Seven SOULS: Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen

Seven SOULS - Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen - Barnabas Miller, Jordan Orlando, Heinrich Koop, Franca Fritz *Worum geht's?* Mary Shayne ist das hübscheste und beliebteste Mädchen auf ihrer Schule. Jeder liebt sie, jeder will sie, jeder vergöttert sie - oder etwa nicht? Ausgerechnet ihr siebzehnter Geburtstag, jener Tag, an dem alles perfekt sein sollte, wird zum absoluten Horrortrip. Ein grausames Ereignis folgt auf das nächste und Mary weiß nicht, wie ihr geschieht. Völlig verzweifelt wünscht sie sich nur noch, dass der Tag endet! Dabei ahnt sie nicht, dass sie den nächsten Morgen nicht mehr erleben wird. Mary Shayne stirbt. Doch ihr Leben ist noch lange nicht vorbei. Fortan schlüpft Mary in die Körper derjeniger, die sie am meisten hassten, und durchlebt deren Gefühle. Mary muss sich einer schrecklichen Wahrheit stellen: Nicht einmal ihre Freunde waren die, für die sie sich ausgaben. Mary war nicht beliebt, im Gegenteil. Sieben Seelen sehnten sich nach Rache an Mary... Und ihr Geburtstag war der Tag zum Handeln. *Kaufgrund:* Ich wurde auf diesen Roman durch einige Bücherblogs aufmerksam. Da die Meinungen dazu durchgehend positiv waren, kam ich nicht darum herum, mir mein eigenes Bild machen zu wollen! *Meinung:* "Seven Souls: Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen" ist in drei Teile aufgespalten. Der erste Part beschreibt den "Tag, an dem sie starb" und trägt passenderweise diese Überschrift. Zusammen mit Mary durchlaufen wir diesen fürchterlichen Tag in chronologischer Abfolge und werden Zeuge von all den schrecklichen Ereignissen, die zu Beginn noch klein und belanglos erscheinen: Niemand gratuliert Mary zum Geburtstag und alle ignorieren sie. Für die Diva ist das natürlich schon ein halber Weltuntergang, doch sie ahnt ja nicht, wie der Tag weitergehen wird. Menschen werden verschwinden, einige werden sterben... Der erste Abschnitt des Romans, der etwa die 200 Seiten einnimmt, endet mit Mary Shaynes Tod. Dies ist zwar keine Überraschung, aber wer nun denkt, der erste Teil würde deswegen langweilig werden, irrt gewaltig! Anschließend wird Mary die "Sieben Seelen" kennenlernen, die sie am meisten hassten. Sie wird in die Körper dieser Personen schlüpfen und ihren siebzehnten Geburtstag mit all seinen Horrorelementen durch die Sicht der anderen erleben. Dabei entdeckt Mary entsetzliche Wahrheiten und muss erkennen, dass sie nicht beliebt war, wie sie bisher dachte. Im Gegenteil, denn ihr arrogantes und selbstsüchtiges Verhalten wurde ihr zum Verhängnis. Mit jeder neuen Seele, die Mary besucht, steigt die Spannung enorm. Was ist wirklich an diesem Tag passiert? Wer ist Schuld an Mary Shaynes Tod? Die Autoren haben sich eine verzwickte und extrem verwobene Handlung ausgedacht, über die man nur staunen kann. Einfach großartig! Leider wird meine Begeisterung zum Ende etwas gedämpft, denn plötzlich nimmt die Geschichte eine mystische Wendung und erhält eine übersinnliche Seite, die bis zur letzten Seite noch stärker behandelt wird. Dieser neue Aspekt hat für mich nicht in den Roman gepasst! Dementsprechend hat mir der letzte Teil des Romans nicht gefallen, in dem die Handlung ausklingt. Nichtsdestotrotz ist es den Autoren gelungen, ihr Buch wohl abgerundet zu beenden und insgesamt einen fantastischen und mitreißenden Thriller zu schreiben. Mary Shayne, die siebzehnjährige Protagonistin, ist bereits nach den ersten Kapiteln