Soul Screamers 1: Mit ganzer Seele

Mit ganzer Seele   - Rachel Vincent, Alessa Krempel *Worum geht's?* Es sollte bloß ein spaßiger Abend für Kaylee und ihre beste Freundin Emma werden, als sie sich unerlaubt in einen Club schlichen. Doch was dort geschah, hätte Kaylee nicht einmal zu träumen gewagt. Der angesagteste Junge der Schule, Nash, spricht sie, das unsichtbare Mädchen, an und hat den gesamten Abend nur Augen für sie! Kaylee glaubt schon, im siebten Himmel zu schweben, als der beste Tag ihres Lebens ein jähes Ende findet. Unter all den Tanzenden sieht sie ein Mädchen, das von einem unheimlichen schwarzen Nebel umringt ist. Plötzlich spürt Kaylee einen Schrei in sich aufkeimen, den sie nur unter größten Anstrengungen zurückhalten kann. Sie weiß: dieses Mädchen muss sterben! Kaylee flüchtet völlig außer sich aus dem Club und verflucht sich selbst, ihre Chancen bei Nash zerstört zu haben. Wer will schon mit einem Freak zusammen sein? Doch Nash scheint ihr tatsächlich zu glauben! Als am nächsten Tag die Nachrichtensender verkünden, ein Mädchen sei in der letzten Nacht in einem Club gestorben, will Kaylee es unbedingt herausfinden: Was steckt hinter dem Tod des Mädchens? Und viel wichtiger: Wieso wusste sie, dass es passieren würde? *Kaufgrund:* Lange habe ich überlegt, ob ich mich an diese Reihe wagen sollte oder nicht. Die vielen positiven Bewertungen machten mich schließlich so neugierig, dass ich mich an den ersten Band, "Soul Screamers: Mit ganzer Seele", herantraute. *Meine Meinung:* "Soul Screamers: Mit ganzer Seele" ist mit knapp 300 Seiten ein recht dünnes Buch, das jede einzelne Seite optimal ausnutzt. Von der ersten Seite an wird der Leser in eine rasante, prall gefüllte Handlung gesogen. Was steckt hinter dem mysteriösen Tod des Mädchens, das Kaylee in der Disco gesehen hat? Kurze Zeit später stirbt ein weiteres Mädchen unter denselben Umständen - welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen unnatürlichen Todesfällen? Und warum kann Kaylee es überhaupt spüren, wenn jemand in ihrer Nähe stirbt? Ein riesiger Spannungsbogen, der sich ohne Pause vom Anfang bis zum Ende zieht, fesselt Leser so stark an das Buch, dass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte, ehe es vorbei ist. Dabei sind es nicht nur die grausigen Mordfälle, die "Soul Screamers: Mit ganzer Seele" so aufregend machen. Die Autorin weckt mit ihren Rätseln einen unendlichen Wissensdurst in ihren Lesern, den sie stets in den richtigen Momenten ein bisschen weiter stillt. Die Autorin hat sich eine bisher kaum genutzte Thematik für ihre Romanreihe ausgesucht. In "Soul Screamers" sind es Banshees, Ankünder eines bevorstehenden Todes, die die Hauptrolle spielen. Rachel Vincent hält sich jedoch nicht vollständig an ihre mythologische Vorlage, sondern gestaltet die Rolle ihrer Banshees und ihrer Fähigkeiten etwas um. Im ersten Band der Reihe werden außerdem die Reaper vorgestellt; Sensenmänner, die die Seele nach dem Tod eines Menschen einsammeln. Diese neue Kombination zweier übernatürlicher Wesen überzeugt, begeistert und macht "tod"sicher Lust auf mehr! Rachel Vincent hat in ihrem Auftakt endlich mal das gemacht, was ich gerne bei viel mehr Autoren sehen würde. Sie nutzt den ersten Band nicht, um ihre Leser mit einem riesigen Berg an Geheimnissen zu überschütten. Nein, sie macht aus "Soul Screamers: Mit ganzer Seele" eine Art "Banshees für Dummies"! Indem sie nicht nur Kaylee, sondern auch