeiten haben.

Empfohlen wird die „Survivor Dogs“ zwar schon für junge Leser ab etwa 10 Jahre, ich kann mich dieser Empfehlung allerdings nur bedingt anschließen. Die Handlung, die Charaktere und auch der Schreibstil sind ohne Zweifel hervorragend auf die junge Zielgruppe abgestimmt. Für zarte Gemüter könnte „Die verlassene Stadt“ stellenweise jedoch zu brutal sein. Schon auf den ersten Seiten erlebt man mit Lucky, wie unzählige in Käfig eingesperrte Hunde durch das Erdbeben zerquetscht werden. Auf den knapp 270 Seiten des Romans fließt durchaus das ein oder andere Mal Blut und nicht selten muss sich einer der Leinenhunde einer Aufgabe stellen, die ihn das Leben kosten könnte. Was einerseits für eine gelungene Atmosphäre und große Spannung sorgt, sorgt bei so manch einem jungen Leser vielleicht noch für Albträume. 

„Die verlassene Stadt“ endet mit einem fiesen Cliffhanger, der einen augenblicklich nach der Fortsetzung schreien lässt. Freundlicherweise hat der Verlag einen kurzen Ausschnitt aus „Ein verborgener Feind“ – so der Titel des zweiten Bandes – als kleines Extra auf die letzten Seiten des Romans angefügt. So erfährt man bereits, welche Gefahr auf Lucky und das Rudel der Leinenhunde im nächsten Buch lauern wird, ohne dass einem dabei zu viel verraten wird. Zum Glück müssen wir nicht lange auf die Fortsetzung warten, denn „Ein verborgener Feind“ erscheint bereits im Mai bei Beltz & Gelberg.

*Cover:*
Wer kann an diesem Buch vorbeilaufen, ohne es in die Hand zu nehmen? Der Schriftzug, der die zerstörte Stadt repräsentiert, und die Abbildungen der Hunde, die ihr erstes gemeinsames Abenteuer erleben, ergeben ein tolles Gesamtbild. Das satte Rot unterstreicht zusätzlich die aufregende Atmosphäre, die zwischen den Buchdeckeln auf die Leser wartet.

*Fazit:*
„Die verlassene Stadt“, der Auftakt der „Survivor Dogs“-Reihe des Autorenteams Erin Hunter, ist ein Muss für jeden Fan von mitreißender Tierfantasy. Die Geschichte des Einzelhundes Lucky, der sich nach einem zerstörerischen Erdbeben notgedrungen einem hilflosen Rudel Leinenhunde anschließen muss, bietet eine rundum gelungene Welt, in die man als Leser gerne für aufregende Lesestunden abtaucht. Eine spannende Handlung, die von den sympathischen Hunden das ein oder andere grausame Opfer fordert, kann Jung und Alt begeistern, auch wenn dieses Buch nichts für zarte Gemüter ist! Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ich freue mich schon auf die Fortsetzung „Ein verborgener Feind“, denn hier ist definitiv noch Luft nach oben. Für „Survivor Dogs: Die verlassene Stadt“ vergebe ich gute 4 Lurche.

Eine tolle Idee, die leider einer schwachen Umsetzung zum Opfer fällt

So wie Kupfer und Gold - Jane Nickerson, Ursula Höfker

*Worum geht's?*
Als Sophias Vater stirbt und seine vier Kinder elternlos zurücklässt, trifft es die Familie hart. Zum Glück erklärt sich Sophias Patenonkel, der reiche Monsieur Bernard de Cressac, dazu bereit, sich ihrer anzunehmen. Für Sophia, die Monsieur Bernard schon als kleines Mädchen anhimmelte, erfüllt sich damit trotz der schwierigen Zeit ein großer Traum. Ihr einflussreicher Onkel tut alles, um Sophia glücklich zu machen und überhäuft sie mit schönen Kleidern und Schmuck. Eigentlich könnte alles perfekt sein. Doch dann macht Monsieur Bernard Andeutungen – und Sophias Bild gerät ins Wanken. Ist ihr Patenonkel wirklich der Held, für den sie ihn gehalten hat?

*Meine Meinung:*
Bei „So wie Kupfer und Gold“ handelt es sich um ein Jugendbuch mit historischen und märchenhaften Elementen. Jane Nickerson hat sich von dem Märchen des berüchtigten Blaubarts zu ihrem Debüt inspirieren lassen. Sie erzählt die Geschichte der jungen Sophia, die im Jahre 1855 nach dem Tod ihres Vaters aus Boston zu ihrem Patenonkel nach Mississippi zieht. Monsieur Bernard de Cressac, so sein Name, ist ein Mann, der alles in seiner Macht stehende in die Wege leitet, um Sophia glücklich zu machen. Allerdings nicht, ohne damit gewisse Hintergedanken zu verfolgen…

Wer das Märchen um Blaubart kennt, wird in „So wie Kupfer und Gold“ eine aufregende und spannende Geschichte erwarten, die nicht ohne geflossenes Blut enden wird. Jane Nickerson hält sich mit ihrem Roman nah an der Vorlage – so spielen zum Beispiel Monsieur Bernards Schlüssel eine wichtige Rolle, Sophias Schwester heißt sogar Anne – und schafft mit ihrer Idee und den Themen wie der Sklavenhaltung, die sie in die Geschichte einwebt, ein gelungenes Grundgerüst. Leider scheitert es schließlich an der Umsetzung der Autorin, denn „So wie Kupfer und Gold“ ist alles andere als ein mitreißender Pageturner. Die Handlung zieht sich schier endlos in die Länge, ehe das Buch endlich an Spannung gewinnt. Im Grunde begleitet man Sophia über hunderte Seiten nur durch ihren langweiligen Alltag, bis sich auf den letzten 50 Seiten die Ereignisse überschlagen. Wenn es das Ziel der Autorin war, den Leser an Sophias Langeweile teilhaben zu lassen, ist ihr das mehr als gelungen. Ob das wirklich eine gute Idee war, möchte ich aber stark bezweifeln. Da hilft selbst Jane Nickersons Schreibstil, der mir ausgesprochen gut gefallen hat, nicht mehr viel.

Sophia, manchmal auch Sophie genannt, ist eine Protagonistin, die es ihren Lesern nicht immer leicht macht. Lernt man sie zunächst als unschuldiges junges Mädchen kennen, das mit ihren zarten 17 Jahren noch nicht recht weiß, wo sie hingehört. Sie ist liebenswert, von ihren kupferroten Haaren bis zu den Zehenspitzen, und hat im Grunde die perfekten Grundbausteine, um eine tolle Hauptfigur abzulegen. Leider entpuppt sich Sophia schnell als oberflächliches Naivchen, das sich von schmeichelnden Komplimenten und materiellen Geschenken den Kopf verdrehen lässt. Sie trifft viele unüberlegte, aber auch unverständliche Entscheidungen, über die man nur den Kopf schütteln kann. Erst auf den letzten Seiten entwickelt sich Sophia doch noch zu einer Heldin, auf die man die ersten 400 Seiten vergeblich gewartet hat. Leider kommt dieser Schritt viel zu spät, um Sophia im Gesamtbild noch positiv im Gedächtnis zu behalten.

