Mina

Mina - David Almond, Alexandra Ernst *Worum geht's?* Die neunjährige Mina macht eine schwierige Zeit durch: Ihr geliebter Papa ist gestorben, die gemeine Lehrerin Mrs. Scullery akzeptiert sie nicht und die anderen Kinder in der Schule sagen gemeine Dinge zu ihr. Sie sieht die Welt mit ihren eigenen Augen, aber niemand außer ihrer Mutter scheint sie verstehen zu können - zu wollen? Mina ist überglücklich, als ihre Mutter beschließt, ihre Tochter von der Schule zu nehmen und zuhause zu unterrichten. Fortan fliegt sie mit ihren Träumen durch die Welt, klopft bei Persephone und Pluto an, um den Frühling zu holen, schreibt Geschichten in "nonsensisch" und geht mit den Wörtern spazieren. Denn die Welt besteht aus unendlich vielen schönen Dingen, egal, wie grausam sie zu sein scheint... *Kaufgrund:* Für mich war allein das wunderschöne Cover Grund genug, um "Mina" lesen zu wollen. Es ist mir in der Buchhandlung direkt ins Auge gesprungen. Der Klappentext hat mich ebenso fasziniert und versprach eine Geschichte der etwas anderen Art. *Meine Meinung:* Nun, nachdem ich die letzte Seite von "Mina" verschlungen und das Buch zugeklappt habe, bin ich sprachlos, möchte es wieder aufschlagen und mich von Minas Weltanschauung zum Träumen verleiten lassen. Es ist kaum zu glauben, dass die Protagonistin in ihrem jungen Alter - sie ist gerade mal neun Jahre alt - ihre Umgebung auf solche Weise wahrnimmt. Mina besitzt ein Tagebuch. Naja, eigentlich eher ein Notizbuch, in das sie all ihre Gedanken und Gefühle schreibt. Sie will kein bloßes Tagebuch führen; eine langweilige Abfolge dessen, was am Tag passiert ist, braucht sie schließlich nicht. So sinniert sie den ganzen Tag über jegliche Dinge, die ihr während ihres Alltags begegnen: Die Amseln mit ihren drei wundervollen Eiern, die neuen Nachbarn, den Käfig, den alle "Schule" nennen, usw. All ihre Überlegungen schreibt sie in ihr Notizbuch, als Gedicht, als Schlagworte oder ähnliches. Und dieses Notizbuch bekommt der Leser zu Gesicht und kann sich quasi direkt aus Minas Feder von den Emotionen mitreißen lassen. Mina macht eine schwere Zeit durch, wie in der Inhaltsangabe erwähnt. Sie ist einsam, traurig, vermisst ihren Papa. Trotz ihrer klugen, nachdenklichen, für ihr Alter sehr reifen Art ist sie schlussendlich immer noch ein verletzliches Kind. Der Autor hat es geschafft, diese Gefühle auf sehr berührende Art und Weise zu vermitteln. Deswegen ist das Buch noch lange kein trübseliges! Denn dank ihrer Mutter, die fast so denkt wie sie, weiß Mina genau, wie man mit dem Leben umgehen muss, und sieht alles aus einer sehr witzigen und humorvollen Perspektive. Wer zwischen die Zeilen schaut, erkennt in ihren amüsanten Aussagen jedoch stets einen negativen Beigeschmack. Von ihren Mitschülern wird Mina als seltsam bezeichnet. Und das ist sie! Aber nicht so, wie ihre Mitschüler ihr weiszumachen versuchen. Sie ist außergewöhnlich, kreativ, mutig, hat ihre kleinen Fehlerchen, geht ihren eigenen Weg. Sie ist eine liebevolle Protagonistin, die man mit der letzten Seite nicht mehr gehen lassen will und die immer einen Platz im Herzen des Lesers haben wird. Es handelt sich hierbei um ein Kinderbuch. Dementsprechend ist der Schreibstil sehr kindlich, verspielt und ehrlich. Es gibt keine ausschweifenden Beschreibungen, die Kinder langweilen würden. Allerdings ist der Inhalt sehr schwerwiegend. Themen wie Tod, Mobbing, sogar Selbstverletzung werden besprochen. Mina, für ihr Alter ausgesprochen weltoffen, geht mit diesen Problemen verblüffend erwachsen um und verarbeitet sie mit ihrer kindlichen Art sehr verständlich. Dabei nutzt sie viele bildhafte Umschreibungen, sodass jüngere Leser es nachvollziehen können, ohne dabei auf irgendeine Weise traumatisiert zu werden. Auf Ältere wirken gerade diese Metaphern umso bedrückender und berührender. Obwohl es ein Kinderbuch ist, möchte ich "Mina" deshalb jedem Erwachsenen ans Herz legen. Mit den tiefgründigen Bedeutungen und den vielen philosophischen Ansichten wird dieses Buch Leser jeden Alters in den Bann ziehen und zum Nachdenken anstimmen. Dank der wundervollen Textgestaltung wird es niemals langweilig, einen Blick in "Mina" zu werfen. Wenn sie flüstert, wird der Text kleiner; wenn sie etwas besonders betonen möchte, wird es vergrößert und durch eine verzierende Schriftart besonders vom restlichen Text abgehoben. *Cover:* Das Cover zeigt Mina mit ihrem Notizbuch auf ihrem Lieblingsbaum, eine Amsel mit ihren drei Eiern, die für Mina eine große Rolle spielen, und den Kater Wisper. Sehr verspielt und träumerisch gestaltet, repräsentiert das Cover den Inhalt des Buches perfekt und ist dabei ein absoluter Blickfang. *Fazit:* Mir ist es noch nie so schwer gefallen, meine Meinung zu einem Buch in Wort zu fassen wie bei "Mina". Zu sehr hat mich Minas Blick auf die Welt berührt. Hinter jedem Satz, den sie in ihr Büchlein schreibt, steckt eine faszinierende Mischung aus Fantasie, Gefühl und Philosophie. Ich vergebe volle Sternzahl für ein bewegendes Buch, das sich in Windeseile auf meine Liste der Lieblingsbücher geschlichen hat. Unbedingt lesen und zum Nachdenken anregen lassen, denn wer seinen Geist verschlossen hält, wird mit "Mina" nichts anfangen können.