Die Legende der Wächter. Die Entführung

Die Legende der Wächter. Die Entführung - Kathryn Lasky, Katharina Orgaß Worum geht's? Drei Wochen, nachdem die Schleiereule Soren im Wald von Tyto aus dem Ei geschlüpft ist, wird er aus dem warmen Nest seiner Eltern gestoßen. Er ist sich seines Todes bereits sicher, als plötzlich eine riesige Eule Soren in das Sankt-Ägolius-Internat für verwaiste Eulen verschleppt. Dort werden die Eulenkinder mittels Mondmagie willenlos gemacht, damit sie den tyrannischen Aufsehern gehorchen. Soren und seine neue Freundin, die Elfenkäuzin Gylfie, finden einen Weg, sich der Mondwirrnis zu entziehen: Ihr Glaube an die mutigen Eulenritter von Ga'Hoole. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, um aus dem Internat zu entkommen... Kaufgrund: Durch die Verfilmung, die ich mir wohlgemerkt nicht angesehen habe, bin ich auf die Buchreihe neugierig geworden. Ich bin kein großer Fan von Buchverfilmungen, deswegen lasse ich meistens die Finger vom Kino und schnappe mir das Buch. Meine Meinung: Das Buch beginnt als süße, knuffige Beschreibung eines Eulenlebens. Ich war verblüfft, wie realistisch Lasky die Entwicklung eines Kükens geschildert hat, besonders bei der Ernährung: von dem leicht-verdaulichen Insekt zum zähen Mäusekadaver. Aber auch der Werdegang vom Nestling zum Ästling und schließlich zum Flieger wurde sehr bildlich dargestellt. Da Soren durch ein Unglück leider viel zu früh das Nest verlässt, erfährt man als Leser von diesen Schritten größtenteils durch seinen älteren, bösartigen Bruder, Kludd. Einerseits fand ich es ziemlich schade, dass man die kleinen und doch bedeutsamen Erfolge nicht mit Soren feiern konnte, andererseits fiel es auf diese Weise leichter, die Entwicklungen nachvollziehen zu können. Sobald Sorens Zeit im Internat beginnt, verliert die Geschichte diesen realistischen Aspekt. Allerdings ist dies nicht als Kritikpunkt zu verstehen. Die Autorin hat viele neue Ideen entwickelt, um ihre Buchreihe mystisch und phantastisch zu gestalten. Sie greift dabei nicht am Thema vorbei, alles passt zu Eulen und ihren Lebensstilen (wie z.B. die Mondmagie). Ich habe bei der Handlung trotzdem einen ganz großen Kritikpunkt: Die Altersempfehlung. Laut Verlag liegt diese bei 10 bis 11 Jahren. Ohne zu viel vom Handlungsverlauf zu verraten, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Flucht aus der Internat nicht reibungslos verläuft. Neben der Massenmanipulation, die ich für dieses Alter schon als extremes Thema erachte, wird es auch brutal und blutig. Mein Tipp an Eltern: Erstmal selbst lesen! Soren ist ein liebenswerter Hauptcharakter, der anfänglich sehr naiv erscheint. Im Laufe des Buches vollzieht er jedoch einen ansehnlichen Wandel. Aus dem feigen Küken, das sich gerne das Gefieder von seinen Eltern putzen lässt, wird eine verantwortungsbewusste Schleiereule. Zusammen mit der Elfenkäuzin Gylfie bildet er ein super-sympathisches Protagonisten-Duo mit einer klaren Aufteilung: Während Soren das Praktische übernimmt, ist Gylfie die Denkerin. Gemeinsam übermitteln die Beiden wie wichtig Freundschaft, Zusammenhalt und Selbstvertrauen sind. Insgesamt erfährt man sowohl von den noch blassen Charakteren, als auch von der Welt sehr wenig, aber ich bin mir sicher, dass sich das in den Fortsetzungen ändern wird. Der Roman dient im Gesamten als Prolog und lässt den Leser nach der letzten Seite mit vielen offenen Fragen zurück, die einen neugierig auf die folgenden Teile machen. In diesem Moment war ich sehr glücklich darüber, dass ich Band 1 bis 3 im Komplettpaket gekauft habe. Im Buch befinden sich zudem großartige Extras: Eine Karte von Sorens Welt und Bilder der wichtigsten Eulen. Normalerweise mag ich es nicht, wenn Bilder der Charaktere mir ihr Aussehen vorschreiben. Ich mache mir gerne meine eigenen Vorstellungen. Bei den Eulen ist es etwas anders: Ich war sehr froh über die Porträts, da ich mir sonst überhaupt nichts unter den verschiedenen Arten hätte vorstellen können. Cover: Von der Aufmachung her erinnert mich das Cover sehr an das der "Warrior Cats"-Reihe. Es ist sehr schön gestaltet und zeigt außerdem die entscheidende Szene des Buches: Sorens Entführung, die ebenfalls für die Titelgebung verantwortlich ist. Fazit: Ein klasse Buch, das ich gerne gelesen habe, obwohl ich schon lange aus der Altersempfehlung herausgewachsen bin. Leider war es mir viel zu kurz und für den Preis hätte ich gerne mehr Seiten, vor allem mehr Antworten auf die offenen Fragen, in den Händen gehabt! Außerdem haben mich die brutalen Szenen doch etwas schockiert. Deswegen vergebe ich insgesamt 4 Sterne! Ich werde die Fortsetzungen auf jeden Fall verfolgen und hoffe, dass diese mich genauso überzeugen werden.