Monsieur Bernard de Cressac, Sophias Patenonkel und seit des Todes ihres Vaters auch ihr Vormund, ist ein reicher und einflussreicher Mann. Er ist attraktiv und mit seiner einnehmenden Art kann er jeden um seinen Finger wickeln. Kein Wunder also, dass Sophia, die ihn schon seit ihrer Kindheit als „Mythos“ und „Magier“, gar als ihre „Zukunftshoffnung“ anhimmelt, ihm schon bei ihrer ersten Begegnung verfällt. Monsieur Bernard strahlt zweifelsohne etwas aus, das die Aufmerksamkeit der Menschen erregt. Während Sophia sich zu ihm hingezogen fühlt, baut man als Leser instinktiv eine Distanz zu ihm auf. Seine ganze Art lässt einen unruhig werden und einige seiner Taten lassen einen sogar an Sophias Einschätzungsvermögen zweifeln. Dass dieser Herr Dreck am Stecken hat, würde sogar ein Blinder sehen! Trotzdem hat Monsieur Bernard von allen Charakteren in „So wie Kupfer und Gold“ das meiste Potenzial. Er macht neugierig, fasziniert auf obskure Weise, aber leider fehlt es auch ihm an der nötigen Tiefgründigkeit.

Bis auf Monsieur Bernard de Cressac trifft man in „So wie Kupfer und Gold“ eigentlich auf keinen Nebencharakter, der mehr als eine kleine Statistenrolle einnimmt. Dabei findet man zwischen den Buchdeckeln unzählige Charaktere, die durchaus das Potenzial dazu hätten, mehr als nur ihre Rolle als Diener, Zofe oder Plantagenarbeiter einzunehmen. Bedauerlicherweise gibt ihnen Jane Nickerson nicht die Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen. Auch hier fehlt es den Figuren an Tiefe, an Facettenreichtum, an Bedeutung. Schade um das verschenkte Potenzial.

Natürlich gibt es in „So wie Kupfer und Gold“ eine obligatorische Liebesgeschichte für die wunderschöne Sophia. Diese tritt erst relativ spät ins Geschehen und beginnt tatsächlich sehr süß, sodass man im ersten Moment schon fast ein wenig ins Schwärmen geraten könnte. Leider verfällt Sophias Liebesgeschichte schnell dem klischeehaften Schema, das der Romantik ihren Reiz raubt. Innerhalb kürzester Zeit wird von der großen Liebe gesprochen und auch für die nötige Dramatik ist schnell gesorgt. Trotz der Vorhersehbarkeit und des Klischees bietet die Liebesgeschichte so manchen amüsanten Moment, aber die Art und Weise, wie Jane Nickerson Sophias Romanze verlaufen lässt, hat mich schlussendlich doch sehr enttäuscht zurückgelassen.

*Cover:*
Das Cover ist ein absoluter Blickfang! Es strahlt eine tolle Atmosphäre aus, die mich auf den ersten Blick neugierig auf das Buch gemacht hat. Schade, dass die Geschichte mit dem Cover mithalten kann.

*Fazit:*
„So wie Kupfer und Gold“ von Jane Nickerson ist ein Debüt mit einer tollen Idee, die leider einer schwachen Umsetzung zum Opfer fällt. Die Neuerzählung des Märchens um Blaubart hält sich zwar relativ nah an der Vorlage, zieht sich aber durch langatmige Alltagsschilderungen der Protagonistin Sophia in die Länge. Von Spannung fehlt hier jede Spur! Erst als „So wie Kupfer und Gold“ einen Endspurt einlegt, bekommt man die mitreißende Geschichte geboten, auf die man so lange gewartet hat. Leider können auch die blassen und oberflächlichen Charaktere das Buch nicht zu einem Pageturner machen. Hier hat Jane Nickerson wirklich viel Potenzial verschenkt – schade! Für „So wie Kupfer und Gold“ vergebe ich 2 Lurche.

Ein kurzweiliger Pageturner - aber hier geht noch mehr!

The Legion - Der Kreis der Fünf (German Edition) - Kami Garcia, Eva Müller-Hierteis

*Worum geht's?*
Die Nacht, in der Kennedys Mutter stirbt, ändert alles. Plötzlich steht Kennedy vor einem Scherbenhaufen, der einmal ihr Leben gewesen sein soll, und muss ihr restliches Hab und Gut zusammensuchen, um ins Internat ziehen zu können, das ihre Tante für sie herausgesucht hat. Als Kennedy das letzte Mal in ihrem alten Zuhause übernachtet, geschehen furchteinflößende Dinge. Auf einmal wird ihr bewusst, dass ihre Mutter nicht auf natürliche Weise gestorben ist. Sie wurde ermordet - von einem Rachegeist, der es nun auf Kennedy abgesehen hat. In letzter Sekunde wird sie von den Zwillingen Jared und Lukas gerettet, zwei Geisterjägern, die Kennedy ihre Bestimmung offenbaren: Sie ist eine von ihnen. Ihre Mutter war Teil der Legion, einer geheimen Gesellschaft, deren Ziel es ist, die Welt von grausamen Geistern und Dämonen zu befreien. Jetzt ist es an Kennedy, ihren Platz einzunehmen.

*Meine Meinung:*
Mit "The Legion - Der Kreis der Fünf" wagt Kami Garcia, die zuvor mit ihrer Autorenkollegin Margaret Stohl an der "Beautiful Creatures"-Reihe schrieb, den Start ihrer Solo-Karriere. Auch mit ihrer neuen Serie bleibt die Autorin dem Fantasy-Genre treu, doch diesmal beschäftigt sie sich mit völlig anderen magischen Wesen: Geistern. "The Legion" handelt von fünf Jugendlichen, deren Schicksal es ist, gefährliche Spukgestalten zu jagen und die Welt von einem mächtigen Dämon zu befreien. Was im ersten Moment nach einer aufregenden Handlung klingt, wurde von Kami Garcia leider nur mäßig umgesetzt.

Die Geschichte legt schon mit dem ersten Kapitel ein rasantes Tempo an den Tag. Weder Protagonistin Kennedy noch ihre Leser bekommen Zeit zum Luftholen, denn in "The Legion - Der Kreis der Fünf" jagt ein Ereignis das nächste. Wer zu langsam ist, den holen die Geister - und das möchte man bei den Gespenstern, die Kami Garcia in ihrem Buch im Reich der Lebenden festhält, wirklich nicht erleben! Die zügige Handlung, kombiniert mit dem lockeren und leichten Schreibstil der Autorin, macht den Auftakt dieser neuen Buchreihe zu einem waschechten Pageturner, den man innerhalb kürzester Zeit verschlingt.

Leider ist das Tempo zugleich auch der größte Kritikpunkt an der Geschichte. Durch die hektischen Geschehnisse, die einen durch die Seiten treiben, geht leider viel Potenzial verloren. Man bekommt als Leser kaum die Gelegenheit, sich voll und ganz in den Roman fallen zu lassen, sich zwischen den Buchdeckeln umschauen zu können. Außerdem kommt sehr schnell das Gefühl auf, Kami Garcia würde ihre konstruierte Geschichte einfach abhandeln. Probleme werden innerhalb weniger Absätze gelöst, Geister im Handumdrehen erledigt und Fehler ohne große Konsequenzen behoben.

Dass die Charaktere neben der Handlung, die trotz ihrer inhaltlichen Fülle auf gerade einmal 336 Seiten erzählt wird, viel zu kurz kommen, ist nicht sehr verwunderlich. Außer Protagonistin Kennedy, die die Geschichte aus ihrer Perspektive beschreibt, bekommt man nur vage Eindrücke von den anderen vier Geisterjägern. Sie alle haben Persönlichkeiten voller Stärken und Schwächen und bewegende Hintergrundgeschichten, die man gerne kennenlernen möchte. Die Autorin hält sich mit Informationen ihrer Charaktere allerdings sehr zurück. Die wenigen Informationen, die man über sie erhält, schildert sie zudem derart knapp und emotionslos, dass man die Figuren nur als oberflächlich und skizzenhaft in Erinnerung behält.