extrem unsympathisch! Sie ist eine egoistische, selbstverliebte Highschool-Diva, die ihr eigenes Wohl stets über das der anderen stellt, sogar über das ihrer besten Freunde. Mary ist quasi das Abbild einer verhassten Abschlussballkönigin aus einem amerikanischen Teenie-Film. Sie lässt sich vergöttern und bedienen, lässt das "niedere Mitschüler-Volk" für sie arbeiten und manipuliert, wo sie nur kann, um zu ihre Wünsche erfüllt zu bekommen. Für Mary ist dieses Verhalten schon so alltäglich, so normal, dass sie nicht mehr realisiert, was sie ihren Mitmenschen damit antut. Diese Erkenntnis erlangt sie erst, als sie sich mit den Augen der anderen sieht. Je mehr Körper ihre Seele bereist hat, desto umgänglicher und ansprechender wird sie als Protagonistin. Sie bereut ihr Benehmen, würde ihre Fehler am liebsten rückgängig machen und wird im Handlungsverlauf immer erwachsener und reifer. Am Ende der Geschichte trifft Mary sogar eine schwerwiegende Entscheidung, die man ihr beinahe nicht zugetraut hätte. Durch Marys Hineinschlüpfen in die Körper jener Personen, die sie hassen, erhalten wir Einblicke in die Gefühle und Gedanken dieser Nebencharaktere. Durch diesen cleveren Schachzug der beiden Autoren erhält absolut jede Nebenfigur eine bedeutsame Tiefgründigkeit. Niemand bleibt in "Seven Souls: Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen" blass oder oberflächlich! Diese sieben Hass-Gründe konnten mich leider nicht komplett überzeugen. Während des Lesens wird zwar verständlich, warum diese Personen Mary Shayne hassten und ihr eine Lektion erteilen wollten, doch eine Frage blieb permanent ungeklärt: Wieso hat jeder einzelne von ihnen Mary trotzdem wie eine Königin behandelt? Wieso hat jeder von ihnen seine Probleme einfach hinuntergeschluckt, ohne auf irgendeine öffentliche Weise sauer zu werden? Schlussendlich tragen diese Charaktere meiner Meinung nach ebenfalls eine große Schuld an Marys Verhalten, schließlich haben sie sie zu einer Königin gemacht! Der Schreibstil der Autoren sorgt für ganz großes Kopfkino. Sie nutzen viele detaillierte und ausschweifende Beschreibungen, um ihren Lesern auch die bizarrsten und grausamsten Momente bildlich vor Augen zu führen. Da läuft einem schon einmal ein Schauer über den Rücken! Zum Glück verheddern sie sich dabei nicht selbst in Ungereimtheiten! Wegen dieser ausführlichen Schilderungen würde ich den Roman erst ab 15 Jahren empfehlen, denn durch die brutalen Szenen muss manch zart besaiteter Leser sicherlich einige Male schlucken. *Cover:* Ein Blickfang ist es schon, besonders durch den riesigen Schriftzug und den Untertitel. An diesem Buch geht man nicht vorbei, ohne nicht wenigstens einen genaueren Blick darauf geworfen zu haben! Am Motiv habe ich jedoch etwas auszusetzen; es scheint, als wenn die Grafiker die Momente darstellen wollten, in denen Mary - durch das helle, strahlende Licht angekündigt - die nächste Seele besucht. Die Idee ist super, keine Frage, schließlich ist so auch der Bezug zum Inhalt hergestellt. Die abgebildete Silhouette macht auf mich allerdings einen unförmigen, fast unmenschlichen Eindruck, wie eine alte Schaufensterpuppe! *Fazit:* Ein grandioses Buch, das meine Erwartungen noch übertreffen konnte! Es ist spannend und mitreißend, regt zum eigenen Nachdenken kann, schockiert und begeistert zugleich. Sowohl die Charaktere als auch die Handlung wurden großartig ausgearbeitet. Da mir der Abschluss leider nicht gefiel, vergebe ich insgesamt sehr gute 4 Sterne!