Firelight 01. Brennender Kuss

Brennender Kuss  - Sophie Jordan, Julia Sroka *Worum geht's?* Jacinda ist eine Draki, eine Nachfahrin der Drachen, der es möglich ist, die Gestalt ihrer Ahnen anzunehmen. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Rudel lebt sie in einem verborgenen Stückchen Wald, dass sie vor Jägern schützen soll. Strenge Regeln sorgen dort für ein eingeengtes, aber sicheres Leben. Dass Jacinda nicht viel von Regeln hält, bringt sie bald in große Gefahr. Obwohl es den Draki verboten ist, bei Tagesanbruch ihre Drachengestalt anzunehmen und zu fliegen, wagt Jacinda diesen tollkühnen Ausflug - und wird von Jägern überfallen! Als ein jüngerer unter ihnen die Möglichkeit hat, die Draki zu fassen, geschieht das Unfassbare: Er lässt sie gehen! Selbstverständlich bleibt Jacindas Abenteuer bei ihrem Rudel nicht unbemerkt. Bevor sie sich jedoch ihrer Strafe stellen kann, ergreift ihre Mutter mit ihren Töchtern die Flucht, um in einer wüstenähnlichen Gegend ein normales Leben ohne die Drakis zu beginnen. Mit jedem verstrichenen Tag spürt Jacinda ihren Draki durch die Dürre sterben. Sie will unbedingt zurück! Bis sie einen Plan hat, muss sie den Drachen am Leben halten. Blöderweise regt er sich nur dann, wenn Jacinda in der Nähe eines bestimmten Jungen ist - in der von Will, dem jungen Jäger, der nun auf die selbe Highschool geht wie sie... *Kaufgrund:* Eine verbotene Liebe zwischen zwei jungen Menschen - ja, davon gibt es wahrlich genug! Aber diese hier schien sich von den anderen abzuheben. Die Idee mit den Drakis hat mich so sehr fasziniert, dass ich dieses Buch nicht ungelesen lassen konnte! *Meine Meinung:* Wer mit dem Lesen beginnt, befindet sich mitten in Jacindas naiven Abenteuer. Es gibt weder einen erläuternden Prolog noch einen sanften Einstieg, trotzdem findet man sich schnell in die Welt der Drakis ein. Wer in das kalte Wasser geschmissen wird, lernt das Schwimmen schließlich am schnellsten - und genauso verhält es sich beim Auftakt der "Firelight"-Trilogie. Jordan geht auf alle Fragen, die man über die Drachenwesen, ihr Leben im Rudel oder die Jäger haben könnte, eher nebensächlich ein. Sie baut all diese Antworten in das rasante Geschehen ein und verknüpft die Erläuterungen mit der Handlung. So verhindert sie, dass die Geschichte durch zu lange Schilderungen langatmig wird. Durch schicksalhafte Wendungen oder Ereignisse herrscht stets Spannung pur, die sich bis zum letzten Kapitel steigert und für ein dramatisches Ende sorgt. Trotz der vielen offenen Fragen, die zurückbleiben, wird sich vor allem eine im Kopf des Lesers tummeln: Wo bleibt die Fortsetzung? Protagonistin Jacinda, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, ist eine starke und hartnäckige Persönlichkeit. Sie setzt sich stets für ihre Prinzipien ein und lässt sich nicht einmal nach zahlreichen Rückschlägen von ihnen abbringen. Nichtsdestotrotz lässt sie sich durch ihre jugendliche Naivität und Leichtsinnigkeit oft in Gefahren bringen. Die Autorin hat es geschafft, all die verschiedenen Probleme und Gewissenskonflikte, denen sich Jacinda stellen muss, im richtigen Maße einfließen zu lassen: Die Sehnsucht nach dem alten Zuhaus; die Liebe zu ihrem inneren Draki; der Wunsch, bei ihrer Familie zu bleiben, die von ihr erwartet, ihren Draki aufzugeben; ihre Zuneigung zu Will, deren Berufung ihren Tod bedeutet - leider lassen sich all diese Dinge nicht miteinander vereinbaren. Jacinda wäre jedoch nicht Jacinda, wenn sie nicht alles in ihrer Macht stehende tun würde, um es trotzdem zu versuchen! Sie ist eine der Protagonistinnen, die einen zum mitfühlen und -leiden bringt. Die Nebencharaktere sind ebenso prägend wie die Protagonistin