Auch der Gruselfaktor flaut mit den Kapiteln immer stärker ab. Kann Kami Garcia zu Beginn noch für kleine Schauer sorgen, die einem eiskalt über den Rücken laufen, hat man sich spätestens ab der dritten geisterhaften Erscheinung langsam daran gewöhnt. Was der Spannung dabei am stärksten den Wind aus den Flügeln nimmt, ist definitiv die Kürze der Geschichte. Kein Geist stellt Kennedy und die Legion vor ernsthafte Schwierigkeiten, die sich nicht aus der Welt räumen ließen. Erst zum Ende der Geschichte fördert eine schockierende Wendung wieder Grusel und Spannung zu Tage, wie man sie zu Beginn erlebt hat. Doch dann befindet man sich schon auf den letzten Seiten und muss sich der Tatsache stellen, dass die Fortsetzung noch nicht in greifbarer Nähe auf einen wartet.

Schon früh deutet sich ein Liebesdreieck zwischen Kennedy und den attraktiven Geisterjäger-Zwillingen Lukas und Jared an. Immer wieder bringt Kami Garcia kleine Anspielungen in die Geschichte ein, ohne dass tatsächlich eine romantische Stimmung in den passenden Momenten aufkommen möchte. Wie auch beim Rest des Romans läuft die Liebesgeschichte sehr komprimiert ab und lässt kaum zu, dass Gefühle entstehen, die einen auch als Leser zum Schwärmen bringen. Viel mehr folgt sie einem vorhersehbaren Schema, das wohl eher die jüngere Leserschaft begeistern wird.

Trotz der vielen Kritikpunkte, die ich an "The Legion - Der Kreis der Fünf" habe, ist Kami Garcias neuer Auftakt lesenswert. Wer den Roman an einem düsteren, bestenfalls noch windigen Abend liest, wird zweifelsohne gut unterhalten werden. Das Buch ist ein Pageturner, bei dem man sicherlich nichts falsch machen kann, wenn man nach einer mitreißenden und leichten Lektüre für Zwischendurch sucht. Viele der Schwächen werden einem auch erst bewusst, wenn man nach der letzten Seite noch einmal über das Buch nachdenkt, und fallen einem während des Schmökerns gar nicht störend auf.

*Cover:*
Das Cover ist dem Original nachempfunden, greift für meinen Geschmack aber trotzdem völlig daneben. Abgesehen von den Zeichen fehlt mir jeglicher Bezug zur Geschichte selbst, da hätte ein düsteres Cover mit geisterhaften Schemen definitiv besser gepasst.

*Fazit:*
Mit "The Legion - Der Kreis der Fünf" startet Kami Garcia ihre Solo-Karriere als Autorin. Der Auftakt ihrer neuen Reihe, die sich um eine Gruppe von Geisterjägern und grausame Dämonen dreht, ist ihr allerdings nur mäßig gelungen. Zwischen den Buchdeckeln schlummert viel ungenutztes Potenzial! Die Idee ist spannend, die Charaktere voller Möglichkeiten, die Atmosphäre zunächst noch gelungen. Leider bleibt es bei den guten Grundbausteinen. Die Figuren bleiben oberflächlich, die Geschichte wirkt teils sehr konstruiert und das Gänsehaut-Feeling flaut recht schnell ab. "The Legion - Der Kreis der Fünf" bietet zweifelsohne ein unterhaltender Pageturner für Zwischendurch, aber hier hätte Kami Garcia vieles besser machen können. Für "The Legion - Der Kreis der Fünf" gebe ich stark schwächelnde drei Lurche.

Grandioser Auftakt voller Witz und Charme!

Das geheime Vermächtnis des Pan - Sandra Regnier

*Worum geht's?*
Felicity Morgan ist achtzehn Jahre alt, trägt eine Zahnspange und hat ein paar Kilos zu viel auf den Hüften. Sie schert sich weder um ihren Kleidungsstil noch um ihr Äußeres und zählt zu den letzten Mädchen, die die beliebteste Clique des Horton College of Westminster in ihre Reihen aufnehmen würden. Als der attraktive Lee FitzMor auf ihre Schule kommt, weiß Felicity genau, mit wem er sich abgeben wird. Doch seltsamerweise scheint sich Lee ausgerechnet für sie zu interessieren! Manchmal kommt es Felicity sogar so vor, als könne Lee ihre Gedanken lesen… und je näher sie ihm kommt, desto klarer wird ihr: Lee ist tatsächlich nicht ganz menschlich…

*Meine Meinung:*
„Das geheime Vermächtnis des Pan“ von Sandra Regnier ist der Auftakt der umschwärmten Pan-Trilogie. Ursprünglich im impress-Verlag erschienen, einem Imprint des Carlsen Verlags, verkaufte sich der zunächst nur als eBook geplante Titel so gut, dass Carlsen nun doch eine Printausgabe in die Buchläden brachte. Das Buch beginnt wie typische paranormale Fantasy für Teenies: ein nicht wirklich menschlicher, aber äußerst attraktiver junger Mann kommt neu auf eine Schule – und alle Mädchen sind hin und weg von ihm. Natürlich hat er nur Augen für seine Auserwählte, seine vom Schicksal prophezeite große Liebe Felicity. Doch Sandra Regnier hat sich dagegen entschieden, ihren Leser die altbekannte Geschichte ein weiteres Mal zu erzählen. Stattdessen spielt sie mit den Klischees und lässt genau das geschehen, was im glatt geschliffenen Romantasy-Roman niemals passieren dürfte: der sexy Typ erwischt die Falsche! Denn die Felicity, nach der er sucht, ist gar nicht das Model, das er gerade küsst – sondern das unscheinbare, pummelige Mädchen, das ihm dabei zuschaut…

Felicity Morgan, von vielen nur City (ja, wie die Stadt) genannt, ist die Erzählerin der Geschichte und entspricht so gar nicht dem stereotypen Idealbild einer Romanprotagonistin. Mit ihren achtzehn Jahren trägt sie noch immer eine Zahnspange, sie hat ein paar Kilos zu viel auf der Waage und von Make-Up und Klamotten hält sie überhaupt nichts. Felicity zählt zu den unbeliebten Schülern des Horton College of Westminster, kann sich mit ihrer untypischen Art aber sofort ins Herz ihrer Leser schleichen. Trotz ihrer eher zurückhaltenden Art hat sie immer einen witzigen und schlagfertigen Spruch parat, der sie noch sympathischer macht. Außerdem ist Felicity kein Mädchen, das schnell den Kopf in den Sand steckt. Sie weiß, was sie möchte, und tut alles, um ihre Ziele zu erreichen. Auch, wenn sie das so manches Mal große Überwindung kostet… Felicity ist nicht wie andere Protagonistinnen, sondern eine ganz besondere, authentische Figur mit großartigen Wertevorstellungen, in die man einfach gern haben muss!

Leander FitzMor, kurz Lee, übernimmt die Rolle des attraktiven Neuankömmlings, der ein Geheimnis zu verbergen hat. Im Gegensatz zu Felicity entspricht er jedem Klischee, das einem Kerl im Jugendbuchgenre nur begegnen kann. Wer nun aber glaubt, dass dies Lee selbst zu einem Klischee macht, täuscht gewaltig. Denn Lee, der nicht nur die Herzen der weiblichen Charaktere im Sturm erobert, hat viel mehr zu bieten als ein anziehendes Äußeres, heiße Flirts und seltsame Fähigkeiten. Hinter Lee steckt eine aufregende Persönlichkeit mit einer tollen Hintergrundgeschichte, über die Sandra Regnier ihre Leser allerdings nur langsam und mit spärlichen Informationsfetzen aufklärt. Man kann sich bei Lee lange nicht sicher sein, was in seinem Kopf vorgeht und welchen Plan er verfolgt, doch eines ist ganz klar: Man will dem faszinierenden Lee um jeden Preis auf die Schliche kommen!