dem Leser alle Grundlagen eines Banshee-Daseins erklärt, kann man das Buch endlich mal in Ruhe genießen, ohne auf jeder Seite durch ein neues Geheimnis ins Grübeln zu geraten. Vincent schafft es, die perfekte Balance aus Erläuterungen und Rätseln herzustellen: Sie erklärt genug, um ihre Leser nicht vor Unwissen verzweifeln zu lassen, lässt zugleich aber genügend Handlungsstränge im Dunkeln, um neugierig auf die Folgebände zu machen. Kaylee ist eine tolle, wenn auch verbesserungswürdige Protagonistin. Mit ihrer durchschnittlichen, ganz normalen und natürlichen Art ist sie einem auf Anhieb sympathisch, sodass man sich leicht und vor allem gern mit ihr identifizieren kann. Es macht Spaß, sie durch den Roman zu begleiten und mit ihr zusammen das Rätsel hinter den mysteriösen toten Mädchen aufzuklären. Leider schwächelt sie an einigen Stellen. Ihre Reaktion auf die Tatsache, das sie eine Banshee ist und ihre Familie sie ihr Leben lang angelogen hat, ist nicht nur schlecht beschrieben, sondern auch völlig unglaubwürdig! Statt irgendeine Gefühlsregung zu zeigen, nimmt sie alles einfach anstandslos hin. Mit den Nebencharakteren verhält es sich wie mit der Handlung. Rachel Vincent schafft eine gute Basis für die fünf Folgebände, sodass jeder einzelne Charakter den Leser neugierig macht. Alle haben ihren ganz persönlichen Reiz, sind individuell und voller unterschiedlicher Charakterzüge. Leider gönnt Vincent ihnen pro Figur kaum mehr als einen Augenblick im Scheinwerferlicht, aber dafür bleibt in den nächsten fünf Büchern schließlich noch eine Menge Zeit! Das Potenzial besitzen sie; bleibt nur zu hoffen, das Vincent es auch ausnutzt! Die Liebesbeziehung zwischen Kaylee und Nash kann leider nicht überzeugen. Kaylee schwärmt schon lange für den heißesten Jungen der Schule, ist aber durch seine bisherige Anzahl an Freundinnen ziemlich eingeschüchtert. Sie ist sich sicher: Mich bekommt er nicht! Tja, gute Vorsätze sind bekanntlich leicht zu brechen. Ihr tagtägliches "Ich werde nicht zu seiner neuesten Eroberung"-Mantra und ihre gesamte Willensstärke werden hinfällig, sobald Nash sie zum ersten Mal küsst. Fortan ist er der perfekte, liebevollste Freund der Welt, dem sie augenblicklich stärker vertraut als jedem anderen. Rachel Vincent liefert uns im Handlungsverlauf zwar eine nachvollziehbare Erklärung für ihre Verbundenheit, doch das wollte mich nicht über die Makel dieser Liebesgeschichte hinwegsehen lassen: Es war zu schnell, zu plötzlich, zu unrealistisch. Als besonderen Leckerbissen gibt es am Ende des Buches noch eine Leseprobe des zweiten Bandes. Nach dem aufregenden Ende kann man gar nicht anders, als Lust auf die Fortsetzung zu haben! Glücklicherweise lässt uns MIRA nicht allein, sondern gewährt uns diesen kurzen, interessanten Einblick in "Soul Screamers: Rette meine Seele". Es verspricht, spannend zu bleiben! "Soul Screamers: Rette meine Seele" erscheint voraussichtlich im April 2012. *Cover:* Auch wenn mir das Cover persönlich nicht gefällt, haben sich die Grafiker große Mühe gegeben. Das schreiende Mädchen und der wabernde Nebelschleier um sie herum fassen den Inhalt des Romans gut zusammen. *Fazit:* "Soul Screamers: Mit ganzer Seele" ist ein toller Auftakt einer interessanten Serie. Endlich mal ein Start, der uns nicht vor Unwissen verzweifeln lässt! Die Charaktere haben noch großes Entwicklungspotenzial und wir dürfen gespannt auf die Fortsetzung sein. Insgesamt vergebe ich 4 Sterne.