The Sign - Nur zu deiner Sicherheit: Band 1

The Sign - Nur zu deiner Sicherheit - Julia Karr, Bettina Spangler *Worum geht's?* Nina fürchtet nichts mehr als den 10. Dezember. An diesem Tag wird sie sechzehn Jahre alt werden und ein "XVI" auf ihr Handgelenk tätowiert bekommen, das sie nun offiziell als "Sex-Teen" kennzeichnet. Ab diesem Tag darf sie mit jedem Jungen, egal wann und egal wo, legal Sex haben. Während andere Mädchen sich schon lange auf ihren sechzehnten Geburtstag vorbereiten, verdrängt Nina ihn bewusst. Sie will das alles gar nicht! Die einzige Unterstützung findet sie in ihrer Mutter. Als diese bei einem grausamen Überfall ums Leben kommt, bricht für Nina eine Welt zusammen. Sie erfährt, dass ihre Mutter eine Widerstandskämpferin war - und das ihr tot geglaubter Vater lebt! Nina macht sich auf die Suche nach ihm und entdeckt dabei die Wahrheit über das Regime... *Kaufgrund:* "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" sollte ein ganz besonders leckerer dystopischer Leckerbissen werden. Der Klappentext hat nicht nur mich lange auf dieses Buch hinfiebern lassen! *Meine Meinung:* Eine kurze Einführung? Ach was! Eine Beschreibung der Welt, in der Nina lebt? Humbug! Vielleicht eine Erläuterung der vielen unklaren Begriffe? Alles zu seiner Zeit! - So habe ich mich gefühlt, als ich von der Autorin mitten in das Geschehen ihres Romans geworfen wurde. Julia Karr hält sich nicht mit solchen "Belanglosigkeiten" auf. Kein Wunder also, dass es einem als Leser schwer fällt, sich in "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" einzufinden. Völlig allein lässt uns die Autorin allerdings nicht. Sporadisch versorgt sie uns mit Erklärungen, die wir Stück für Stück zusammensetzen können. Schade bloß, dass ich mich während des letztens Kapitels trotzdem so fühlte, als würde ich versuchen ein Puzzle zu lösen, bei dem die Hälfte der Teile fehlt... "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" zieht sich, besonders zu Beginn, sehr in die Länge. Das lag vor allem am Klappentext, der leider entscheidende Handlungselemente vorwegnahm. Die erste Hälfte des Buches wollte sich deshalb nur mühselig eine Spannung aufbauen. Es waren viel mehr die dystopischen Elemente, die mich mitreißen konnten. Mit dem Thema Sex schneidet Karr eine aufregende Angelegenheit an, die mich in ihrem Roman zutiefst schockierte. Besonders Sandy, Ninas beste Freundin und das Paradebeispiel des vom Regime gewünschten Teenagers, hat mich auf erschreckende Art fasziniert. "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" spielt im Jahre 2150. Die Welt ist hochmodern, die Technologie hat sich extrem weiterentwickelt und andere Planeten wurden besiedelt. Kriege sind kein Thema mehr und die Obrigkeiten haben ihre Bürger fest im Griff. Ganz a la "Big Brother is watching you" haben die Menschen Peilsender implantiert bekommen und tragen ständig einen PAV bei sich, durch den sie immerzu mit Neuigkeiten und Werbung beschallt werden. Julia Karr hat sich eine grausige Dystopie ausgedacht, die mich speziell durch den technischen Fortschritt beeindrucken konnte. Leider hat sie an Erläuterungen und Beschreibungen gespart, sodass man bloß eine grobe Vorstellung über die Zukunft bekommt, in der Nina lebt. Hoffentlich geht Karr in der Fortsetzung näher darauf ein. Nina ist eine typische Dystopie-Protagonistin. Sie zweifelt bereits zu Beginn des Romans an dem Regime, traut sich aber nicht, es zuzugeben und sich dafür einzusetzen. Erst ein Auslöser, diesmal der Tod ihrer Mutter, bringt das Fass zum Überlaufen und zwingt sie zur Konfrontation. Der Roman ist aus ihrer Sicht geschrieben, wodurch uns ein tiefer Einblick in ihre Gedanken und Gefühle erlaubt wird. An einigen Stellen hätte ich mir jedoch gewünscht, Karr hätte eine andere Erzählweise gewählt. Ninas Gedanken drehen sich beinahe nur um das Thema Sex, jede Gefühlsregung in ihr vergleicht sie mit denen von "normalen" Sex-Teens. Nicht selten hätte ich sie am liebsten an den Schultern gefasst und gerüttelt. Mädchen, du versuchst hinter das Geheimnis des Regimes zu kommen und deinen Vater zu finden! Denke doch auch mal darüber nach! Nina ist erst fünfzehn Jahre alt und ich habe nicht von ihr erwartet, das aus ihr augenblicklich eine toughe und mutige Widerstandskämpferin wird. Sie ist naiv, oftmals unbeholfen und weiß nicht recht. mit ihren Gefühlen umzugehen - was ich ihr aufgrund ihres jungen Alters gerne verziehen habe! Trotzdem hätte ich mir für sie mehr Köpfchen gewünscht. Mit ihrem eindimensionalen Denken bleibt sie bedauerlicherweise ein flacher Charakter; authentisch, aber eintönig. Es gibt eine Menge interessanter Nebencharaktere. Nicht nur Nina Freunde und die Widerstandskämpfer, auch die Bösewichte in "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" können sich sehen lassen. Leider bleiben sie allesamt oberflächliche und blasse Figuren. Obwohl jeder von ihnen eine entscheidende Rolle spielt, hat sich Julia Karr keine Zeit für nähere Betrachtung der einzelnen Personen genommen. Der Roman spielt sich nur in Ninas Kopf ab und konzentriert sich dementsprechend nur auf die Protagonistin. Julia Karr hat einen lockeren und leichten Schreibstil, der perfekt zu einem Jugendbuch passt. So lassen sich selbst die langatmigen Stellen des Romans flüssig und schnell lesen. Wäre sie nicht so sparsam mit Schilderungen umgegangen, hätte aus ihrem Debüt sogar ein wahres Kopfkino werden können. Selbst die Sprache, die sie ihren Charakteren verleiht, ist authentisch; der Slang der Jugendlichen hat mir dabei besonders gut gefallen. Bücher wie Orwells "1984" sind in Ninas Zukunft verboten worden, als ihre Geschichten die Realität darstellten. Bleibt zu hoffen, dass wir uns im Jahre 2150 nicht in Ninas Zukunft wiederfinden werden! *Cover:* Die Farben und die Gestaltung gefallen mir sehr - wenn da nicht wieder dieses Mädchengesicht wäre, das dem Cover seinen Reiz nimmt. Außerdem hat das Titelbild absolut nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun! *Fazit:* "The Sign - Nur zu deiner Sicherheit" ist ein Auftakt mit vielen Schwächen; dabei hat die gesamte Geschichte so viel Potenzial! Die grausige Zukunft, die Julia Karr erbaut hat, sowie die Figuren bieten eine großartige Basis, um aus dieser Buchreihe ein Highlight unter den Dystopien zu machen. Bleibt zu hoffen, dass Karr ihre Chance nutzt! Für eine schwächelnde Umsetzung gibt es - leider! - bloß gute 3 Sterne.