Obwohl es zwischen Felicity und Lee knistert und Sandra Regnier die romantische Ebene ihrer Geschichte oftmals in der Vordergrund rückt, drängt sich die Liebesgeschichte niemals auf. Sandra Regnier hat in „Das geheime Vermächtnis des Pan“ die richtige Balance zwischen seichten Gefühlen, kribbelnden Schmetterlingen im Bauch und kitschiger Romanze aufgebaut. Felicitys Gefühlsentwicklungen mitzuerleben und mit ihr gemeinsam ins Schwärmen zu geraten, sorgt für jede Menge spaßige Momente – sogar bei den verschiedenen Beziehungsgeflechten, die sich im Geschichtsverlauf antun!

Auch sonst ist die Handlung nicht frei von Kitsch und Klischee, aber Sandra Regnier versüßt jedes Kapitel mit ihrem Witz und einer ordentlichen Portion Charme, sodass man gar nicht anders kann, als sich in „Das geheime Vermächtnis des Pan“ zu verlieben. Auch wenn der spannende, magische Teil der Trilogie im Auftakt kaum behandelt wird, wird es einem zwischen den Seiten niemals langweilig. Man erlebt zusammen mit den Charakteren eine amüsante und kurzweilige Geschichte, die für beste Unterhaltung an einem gemütlichen Leseabend sorgt. Hier und da ein bisschen mehr Tiefe hätte Felicity, Lee und ihren Freunden zwar sicherlich nicht geschadet, aber alles in allem bietet „Das geheime Vermächtnis des Pan“ alles, was man sich von einem spaßigen Romantasy-Abenteuer wünschen kann.

Neben Felicity und Lee gibt es noch viele weitere Charaktere, die in „Das geheime Vermächtnis des Pan“ eine Rolle spielen: Felicitys „Loser-Club“, bestehend aus ihren Freunden Phyllis, Nicole, Ruby, Jayden und Corey, ihre manchmal etwas schwierige Familie, der aufgesetzte Star-Club der Schule und noch viele mehr! Trotz der großen Menge an Figuren besteht niemals Verwechslungsgefahr, denn Sandra Regnier hat aus jedem von ihnen einen individuellen Charakter mit seinen persönlichen Stärken und Schwächen gemacht. Dass einige von ihnen trotzdem eine klischeehafte Jugendbuch-Rolle übernehmen (die gilt vor allem der Star-Club!), macht sie wie Lee allerdings nur sympathischer und lustiger.

„Das geheime Vermächtnis des Pan“ endet sehr abrupt und mit einem grausamen Cliffhanger, der einen fassungslos an dem letzten Satz hängen lässt. Verzweifelt sucht man nach dem nächsten Kapitel – genau an der Stelle kann doch nicht einfach Schluss sein! -, aber so sehr man sich auch bemüht: Es lassen sich keine weiteren Seiten finden. Sandra Regnier sorgt mit dem Abschluss ihres Auftakts auf ganz gemeine Weise dafür, dass man sofort weiterlesen will. Koste es, was es wolle! Daher gibt es von mir nicht nur eine klare Leseempfehlung für den ersten Band der Pan-Trilogie, sondern auch die deutliche Warnung, dass ihr den Buchladen keinesfalls verlassen solltet, wenn ihr nicht auch die Fortsetzung „Die dunkle Prophezeiung des Pan“ dabei habt!

*Cover:*
An sich gefällt mir das Cover gut. Die Silhouette eines Mädchens mit Feenflügeln und die Skyline Londons im Hintergrund – diese Kombination strahlt definitiv eine tolle Atmosphäre aus! Wer sich das Cover jedoch genauer anschaut, dem wird schnell auffallen, das die verschiedenen Bildelemente eher unsauber zusammengefügt wurden. „Von weitem hui, von nahem pfui“ ist zwar etwas übertrieben, aber das hätten die Grafiker wirklich besser hinbekommen können.

*Fazit:*
„Das geheime Vermächtnis des Pan“ von Sandra Regnier ist ein gelungener Auftakt ihrer Pan-Trilogie. Die Geschichte um Felicity, die so gar nicht dem perfekten Protagonisten-Image entsprechen will, ist ein großartiges Buch, um einfach mal abzuschalten und sich in eine fremde magische Welt entführen zu lassen, in der man beinahe unentwegt zum Lachen gebracht wird. Sandra Regnier spielt mit Kitsch und Klischee der jugendlichen Fantasy und schafft es mit ihrem Charme und ihrem locker-flockigen Schreibstil, aus ihrem Trilogie-Auftakt einen kurzweiligen Pageturner zu machen. „Das geheime Vermächtnis des Pan“ ist zuckersüß und sorgt für spaßige Lesestunden! Ich vergebe gute 4 Lurche und bin schon sehr gespannt, welche Abenteuer in „Die dunkle Prophezeiung des Pan“ auf Felicity und Lee warten werden…

So viel mehr als bloß ein Buch!

Mehr als das - Patrick Ness

*Worum geht's?*
Seth ertrinkt. Er hat keine Chancen gegen das tosende Meer – und stirbt. Doch dann wacht er auf, hilflos und nackt, an einem Ort, der ihm nicht völlig unbekannt ist. Aber nun ist alles verlassen und Seth ist allein. Ist das etwa die Hölle? Oder ist das vielleicht doch noch nicht das Ende für Seth? 

*Meine Meinung:*
„Mehr als das“, der neue Roman von Patrick Ness, ist ein Buch, an das man möglichst ohne Vorwissen herantreten sollte. Bevor ich die erste Seite aufschlug, kannte ich nur den Klappentext – und das war auch gut so! Denn „Mehr als das“ lebt von seiner Einzigartigkeit, seiner Originalität, die es unmöglich macht, das Buch einem bestimmten Genre zuzuteilen. Schon der kleinste Spoiler kann der Handlung einen ihrer entscheidenden Überraschungsmomente nehmen. Obwohl ich mich in meiner Rezension natürlich von allen Spoilern fernhalten werde, kann ich jedem von euch nur empfehlen: Lest „Mehr als das“, ohne euch vorher mit einer anderen Meinung ein Bild über das Buch zu machen. Lest es – am besten sofort und ohne Umschweife!

Allen Hartgesottenen, denen eine klare Leseempfehlung noch nicht ausreicht, sei verraten, dass ihnen mit „Mehr als das“ keine leichte Lektüre bevorsteht. Schon auf den ersten Seiten erlebt man, wie Protagonist Seth ertrinkt und den tosenden Wellen des Meeres zum Opfer fällt. Patrick Ness nimmt kein Blatt vor den Mund und beschreibt das Geschehen mit grausamer Ehrlichkeit, auch über den Tod seines Charakters hinaus. Denn Seth‘ Tod ist erst der Anfang des Romans, der sich mit jeder Seite steigert. Ness behandelt viele tiefgründige Themen, sowohl in Seths Suche nach der Wahrheit als auch in den vielen Rückblenden, in denen er prägende Ereignisse aus der Zeit vor seinem Tod erneut durchlebt. „Mehr als das“ handelt von Verlusten, Überwindungen, Untergängen und Rettungen – schwierige und intensive Themen, die Patrick Ness mit solch einer nachdrücklichen Tiefe erzählt, dass man dem Roman auf jeder Seite seine volle Aufmerksamkeit schenken muss.

