Schauergeschichten vom Schwarzen Schiff

Schauergeschichten vom Schwarzen Schiff - Chris Priestley, Beatrice Howeg, David   Roberts *Worum geht's?* Ethan und Cathy wohnen allein mit ihrem Vater in einem Gasthaus an einer riesigen Klippe. Seit dem Tod ihrer Mutter erleben die Geschwister kaum noch glückliche Momente in ihrem Leben, denn ihr Vater ersäuft seine Sorgen mit Alkohol und nimmt seine Kinder kaum noch wahr. Eines schrecklichen Abends, an dem ein fürchterlicher Sturm wütet, werden Cathy und Ethan sehr krank. Plötzlich scheint ihr Vater aus seiner Depression zu erwachen. Er kümmert sich liebevoll um die beiden, bevor er die Gaststätte verlässt, um einen Arzt zu holen. Die Geschwister erhalten die ausdrückliche Anweisungen, im Haus zu bleiben und niemanden hineinzulassen. Aber als ein junger Seemann vor der Tür steht, können sie ihn während des Sturms nicht dort stehen lassen! Thackeray, so sein Name, erzählt ihnen aus Dank gruselige Schauergeschichten. Doch je mehr Geschichten er erzählt, desto mulmiger wird den Geschwistern. Wo bleibt bloß ihr Vater? *Kaufgrund:* Nachdem mich bereits der Vorgänger, "Onkel Montagues Schauergeschichten", begeistern konnte, musste ich mich sofort auf die Fortsetzung von Chris Priestley stürzen! Ich konnte es kaum abwarten, mich von den "Schauergeschichten vom schwarzen Schiff" gruseln zu lassen. *Meine Meinung:* "Schauergeschichten vom schwarzen Schiff" sind keine direkte Fortsetzung zu "Onkel Montagues Schauergeschichten". Auch wenn ein bekannter Charakter des Vorgängers eine Rolle spielen wird, ist es für das Verständnis nicht wichtig, die Geschichte um Onkel Montague und Edgar gelesen zu haben. Wer sich von den "Schauergeschichten vom schwarzen Schiff" aufgrund der Thematik mehr angesprochen fühlt, kann also getrost zu diesem Buch greifen, ohne das andere gleich mitzunehmen - empfehlen kann ich dies aber nicht, da man von diesen Büchern einfach nicht genug bekommt! Anhand des Aufbaus erkennt man allerdings sehr deutlich, dass dieses Buch zu der "Schauergeschichten"-Reihe von Chris Priestley gehört: Wie beim ersten Teil gibt es eine große Haupthandlung, in der ein kleiner Junge mit einer Vorliebe zu gruseligen Erzählungen einem Erwachsenen lauscht. Diesmal hat der Junge, Ethan, allerdings eine kleine Schwester, Cathy, die von den Kurzgeschichten ebenso angetan ist wie ihr Bruder. Ansonsten gibt es zwar im Großen und Ganzen grobe Parallelen zu Edgar, die Hintergrundgeschichte ist jedoch völlig unterschiedlich, sodass während des Lesens nicht das Gefühl aufkommt, als würde man dies alles schon kennen. Im Gegensatz zum Vorgänger sind die Kurzgeschichten - zumindest thematisch betrachtet - spezialisierter. Alle drehen sich in irgendeiner Weise um das Meer. Es gibt Seemannsgarn, Piratenabenteuer und die schrecklichsten Erzählungen über große und kleine Seeungeheuer. Alles in allem haben mir die Geschichten alle sehr gut gefallen. Sie haben mich jedoch nicht so sehr zum Gruseln bringen können wie die des Vorgängers. An manchen Stellen waren sie mir zu vorhersehbar, sodass die Gänsehaut in den entscheidenden Momenten leider ausblieb. Durch den schaurig-schönen Schreibstil des Autors fühlt man sich an die Stelle der kindlichen Protagonisten versetzt. Die Kurzgeschichten reißen gerade deshalb so sehr mit, weil es so wirkt, als würde Thackeray sie dem Leser mit seinem düsteren, makaberen und grotesken Stil selbst erzählen. An dieser Stelle möchte ich auf die Altersempfehlung (12-13 Jahre) verweisen, die völlig zurecht so "hoch" angesetzt wurde. Brutalität, Ekel und Schrecken sind zu stark vertreten und daher für jüngere Leser eher ungeeignet. Das Ende hat mich regelrecht umgehauen und mir wesentlich besser gefallen als das des Vorgängers. Nach den Kurzgeschichten hatte ich so einen großartigen Abschluss nicht mehr erwartet. Das "Aha"-Gefühl war insgesamt größer, faszinierender und - besonders beim Seemann Thackeray - tiefgründiger. Wie bereits bei "Onkel Montagues Schauergeschichten" werden die Kurzgeschichten von David Roberts' unheimlichen Illustrationen begleitet. Es ist unglaublich, wie sehr die gespenstische Atmosphäre des Buches durch die Bilder unterstützt, gar verstärkt wird. Für mich gehört Roberts genauso zu den "Schauergeschichten" wie der Autor, denn ohne ihn wären die Erzählungen nur halb so gruselig! *Cover:* Hier kann ich mich nur der Meinung anschließen, die ich bereits vom Cover des Vorgängers hatte: Die Illustrationen von David Roberts passen perfekt zu den Gruselgeschichten von Chris Priestley, sodass das Coverbild die Kurzgeschichten und ihre Atmosphäre ideal widerspiegelt. Schlüsselgegenstände und -personen des Buches sind darauf abgebildet und schaffen so eine Verbindung zwischen Cover und Geschichte, auf die ich sehr viel Wert lege. *Fazit:* Die "Schauergeschichten vom schwarzen Schiff" sind eine grandiose Fortsetzung, die zurecht den Titel "Schauergeschichten" tragen dürfen. Obwohl mir das Ende und die Auflösung viel besser gefallen haben als bei "Onkel Montagues Schauergeschichten", konnten mich die Kurzgeschichten nicht so sehr zum Gruseln bringen wie beim Vorgänger. Jüngere Leser im Alter von 12-13 Jahren, so wie es die Altersempfehlung nahe legt, werden sich jedoch einen gruseligen Horrorabend machen können. Deswegen vergebe ich gute 4 Sterne und freue mich jetzt schon auf den dritten Teil der "Schauergeschichten"!