Die Legende der Wächter 4: Die Belagerung

Die Belagerung (Die Legende der Wächter, #4) - Kathryn Lasky, Katharina Orgaß *Worum geht's?* Nach der abenteuerlichen Rettungsaktion haben Soren und seine Freunde es geschafft, Eisenschnabel lebensgefährlich zu verletzen und den ehrwürdigen Ezylryb zu befreien. Aber an Entspannung ist nicht zu denken! Soren und Gylfie müssen mit der "Brigade der Besten" als Spione in das verhasste Sankt-Ägolius-Internat für verwaiste Eulen zurückkehren und herausfinden, was die bösen Eulen über die Tupfen wissen. In der Zwischenzeit erholt sich Eisenschnabel schneller als gedacht von seinen Verletzungen und ruft die Reinen zusammen, um den großen Ga'Hoole-Baum einzunehmen. Ein großer Krieg steht bevor... *Kaufgrund:* Die ersten drei Romane der Reihe haben mir insgesamt gut gefallen, daher wartete ich schon lange gespannt auf den vierten Teil, "Die Belagerung". *Meine Meinung:* (Bitte nur weiterlesen, wenn man die ersten drei Teile bereits kennt. Sonst besteht Spoilergefahr!) Wie bereits bei den Vorgängern, gibt es auch in diesem Buch zu Beginn eine Landkarte der Umgebung und einige tolle Eulenillustrationen zu bewundern, die dem Leser helfen, sich ein Bild von Soren, seinen Freunden und seinen Feinden zu machen. Die Handlung beginnt sehr rasant und dank ausführlichen Rückblenden findet sich der Leser schnell wieder in der Welt der Eulen zurecht. Ein aufregendes Ereignis folgt auf das nächste; dabei wechselt die Autorin diesmal sogar zwischen den Erlebnissen von Soren und seinen Freunden sowie denen von Kludd und den Bösewichten hin und her, sodass man einen Einblick in die Beweggründe Eisenschnabels erhält. Es gibt unerwartete Wendungen und sogar ein Wiedersehen mit einer Figur, die man nicht mehr erwartet hätte. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto näher kommen die Eulen dem Krieg, der einige Opfer fordern und die übrigen Figuren verändern wird. Leider war der große Kampf zu schnell vorbei. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin an dieser Stelle mehr Zeit für die Ereignisse und ihre Folgen nimmt. Nichtsdestotrotz schafft Lasky es, das Buch spannungsgeladen ausklingen zu lassen und den Leser neugierig auf den nächsten Teil zu machen, ohne dabei einen Cliffhanger zu nutzen. Soren und seine Freunde Gylfie, Morgengrauen und Digger bleiben die mutigen, sympathischen Eulen, die sie immer waren. Sie sind es nicht, die die größte Entwicklung vollziehen werden: Bisher eher als überhebliche Nervensäge aufgefallen, übernimmt Otulissa eine entscheidende Rolle und verändert sich durch die schrecklichen Ereignisse grundlegend. Sie und Kludd, Sorens grausamer Bruder, zeigen, wie wichtig Nebencharaktere sein können, und überzeugen auf ganzer Linie. Laskys Schreibstil ist für ein Kinderbuch mehr als angemessen. Er ist leicht zu verstehen, sehr flüssig und nicht ausschweifend, sodass keine monotonen Stellen entstehen, die jüngere Leser langweilig finden könnten. Allerdings scheut die Autorin nicht davor zurück, brutale und blutige Szenen mit in ihren Roman zu schreiben. So wird einer Eulen beispielsweise die Kehle aufgeschlitzt, während einer anderen die Kopfhaut aufgeschnitten wird. Für sanfte Gemüter ist die "Die Legende der Wächter"-Reihe nicht zu empfehlen. Eltern sollten zu erst einen Blick in das Buch werfen, bevor sie es ihren Kleinen zu lesen geben. Bei der großen Eulenschar, die in und um den großen Ga'Hoole-Baum herumwuselt, verliert man schnell den Überblick. Als kleine Erinnerungsunterstützung gibt es daher am Ende des Buches eine Auflistung aller wichtigen Charaktere zu finden. Wenn man wie ich eine lange Lesepause zwischen diesem Band und seinen Vorgängern hatte, ist man für diese kleine Hilfe mehr als dankbar! Als kleines Extra gibt es zum Schluss noch eine Leseprobe mit vier kleinen Kapiteln der Fortsetzung "Die Legende der Wächter 5: Die Bewährung", die die Neugierde auf den nächsten Band nach dem ereignisreichen Ende noch weiter schürt! *Cover:* Das Cover passt, wie seine Vorgänger auch, super zum Gesamtbild der "Die Legende der Wächter"-Reihe. Die Schleiereule, die in der unteren Hälfte des Covers mit einem brennende Ast über das Wasser fliegt, repräsentiert eine der entscheidendsten Szenen des Romans. *Fazit:* Der vierte Roman der Reihe kann mit einigen Überraschungen, spannenden Szenen und Informationen über die bösen Eulen punkten. Man erhält einen Einblick in Kludds Sichtweise und beginnt, seine Beweggründe zu verstehen. Aber auch Soren und seine Freunde müssen große Verluste erleiden, die sie verändern werden. Für einige Szenen hätte ich mir gewünscht, dass sich die Autorin mehr Zeit und Seiten für sie nimmt. Insgesamt vergebe ich 4 Sterne für eine gelungene Fortsetzung, die neugierig auf den fünften Band macht!