Seth, der Protagonist der Geschichte, ist mindestens genauso außergewöhnlich wie der Roman selbst. Obwohl man ab der ersten Seite mit ihm mitfiebert, fühlt man sich nicht sofort mit ihm verbunden. Seth ist zunächst ein sehr distanzierter Charakter; die vielen prägenden Ereignisse in seinem jungen Leben haben ihn still und zurückhaltend werden lassen. Je mehr man über Seth erfährt, desto stärker wird jedoch die Verbindung zwischen ihm und einem selbst. Für mich war es beinahe so, als hätte ich mit Seth eine tiefe Freundschaft geschlossen. Eine Freundschaft, die weit über die Seiten und die schweren Buchdeckel hinausgeht. Seth musste und muss vieles erleben – am liebsten würde man selbst in das Buch hineingehen, um ihm als Freund beistehen zu können -, doch genau diese Erfahrungen sind es, die in später zu dem jungen Mann werden lassen, der einem im Herzen bleibt.

Die gesamte Atmosphäre des Romans ist düster und sehr kühl. Patrick Ness ruft mit seinem eindringlichen Schreibstil, der unter die Haut geht, eine erschütternde Stimmung hervor und beschert seinen Lesern damit in so manch einem Moment eine kribbelnde Gänsehaut. Man weiß nie, wie es mit Seth weitergeht, auf welche Wahrheit er als nächstes stoßen wird, was die Seiten mit purer Spannung füllt. Die karge, gar ausgestorbene Umgebung, in der Seth sich nach seinem Tod zurechtfinden muss, unterstreicht dies mit ihrer unheimlichen und obskuren Ausstrahlung zusätzlich.

Trotz der düsteren Thematik und der schaurigen Stimmung zwischen den Buchdeckeln hat „Mehr als das“ - getreu dem Titel – viel mehr als das zu bieten. Denn Patrick Ness beschreibt zwar ein gruseliges und erschreckendes Szenario, lässt aber weder seine Charaktere noch seine Leser mit einer aussichtslosen Trostlosigkeit zurück. In Seths Geschichte tauchen immer wieder kleine Lichtblicke auf, die ihm neuen Mut schenken. Nicht selten verknüpft Patrick Ness eben diese Momente mit philosophischen Gedanken, die zum Nachdenken anregen und uns Leser dazu animieren, uns auf die Suche nach unserem persönlichen „Mehr“ zu machen.

In „Mehr als das“ werden nicht alle Fragen beantwortet, die sich während des Lesens ergeben. Nach der letzten Seite bleibt man mit so manchem Fragezeichen im Kopf zurück. Als störend empfand ich dies allerdings nicht. Patrick Ness schafft einen offenen Raum für eigene Gedanken, die durch Seths Geschichte in einem herangewachsen sind. Sich sofort in eine neue Buchwelt zu stürzen, ist nach diesem Roman mit seinem tiefgreifenden Abschluss beinahe unmöglich. „Mehr als das“ bleibt im Kopf und wird dort noch lange nach der letzten Seite sein Unwesen treiben.

*Cover:*
Das Cover ist sehr schlicht gehalten und hat mir auf Anhieb gut gefallen. Dass es eine so tiefgreifende Geschichte verbirgt, hat mir vor dem Lesen allerdings nur Patrick Ness‘ Name deutlich gemacht. Nachdem ich „Mehr als das“ verschlungen habe, bin ich aber noch immer ein Fan des Covers, da es eine entscheidende Szene aus dem Buch darstellt.

*Fazit:*
„Mehr als das“ von Patrick Ness macht seinem Titel alle Ehre: Es ist so viel mehr als ein Buch! Es ist eine Geschichte voller Spannung und mitreißender Momente, überraschender Wendungen und komplexer Verstrickungen. Neben der grandiosen Handlung, die sich niemals vorhersehen lässt, und tiefgründigen Charakteren bietet „Mehr als das“ zwischen den Zeilen so viele Lebensweisheiten, die unter die Haut gehen. Der neue Roman von Patrick Ness hat einfach alles, was ein geniales Must-Read auszeichnet. Wenn das Buch also nicht schon längst auf eurer Wunschliste steht, solltet ihr es dringend nachholen! Sofort! Für „Mehr als das“ vergebe ich 5 Lurche.

Geht direkt ins Herz - und bleibt dort auch!

Sternschnuppenträume - Julie Leuze

*Worum geht's?*
Für eine Nacht alle Sorgen vergessen und nur die Sternschnuppen zählen, die über den Nachthimmel ziehen. Für eine Nacht einfach nur leben! Das ist Sveas Wunsch, als sie am Ende ihrer letzten Schulferien auf die große Strandparty geht - und sich auf den Aufreißer Nick einlässt. Nick, der mit ihr am Strand liegt und ihre Sorgen wegküsst. Nick, der ihr schon am nächsten Tag das Herz brechen wird. Svea weiß, dass sie niemals eine gemeinsame Zukunft haben können. Aber warum fühlt sie sich dann so einsam ohne Nick? Nick, der bei ihr ganz anders war als sonst. Nick, der wie Svea nicht der ist, der er für andere vorgibt zu sein…

*Meine Meinung:*
Mit „Sternschnuppenträume“ veröffentlicht Julie Leuze nun ihr zweites Buch für junge Erwachsene bei Egmont INK. Wie auch schon „Der Geschmack von Sommerregen“ ist dieser Roman allerdings alles andere als leichte Jugendlektüre, auch wenn Cover und Titel vielleicht eine unterhaltsame Sommergeschichte mit Gefühl vermuten lassen. „Sternschnuppenträume“ schlägt zwar eine andere Richtung ein als „Der Geschmack von Sommerregen“, behandelt aber erneut schwierige und bedrückende Themen, die nicht totgeschwiegen werden dürfen. Probleme verschwinden schließlich nicht, nur weil man nicht über sie spricht – eine eindringliche Erfahrung, die auch die Protagonisten Svea und Nick machen müssen. 

Erzählt wird „Sternschnuppenträume“ aus zwei verschiedenen Perspektiven, nämlich die der Hauptcharaktere Svea und Nick. Kapitel für Kapitel wechseln sich die beiden Protagonisten ab und berichten von ihren ganz persönlichen Ereignissen. Dabei gewährt Julie Leuze tiefe Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, die es überhaupt erst möglich machen, Svea und Nick wirklich kennenzulernen. Denn in Wahrheit sind die beiden Protagonisten nicht die, die sie nach außen hin vorgeben zu sein. Sowohl Svea als auch Nick haben mit familiären Problemen zu kämpfen, von denen niemand in ihrem Umfeld etwas erfahren darf. 

Julie Leuze vermittelt in „Sternschnuppenträume“ eine – nicht nur für Jugendliche! - sehr wichtige Moral: Du bestimmst dein Leben selbst. Du musst für deine Träume, für dich und deine Wünsche einsetzen, denn was aus deinem Leben wird, hast allein du in der Hand. Im Verlauf der Handlung wird dies auch Svea und Nick immer deutlicher bewusst und sie vollziehen große Entwicklungen, vor denen man nur den Hut ziehen kann. Sie müssen sich ihren Schatten stellen, ihre Ängste überwinden, Opfer bringen und Mut beweisen. Die Autorin stellt ihre Charaktere vor große Hindernisse, an denen sie wachsen, lässt sie aber durchaus spüren, dass es im Leben immer wieder Rückschläge gibt, an denen man nicht zerbrechen darf. 