Jacinda. Hier hat mir besonders gut gefallen, wie facettenreich sie allesamt waren. Die Autorin hat sich nicht auf eine Meinung versteifen lassen, sondern drei große Gruppen erschaffen, die verschiedene Ansichten vertreten und denen sich die Charaktere zuordnen lassen. Einmal wäre da Jacindas Familie. Sie sind ihr Anker, ihre Unterstützung. Mit niemandem fühlt sich Jacinda so sehr verbunden wie mit ihrer Schwester oder ihrer Mutter. Im Laufe des Romans beginnt dieser Zusammenhalt jedoch zu bröckeln, denn Jacindas Familie erwartet von ihr den Tod ihres Draki. Desweiteren gibt es das Rudel, dass aus vielen verschiedenen Sichtweisen Interesse an Jacinda hat; doch egal aus welchem Blickwinkel man es betrachten mag, keiner scheint sich um die wahre Person der Draki zu kümmern. In der Sicherheit des Rudels muss Jacinda ihren allerdings Drachen nicht verleugnen. Und zuletzt gibt es noch Will, den jungen Jäger, der sie hat fliehen lassen, und seine Familie. Jeder von ihnen ist ein Drachenjäger und hat es auf Jacindas Draki abgesehen. Will ist der einzige, der Jacindas Drachen in der dürren Wüstenumgebung am Leben hält, ihm Kraft spendet. Solange sie ihre wahre Identität vor ihm versteckt, kann sie bei ihm sein. Doch ihre Liebe zu ihm könnte gleichzeitig ihren Tod bedeuten. Jordans Schreibstil ist flüssig, ausgesprochen bildhaft und leicht. Für ein romantisches Jugendbuch ist er wie geschaffen! Besonders die liebevollen Szenen zwischen Jacinda und Will gehören für mich zu den absoluten Highlights von "Firelight: Brennender Kuss". Lovestory-Fans wie ich kommen voll auf ihre Kosten und können mitschwärmen, was das Zeug hält! Allerdings gibt es einige Wiederholungen, die einem mit der Zeit auf die Nerven gehen können. Jacinda betont gefühlte hundert Male, dass sie sich von Will distanzieren muss, aber sich zu sehr zu ihm hingezogen fühlt; dabei hat man ihre Sorgen schon beim ersten Mal verstanden. Außerdem fallen einige Momente auf, in denen sich ein kleines "Das habe ich schon einmal gelesen!"-Gefühl entwickelt. Diese sind jedoch nicht zu präsent, also keine Sorge! Wer sich erst einmal in die Welt von "Firelight: Brennender Kuss" eingelesen hat und mit den Gefühlen richtig dabei ist, der schiebt dieses sonst so verhasste Gefühle zu gern beiseite. Einen Kritikpunkt habe ich dennoch: die Enkros! Sie werden als Erzfeinde der Drakis bezeichnet, die nach dem Blut der Drachenwesen dürsten. Immer und immer wieder werden sie thematisiert und von Jacinda oder Will zur Sprache gebracht. Aber wer sind diese Enkros überhaupt? Wer oder was steckt hinter diesem mysteriösen Namen? Außer der Tatsache, dass sie den Drakis die ledrige Haut von den Knochen ziehen wollen, erfährt man nichts über sie. Zumindest kann man sich als Leser sicher sein, dass sie in den Folgebänden eine größere Rolle einnehmen und all diese Fragen beantwortet werden. *Cover:* Ich werde kein Fan mehr von diesen Mädchengesichtern auf den Buchcovern, wirklich nicht! Trotzdem muss ich zugeben, dass das Cover zum ersten Teil der "Firelight"-Reihe wirklich gut gelungen ist. Man kann dem Mädchen, dass wohl Jacinda darstellen soll, den Draki in sich ansehen. Dieser Effekt sieht einfach klasse aus! *Fazit:* "Firelight: Brennender Kuss" ist ein Buch, das alles beinhaltet, was ich an den romantischen Jugendbüchern so sehr liebe: Eine großartige Handlung, eine gefühlvolle Liebesgeschichte a la "Romeo und Julia", wunderbare Charaktere und die aufregende Leseatmosphäre, die den Leser bis zur letzten Seite fesselt. Über kleine Macken, wie die fehlenden Informationen über die Enkros, schaue ich nur zu gern hinweg. Ich vergebe knappe 5 Sterne und bin mir ganz sicher: Hier geht noch mehr!