Schweigt still die Nacht

Schweigt still die Nacht - Brenna Yovanoff *Worum geht's?* In der Kleinstadt Gentry gehen böse Dinge vor sich. Jeder Einwohner weiß davon, doch keiner redet darüber. Auch Malcolm "Mackie" Doyle hat ein Geheimnis, das er um jeden Preis verbergen muss. Er ist nicht der, dessen Namen er trägt. Denn er ist ein Wechselbalg und wurde als kleines Baby mit dem echten Malcolm vertauscht. Seine "neuen" Eltern, seine Schwester Emma und sein bester Freund Roswell wissen von seiner wahren Herkunft und akzeptieren ihn so, wie er ist, aber von allen anderen Bewohnern Gentrys versucht Mackie Abstand zu halten - bis die kleine Schwester seiner Mitschülerin Tate stirbt und sie laut und deutlich die Meinung vertritt, dass das verstorbene Wesen nicht ihre echte Schwester gewesen ist. Mackie fühlt sich immer mehr zu seiner wahren Heimat hingezogen und plötzlich wird er tiefer in die Sache hineingezogen, als ihm lieb ist. Er muss eine Entscheidung treffen: Lässt er zu, dass die, die so sind wie er, weiterhin Kinder austauschen? *Kaufgrund:* Es gibt Bücher, an denen kommt man nicht vorbei, und der Debütroman "Schweigt still die Nacht" von Brenna Yovanoff ist eines davon. Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen und auch der Klappentext hat mich augenblicklich begeistert! *Meine Meinung:* Protagonist Mackie, der uns aus der Ich-Perspektive die Geschichte erzählt, ist ein Wechselbalg. Eigentlich kommt er aus dunklen Tunneln tief unter der Erde, doch als kleines Baby wurde er mit einem menschlichen Baby vertauscht. Normalerweise sterben Wechselbälger sehr schnell, aber Mackie bildet da eine Ausnahme. Das macht ihn für seine Artgenossen mehr als interessant, die alles dafür tun, um Mackie zurück zu ihnen zu locken. Dabei scheuen sie nicht davor, jede seiner Schwachstellen aufzudecken und auszunutzen. Mit all seinen Stärken und Schwächen ist Mackie ein durchaus komplexer Charakter. Zurückhaltend, am liebsten unsichtbar streift er durch sein Leben, bis es durch den Tod von Tates "Schwester" völlig aus den Fugen gerät. Fortan vollzieht er eine riesige Entwicklung, bricht aus seinem alten Dasein heraus und tut Dinge, die er selbst nie für möglich gehalten hätte. Obwohl Mackie nicht der typische sympathische Protagonist ist, zieht er den Leser mit seiner Lebensgeschichte in den Bann. Die Geschichte beginnt sehr rasant und schreitet bis zur letzten Seite schnell voran, sodass niemals Langeweile aufkommt. Nicht, dass das bei der facettenreichen Handlung überhaupt möglich wäre! Man möchte jederzeit wissen, wie es mit Mackie und den Geschehnissen in Gentry weitergeht. Nach jedem Kapitel dachte ich mir "Nur noch ein weiteres, danach ist Schluss!", doch mit dem Lesen konnte ich trotzdem niemals aufhören! In Yovanoffs Roman herrscht stetig eine düstere und dunkle Atmosphäre. Ängstliche Leser sollen sich an dieser Stelle nicht abgeschreckt fühlen! Es gibt zwar ein paar brutalere Szenen, aber eine gruselige Horrorstimmung kommt nicht auf. Sie bleibt insgesamt finster, jedoch auf eine angenehme Art und Weise, die die Spannung und den Lesefluss steigern! So begeistert ich auch von "Schweigt still die Nacht" bin, muss ich trotz allem gestehen, dass mich die Nebencharaktere oft enttäuschten - zumindest die menschlichen. Sie nahmen jede noch so schreckliche Situation gelassen hin und stellen niemals Fragen. Durch ihr selbstloses Verhalten wachsen sie dem Leser zwar sehr schnell ans Herz, aber realistisch sind sie nicht. Die namenlosen Wesen hingegen überzeugen auf ganzer Linie und sorgen durch ihre finstere Art dafür, dass sie noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben werden. Ich war überrascht, wie "normal" mir die Wesen aus der Unterwelt vorkamen! *Cover:* Wunderbar! Es repräsentiert die Geschichte um Mackie und die düstere Leseatmosphäre perfekt! Besonders gut gefallen mir die Gegenstände, die an den Lettern des Titels hängen und bedrohlich über dem Kinderwagen baumeln. Auf der Rückseite des Schutzumschlags sieht man außerdem eine kleine Haussiedlung im Nebel - genauso stellt man sich die Kleinstadt Gentry vor! *Fazit:* "Schweigt still die Nacht" ist ein großartiges Debüt von Brenna Yovanoff, dass mich vor allem durch die finstere Atmosphäre und die außergewöhnliche Geschichte begeistern konnte. Auch Protagonist Mackie übertraf all meine Erwartungen. Die Nebenfiguren sind mein einziger Kritikpunkt: Obwohl sie mir allesamt gut gefallen, konnte ich ihr handeln oftmals nicht nachvollziehen. Insgesamt vergebe ich sehr gute 4 Sterne!