Obwohl sich die Gefühle zwischen Svea und Nick schnell entwickeln, wirken ihre Gefühle niemals aufgesetzt oder oberflächlich. Während andere „New Adult“-Romane schnell vor Kitsch und Unglaubwürdigkeit triefen, findet Julie Leuze für „Sternschnuppenträume“ immer die richtigen Worte. Die Autorin schreibt mit so viel Gefühl und so viel Authentizität, dass schnell der Eindruck entsteht, man würde gar keine fiktive Geschichte, sondern eine wahre Begebenheit aus dem echten Leben zu lesen bekommen. Julie Leuze verwebt die Erzählungen ihrer Charaktere mit Herzblut und Lebensfunken und schafft damit Bücher, die ins Herz gehen – und dort bleiben. 

Sex spielt in „Sternschnuppenträume“ eine große Rolle und wird von Julie Leuze auch explizit beschrieben. Allerdings tut die Autorin dies auf eine Art und Weise, wie sie für junge Erwachsene angemessen und ansprechend ist. Damit hebt sie ihren Roman erneut von anderen des Genres ab. Hier geht es nicht einfach bloß um Sex, sondern um Gefühle, um die Liebe in all ihren Facetten. Nicht die rein körperliche Lust, sondern das Vertrauen, die Intimität und die Leidenschaft zu- und füreinander stehen im Vordergrund. Während andere „New Adult“-Autorinnen ihre Sexszenen leider oftmals billig und niveaulos wirken lassen, versteht es Julie Leuze die schönste Sache der Welt mit ehrlichen und gefühlvollen Umschreibungen noch schöner zu machen. 

*Cover:*
Wie schon bei „Der Geschmack von Sommerregen“ ist ein Pärchen auf dem schwarz-weißen Cover zu sehen; nur der Titel sticht farbig heraus. Es fängt die Atmosphäre der Geschichte perfekt ein, lädt zum Schwärmen ein und sieht einfach klasse aus – toll!

*Fazit:*
„Sternschnuppenträume“ von Julie Leuze zieht definitiv in mein Lieblingsbuchregal. Es ist eine wundervolle Geschichte zweier Jugendlicher, die mit viel mehr Problemen zu kämpfen haben als dem bloßen Erwachsenwerden. Es ist eine Geschichte voller Gefühl und Liebe, voller Mut und Kraft, trotz all der bedrückenden und schwerwiegenden Lasten, die Julie Leuze ihren Protagonisten Svea und Nick aufbürdet. Ein Buch, das ich jedem empfehlen möchte, der sich gerne von tiefgründigen und bedeutsamen Jugendbüchern mitreißen lässt. „Sternschnuppenträume“ geht direkt ins Herz – und bleibt dort auch! Für „Sternschnuppenträume“ vergebe ich 5 Lurche.

Emotional und eindringlich!

Wo die liebe tötet - Jennifer Shaw Wolf

*Worum geht's?*
Allies Freund Trip ist tot. Er ist bei dem Autounfall ums Leben gekommen, an den sie all ihre Narben täglich erinnern. Doch was an jenem verhängnisvollen Abend tatsächlich geschehen ist, weiß Allie nicht. Sie hat ihr Gedächtnis verloren – und möchte es auch gar nicht wieder. Als die Polizei sie plötzlich verdächtigt, bleibt Allie allerdings keine Wahl. Sie muss sich der Wahrheit stellen: War es wirklich ein Unfall?

*Meine Meinung:*
Mit „Wo die Liebe tötet“ legt Jennifer Shaw Wolf ihren Debütroman, einen Jugend-Thriller, vor, der sicherlich nicht nur Leser der Zielgruppe zu begeistern vermag. Die Autorin erzählt die Geschichte von Allie, die einen schweren Autounfall überlebt hat – im Gegensatz zu ihrem Freund Trip. Plötzlich wird sie von der Polizei verdächtigt, doch Allie kann sich an nichts erinnern. War Trips Tod wirklich ein Unfall? Es ist ein Buch über Verlust und Ängste, über die grausame Wahrheit, aber auch über den Mut zum Neuanfang. „Wo die Liebe tötet“ ist ein großartiger Thriller, der einen emotional auf so vielen unterschiedlichen Ebenen gefangen nimmt.

Jennifer Shaw Wolf schafft es bereits nach wenigen Seiten ein hohes Spannungslevel zu erzeugen, das einen augenblicklich an den Roman fesselt. Instinktiv spürt man durch die geladene Atmosphäre, dass hinter Trips Autounfall und Allies Gedächtnisverlust viel mehr steckt als man zunächst glauben mag. Gepackt von Neugier, Spannung und grausiger Faszination, die gute Thriller in ihren Lesern auslösen, lässt „Wo die Liebe tötet“ nicht mehr los, ehe man nicht das letzte Geheimnis gelüftet hat.

Protagonistin Allie ist eine tolle Figur, die einem schnell sympathisch wird. Sie musste bereits viele schlimme Dinge erleben, die sie in ihrer Persönlichkeit geprägt haben. Von dem Mädchen, das sie einst war, ist spätestens seit Trips Tod nichts mehr übrig. Nun ist sie vorsichtig, zurückhaltend, verschlossen. Nicht jedoch für die Leser, die sie auf der Suche nach ihrem Gedächtnis und der Wahrheit begleiten. Allie ist eine Person, mit der man von Anfang an mitfühlt und der man im Laufe ihrer Geschichte gar nicht von der Seite weichen will. Man leidet mit ihr, sympathisiert mit ihr, obwohl sie mit den Seiten erst langsam auftaut.

In „Wo die Liebe tötet“ gibt es keine glatten Charaktere, die nur oberflächlich gestaltet wurden. Jennifer Shaw Wolf hat für ihren Roman eine ganze Schar großartiger Figuren entworfen, die allesamt mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Ecken und Kanten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ob dieser nun positiv oder negativ ausfällt, liegt ganz an den Geheimnissen der jeweiligen Person – und davon haben sie genug! Ihre Facetten und ihre nicht immer ehrlichen Persönlichkeiten machen jeden von ihnen zu einem individuellen Charakter. Besonders Andrew, Allies körperlich behinderter Zwillingsbruder, und Blake konnten mich begeistern.

Die Autorin spricht einige Themen an, vor denen die Gesellschaft gerne die Augen verschließt. Auch in dem kleinen Örtchen Pacific Hills ist das nicht anders. Hier kennt jeder jeden und es wird getuschelt und getratscht, was das Zeug hält. Welche Auswirkungen und Konsequenzen das für die Opfer hat, stellt Jennifer Shaw Wolf in ihrem Debüt erschreckend realistisch dar. Sie regt mit ihrer Kritik zum Nachdenken an und zeigt durch die intensive Auseinandersetzung sogar Hilfestellungen auf. Wolf macht mit Allies Geschichte Mut – zur Hilfe und Selbsthilfe.

Jennifer Shaw Wolfs Schreibstil ist gut, aber auf den ersten Blick nicht herausragend. Sie schreibt toll, flüssig und rasant, fällt jedoch kaum mit Satzschätzen auf, die man sich mit einem Post-It markieren möchte. Das braucht die Autorin allerdings auch nicht, denn ihre leicht verständliche und prägnante Sprache passt perfekt zu der Geschichte und ihrer Atmosphäre. „Wo die Liebe tötet“ liest sich dank der gelungenen Kombination aus spannender Handlung und mitreißendem Schreibstil schnell aus der Hand und hat den Titel „Pageturner“ damit wahrlich verdient.

*Cover:*
Schlicht, aber durch die extremen Farben sehr eindringlich und stark. Ich mag dieses Cover sehr gerne und finde es toll, dass der Stil der "Herzblut"-Reihe erkennbar ist.

