Daniel im Zaubergarten

Daniel im Zaubergarten - Elisabeth Willner Worum geht's? Daniel muss umziehen, obwohl er das gar nicht möchte. Er will nicht weg von seinen Freunden, seiner Schule, seinem Zuhause. Und dann hat der graue Klotz, in dem er wohnen soll, nicht einmal einen Garten, während der des Nachbarhauses nach Abenteuern schreit. Als Daniel eines Tages die Kisten im Dachboden durchstöbert, um sich von seiner Trauer abzulenken, findet er ein mysteriöses Buch. Ein Zauberbuch! Es steht allerdings nur ein Spruch darin. Nachdem Daniel ihn nichtsahnend ausgesprochen hat, erwachen plötzlich die Steinstatuen im Nachbargarten zum Leben. Sie bitten Daniel um Hilfe, denn der Hund des Steinmädchens Clarissa ist vor langer Zeit verschwunden. Warum wirkt der Zauberspruch nicht auch bei ihm? Kaufgrund: Ich habe das Erstlingswerk von Elisabeth Willner auf der Homepage des Spielberg-Verlags entdeckt. Die Kurzbeschreibung fand ich ziemlich verwirrend, aber sie hat mich irgendwie neugierig gemacht. Leider fand ich beim Recherchieren keine Rezensionen zu "Daniel im Zaubergarten". Da ich Kinderbücher sehr gerne lese, obwohl ich schon lange aus dem Alter raus bin, bat ich den Verlag um ein Rezensionsexemplar. Meine Meinung: Der Anfang des Buches hat mir sehr gut gefallen. Sehr einfühlsam und kindgerecht wird beschrieben, wie Daniel sich nach dem Umzug fühlt. Er ist enttäuscht, traurig - einfach alles ist blöd. Ich hatte sofort Mitleid mit dem kleinen Jungen! Bereits jetzt habe ich mich auf das Ende gefreut, wenn Daniel endlich glücklich in seiner neuen Umgebung sein wird. Schließlich ist es ein Kinderbuch, und so läuft es doch bei Kinderbüchern - falsch gedacht. Aber dazu später mehr. Willner hat sich eine interessante Fantasiegeschichte ausgedacht, die ich bisher noch nicht so gekannt habe. Sie hat ihre Idee wunderbar ausgearbeitet; die rührende Hintergrundgeschichte der Steinstatuen mochte ich sehr gern. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass kein Handlungsstrang der Fantasiegeschichte zu kompliziert für Kinder beschrieben wurde. Während der reale Geschichtsverlauf mir zu Beginn noch sehr gefallen hat, konnte ich ab der zweiten Hälfte überhaupt nichts mehr damit anfangen. Es wirkt fast so, als hätte jemand anderes an dem Buch weiter geschrieben. Die Geschichte wird platt und oberflächlich, Daniels Entscheidungen sind nicht mehr nachvollziehbar. Außerdem tauchen Szenen auf, die für mich absolute No-Gos in Kinderbüchern sind: Daniel bleibt bis zum Ende ein Außenseiter in seiner Klasse, er wird sogar von den Mitschülern als "Penner" bezeichnet. Er selbst beginnt zu fluchen ("Verdammte Scheiße!"). Auch wenn Kinder heutzutage durchaus so reden, müssen sie doch nicht zusätzlich davon lesen. Der absolute Tiefpunkt war für mich erreicht, als Daniel aus der Schule kommt und seine Mutter mit der besten Freundin alkoholisiert im Wohnzimmer vorfindet. Die Flasche steht geleert auf dem Tisch und die beiden Erwachsenen können mit dem Kichern gar nicht mehr aufhören. Gehört so etwas etwa in ein Kinderbuch? Ich finde es falsch, dass Kindern auf diese Weise vermittelt wird, dass Alkohol einen "lustig und glücklich" macht. Das Buch besitzt zwar ein Happy End für die Steinfiguren, aber Daniel ist vom traurigen Jungen, der mein vollstes Mitgefühl hatte, zu einem unsympathischen Kind geworden, das keinen Halt in seinem Leben findet - außer den Steinstatuen. Allerdings sollte ein Kinderbuch doch ein gutes Gefühl übermitteln. Ich hätte damit gerechnet, dass er neue Freunde findet und wieder gerne in Schule gehen wird. Keine meiner Erwartungen wurde erfüllt. Nach etwa dem ersten Viertel erfährt man, dass Daniel in die vierte Klasse geht. Das würde bedeuten, er wäre etwa zehn Jahre alt. Ich war ziemlich überrascht, denn durch den Schreibstil und Daniels Charakterzügen habe ich ihn viel jünger eingeschätzt. Meine anfänglich positiven Eindrücke des Schreibstils verflogen: Für diese Altersgruppe ist das Buch doch zu kindisch geschrieben. Mich hätte es mit zehn Jahren gelangweilt. Als ich das Buch das erste Mal in meinen Händen hielt, habe ich mit Freude bemerkt, dass es illustriert ist. Die ersten Bilder haben super zur Geschichte gepasst. Einige sahen leider etwas gruselig aus und hinterließen nach dem Anschauen eine unangenehme Leseatmosphäre. Cover: Eine von Valentin Kruses Illustrationen, die im Buch zu finden sind, ziert das Cover. Es wurde zum Glück das Bild ausgewählt, das am besten zur Geschichte passte und mir selbst am besten gefiel: Das Zauberbuch, in dem der Spruch steht, der die Steinstatuen zum Leben erweckt. Mit den Ranken, die noch hinzugefügt worden, wird so nicht nur der Bezug zur Handlung, sondern auch zum Titel erstellt. Fazit: Leider hat mir das Buch insgesamt nicht gut gefallen. Bis etwa zur Hälfte habe ich es gerne gelesen; der Schreibstil hat dafür gesorgt, dass man klasse mit Daniel mitfühlen konnte. Danach ging es dann allerdings steil ab. So einen Wandel hätte ich nicht erwartet! Die oben aufgeführten Kritikpunkte, speziell der nicht für Kinder geeignete Inhalt, sind für mich zu stark, als das ich noch 3 Sterne vergeben könnte. Insgesamt vergebe ich gute 2 Sterne für den Anfang, der mir wirklich gefallen hat.