*Fazit:*
„Wo die Liebe tötet“ von Jennifer Shaw Wolf ist ein großartiges Roman-Debüt, das ich gar nicht aus den Händen legen wollte. Die Geschichte von Allie, die nach ihrem verlorenen Gedächtnis und der brutalen Wahrheit sucht, hat mich in jeglicher Hinsicht begeistert. Schon lange habe ich keinen Jugend-Thriller mehr gelesen, der mich emotional so sehr mitgerissen, mich so sehr hat mitleiden lassen. Dieses Buch ist ein absoluter Pageturner, den ich auch über die Zielgruppe hinaus weiterempfehlen möchte. Denn „Wo die Liebe tötet“ ist eine eindringliche Geschichte über ein Thema, vor dem die Gesellschaft viel zu stark die Augen verschließt. Ich vergebe 5 Lurche.

Haben die Postmortalen noch eine Chance?

Frühling - Hubertus Rufledt, Helge Vogt

*Worum geht's?*
Die Bagger rücken an. Bauunternehmer Schneidewind hat sein Ziel erreicht und beginnt mit dem Abriss des Friedhofs. Alisik und die Postmortalen versuchen alles, um ihre Gräber zu retten. Aber was können Geister gegen Maschinen schon ausrichten? Während die Heimat der Postmortalen droht, zerstört zu werden, müssen auch Alisik und Ruben in ihrer Liebe mit folgenschweren Erkenntnissen kämpfen…

*Meine Meinung:*
Mit „Frühling“ geht die „Alisik“-Reihe von Hubertus Rufledt und Helge Vogt nun schon in die dritte Runde. Es wird spannender und dramatischer als je zuvor, denn die Bagger des Bauunternehmers Schneidewind beginnen mit der Zerstörung des Friedhofs. Als hätten Alisik und die Postmortalen nicht schon genug damit zu tun, ihre Gräber zu retten, muss sich das Mädchen zudem neuen Erkenntnissen über ihr wahres Ich und ihren Tod stellen. „Frühling“ hält für Alisik eine Achterbahn der Gefühle bereit, die einen auch als Leser voll und ganz mitreißen kann.

Alisik hat mich in diesem Band mal wieder mit ihrer skurrilen, liebevollen Art bezaubern können. Sie hat ihren ganz eigenen Stil, was sich nicht zuletzt an ihrer Kleidung zeigt: Mal sieht sie aus wie ein Mädchen aus den 50er-Jahren, mal kleidet sie sich passend zu Ostern wie ein Hase. So vielfältig wie ihr Klamottenstil, so facettenreich ist auch der Charakter der jungen Postmortalen, die in „Frühling“ neue, ernstere Seiten von sich zeigt. 

Die Liebesgeschichte zwischen Alisik und Ruben arbeitet langsam auf eine ernstere Ebene hin. Alles könnte so schön sein und zum Mitschwärmen einladen, wäre da nicht die Tatsache, dass der Tod das verliebte Pärchen bereits geschieden hat! Alisik steht vor der großen Entscheidung, ob sie Ruben wirklich erzählen möchte, ob sie ein Geist ist. Eine komplizierte Entscheidung, die Konsequenzen mit sich ziehen wird - ganz egal, wie Alisik wählen wird.

Neben Alisik kommt in „Frühling“ vor allem der General sehr gut zur Geltung. Endlich erhält der Mann mit dem großen Loch im Rumpf die Möglichkeit, sich selbst zu beweisen. Mit der Geschichte, die der General über sein vergangenes Leben und seinen Tod erzählt, sorgt der General für große Emotionen. Sein Ableben ist wesentlich tragischer, dramatischer und grausamer gewesen als das der anderen Postmortalen. Kein Wunder also, dass die Atmosphäre des gesamten Comics nach dieser Erzählung eher düster und traurig bleibt.

Obwohl mir die Handlung in „Frühling“ an sich gut gefallen hat und auch die Charaktere mit neuen Seiten an sich bei mir punkten konnten, kann der dritte Band der Reihe für mich leider nicht ganz an seine beiden Vorgänger anknüpfen. Die neue Bedrohung der Seelenfresser, die bereits in „Winter“ angeschnitten wurde, kam für meinen Geschmack viel zu wenig zur Geltung. Auch die Ungereimtheiten um Oma Samtkraut hinterließen mehr Fragen als Antworten und sorgten dafür, dass die anderen Charaktere Sympathiepunkte einbüßen mussten. Bleibt zu hoffen, dass sich im letzten Band „Tod“, der im Frühjahr 2015 erscheinen soll, alles klären wird!

*Cover:*
Das Cover ist ebenso ein Eye-Catcher wie die der beiden Vorgänger. Helge Vogts Zeichnungen sind einfach großartig und einzigartig!

*Fazit:*
„Frühling“, der dritte Band der „Alisik“-Reihe von Hubertus Rufledt und Helge Vogt, führt die Geschichte um Alisik gelungen fort, konnte mich aber nicht so sehr von sich überzeugen wie die zwei vorherigen Teile. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, die Ereignisse und Entdeckungen überschlagen sich, die Charaktere wachsen über sich hinaus. Alles an „Frühling“ sorgt für mitreißende Spannung, wären da nicht die Ungereimtheiten und die Fragen, die sich immer wieder in den Lesefluss drängen. Nichtsdestotrotz ist „Frühling“ eine tolle Fortsetzung, die gut unterhält und große Lust auf das Finale „Tod“ macht. Für „Frühling“ vergebe ich schwache 4 Lurche.

Beste Unterhaltung für alle Comic-Fans

Winter - Hubertus Rufledt, Helge Vogt

*Worum geht's?*
Gemeinsam mit Ruben versucht Alisik, den Verursacher des Unfalls zu finden, bei dem Ruben sein Augenlicht verloren hat. Dabei kommt sie dem Geheimnis ihrer Identität als Sterbliche immer näher! Viel Zeit zum Forschen bleibt Alisik jedoch nicht, denn der rücksichtslose Bauunternehmer Schneidewind setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Friedhof nun doch abreißen zu können…

*Meine Meinung:*
In „Winter“, dem zweiten Band der „Alisik“-Reihe von Hubertus Rufledt und Helge Vogt, geht die Geschichte um das verstorbene Mädchen Alisik beinahe nahtlos weiter. Man findet sich selbst nach einer längeren Lesepause schnell wieder im Geschehen zurecht, das einem dank vieler verstrickter Geheimnisse schnell ein ungutes Gefühl in die Magengrube zaubert. Die Beziehungen unter den Charakteren und ihre Geschichten verweben sich immer stärker zu einem dichten Netz, das einem mit jeder Faser zu spüren gibt, dass ein glücklicher Ausgang für Alisik und ihre Freunde fast unmöglich ist…

In „Winter“ erwarten einen nicht nur neue Entdeckungen und Bedrohungen, sondern auch viele Informationen über die Postmortalen und ihre Hintergrundgeschichten. Neben Alisik, die dem Rätsel ihres Ablebens näher und näher kommt, erfährt man diesmal, wie der lustige Frings und der tollpatschige Hitzkopf gelebt haben und welche Umstände zu ihrem Tod geführt haben. 

Rufledt und Vogt haben im zweiten Band der „Alisik“-Reihe eine gelungene Balance gefunden: Sie bieten viele neue Hinweise, die der Geschichte in jeglicher Hinsicht neuen Stoff bieten, ohne dabei zu viel zu verraten. Die Charaktere entwickeln sich weiter, der Mystery-Aspekt vertieft sich und die auch die Krimi-Elemente werden auf eine neue Ebene gebracht. Sogar die Liebesgeschichte beginnt langsam, aber sicher Funken zu werfen! Nichtsdestotrotz bleiben noch immer viele Dinge unklar, sodass man selbst spekulieren kann, wie es mit Alisik und ihren Freunden weitergehen wird.

„Winter“ bietet beste Unterhaltung voller Witz, Spannung und Spaß und steht seinem Vorgänger in nichts nach. Dafür wird man in diesem Band einem wesentlich gemeineren Cliffhanger ausgesetzt, der einen nach der letzten Seite sofort nach der Fortsetzung „Frühling“ lechzen lässt. Nach der eigentlichen Geschichte gibt es allerdings wieder einmal einen kleinen Appetithappen: das Cover des dritten Bandes, das ebenso viel Lust aufs Weiterlesen macht wie der aufregende Schluss.

Im ersten Band „Herbst“ haben ein paar Logikfehler aufmerksame Leser verdutzt aus dem Lesefluss herausbrechen lassen. Diese Ungereimtheiten werden nun in „Winter“ als kleine Anmerkungen neben der Geschichte geschickt ausgebessert, sodass man rückblickend sogar ein wenig schmunzeln muss. Gut gelöst, liebe Autoren!

Vogts Zeichenstil bleibt auch diesmal so, wie man es sich von dem Illustrator wünschen würde: wunderschön und doch sehr eigen und speziell! Erst durch seine Zeichnungen wird die „Alisik“-Reihe zu dem genialen Gesamtpaket, das man als Leser geboten bekommt – und das zu dem kleinen Preis trotz der guten Druckqualität! Comic-Fans, die sich für farbenprächtige Illustrationen wie in „Herbst“ begeistern konnten, werden auch hier nicht enttäuscht werden. Und dass, obwohl Vogt in „Winter“ mit vielen neuen Farben spielt.

*Cover:*
Vogts Zeichnungen sind so einzigartig und individuell, dass man sich gar nicht daran sattsehen kann! 

*Fazit:*
„Winter“, der zweite Band der „Alisik“-Reihe von Hubertus Rufledt und Helge Vogt, steht seinem Vorgänger „Herbst“ in nichts nach. Tatsächlich konnte mich dieser Teil noch mehr begeistern! Neue Hinweise, Entdeckungen und Bedrohungen stellen Alisik, Ruben und auch die Postmortalen vor ungeahnte Herausforderungen. Aufregende und emotionale Momente wechseln sich ab und überbieten sich gegenseitig, machen es gar unmöglich, den Comic aus der Hand zu legen! Mit viel Witz und Charme, aber auch einem hohen Spannungsniveau bietet „Winter“ beste Unterhaltung für alle Comic-Fans und jenen, die bisher eher skeptisch waren. Für „Alisik: Winter“ vergebe ich 5 Lurche.

Eine schaurig-schöne Novelle, an die ich mein Leserherz verloren habe!

Seacrest House (German Edition) - Lilach Mer

*Worum geht's?*
Als Joss eines Tages an einer Haltestelle in Blackpool aufwacht - ohne Beschäftigung und ohne einen einzigen Penny in der Tasche -, traut er seinen Augen nicht: Eine seltsame Katze sitzt auf seiner Brust und schaut ihn eindringlich an. Doch dieses merkwürdige Ereignis soll nicht das einzige an diesem Tage bleiben. Durch einen Zufall kommt Joss zum "Seacrest House", einer verwitterten alten Pension, die dringend einen Handwerker sucht. Er ergreift seine Chance, ohne dabei auch nur im Geringsten zu ahnen, welch dunklen Geheimnisse das alte Haus behütet...

*Meine Meinung:*
Mit nicht einmal 150 Seiten und großer Schrift scheint "Seacrest House", das neue Werk aus der Feder von Lilach Mer, auf den ersten Blick tatsächlich eine jener Novellen zu sein, die einem als Leser höchstens einen amüsanten Leseabend bescheren kann. Tatsächlich ist Lilach Mers kurze Schauergeschichte aber so viel mehr! Die Autorin bietet ihren Lesern eine schaurig-schöne Erzählung voller geheimnisvoller und versteckter Details, die das Lesen zu einer kleinen Schatzsuche werden lassen.

Die Geschichte um Joss, einen mittellosen Herumtreiber, der durch einen schicksalhaften Zufall eine Anstellung als Heimwerker in der Pension "Seacrest House" findet, ist im Großen und Ganzen vorhersehbar. Das tut der Novelle allerdings keinen Abbruch! Der gruselige Lesespaß wird vor allem von der dichten Atmosphäre bestimmt, die einen gebannt und mit einer leichten Gänsehaut an den Seiten kleben lässt, obwohl man Geheimnis des "Seacrest House" schnell gelüftet hat.

Obwohl man in der Kürze der Seiten insgesamt nur wenig über die Charaktere erfährt, sind sie mir allesamt mehr ans Herz gewachsen als so mancher Protagonist eines Romans. Allen voran natürlich Joss, der vom Glück verlassene Hauptcharakter, und der mysteriöse Kater, der durch die Gassen Blackpools streift. Lilach Mer hat aus jeder ihrer Figuren eine durchdachte und tiefsinnige Persönlichkeit gemacht, über die man zwischen den Zeilen mehr erfährt als man auf Anhieb begreifen kann. Auch wenn mir "Seacrest House" als Novelle sehr gut gefallen hat, kann ich nicht verleugnen, dass ich den einzelnen Charakteren auch gerne in einem Roman begegnet wäre.

Lilach Mer ist eine wahre Wortkünstlerin. Mit ihrer poetischen Schreibe schafft sie wunderschöne Bilder, die sich direkt vor das innere Auge der Leser malen und mit jedem Wort intensiver werden. Ihre Liebe zum Detail, die sich sowohl in der Handlung als auch in ihrem Stil wiederfindet, lässt zudem eine einzigartige Atmosphäre entstehen, die gewaltiger kaum sein könnte. "Seacrest House" zu lesen ist wie das Betrachten eines nostalgischen Kunstwerkes.

Mein persönliches Highlight ist übrigens das Ende der Novelle, das die gesamte Geschichte noch einmal in einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet. Lilach Mer bietet ihren Lesern eine neue Perspektive, die auf ihre eigene charmante Weise überrascht und in einem sofort die Lust entfacht, das Büchlein mitsamt den neu gewonnenen Erkenntnissen noch einmal zu entdecken.

*Cover:*
Zu meinen Coverlieblingen darf sich dieses leider nicht zählen. Nichtsdestotrotz ist es ein ordentliches Cover, dass die Atmosphäre des Romans gut einzufangen vermag. Mein absolutes Highlight ist der Schriftzug mit der Katze, der den Rest des Covers absolut in den Schatten stellt.

*Fazit:*
Mit "Seacrest House" ist Lilach Mer eine schaurig-schöne Novelle gelungen, an die ich mein Leserherz verloren habe. Trotzdem kann ich das Büchlein - leider! - nicht bedingungslos weiterempfehlen. Denn "Seacrest House" lebt vor allem von der dichten und stimmungsvollen Atmosphäre und den zahlreichen Details, die zwischen den Zeilen ihre eigene Geschichte zu erzählen scheinen. Wer beim Lesen auf andere Dinge Wert legt, wird mit der Erzählung wahrscheinlich eher weniger anfangen können. Dabei ist Lilach Mers poetische, künstlerische Schreibe es definitiv Wert gelesen zu werden! Ich vergebe für "Seacrest House" 5 Lurche - in der Hoffnung, dass der Kater von Blackpool sie nicht in seine Krallen bekommen wird...

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Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe
Colleen Houck, Beate Brammertz
Illusion. Das Zeichen der Nacht
'Javier Pelegrin', 'Ana Alonso'