Holundermond

Holundermond - Jutta Wilke *Worum geht's?* Neles Eltern trennen sich und sie selbst ist davon selbstverständlich alles andere als begeistert. All das passiert nur, weil ihr Vater Jan nichts anderes als seinen Job im Kopf hat! Nun soll auch noch ihr Besuch in seiner neuen Wohnung ausfallen, da er dringend nach Wien reisen muss. Nele möchte mitfahren, doch ihr Vater schlägt ihre Bitte ab und so schleicht sie sich in sein Auto. Erst als es viel zu spät zum Umkehren ist, bemerkt Jan den blinden Passagier. Notgedrungen reisen sie zusammen nach Österreich. Dort soll Jan einem Kunstdieb auf die Schliche kommen, der religiöse Artefakte aus Klostern und Kirchen stiehlt. Nele ahnt nichts Gutes und behält Recht: Während seiner Arbeit verschwindet Jan spurlos. Zusammen mit ihrem neuen Freund Flavio macht sie sich auf die Suche und muss dabei ein geheimnisvolles Rätsel lösen, das über die Gegenwart hinausgeht... *Kaufgrund:* Nachdem ich sehr viele positive Meinungen zu diesem Buch gelesen hatte, wurde ich neugierig und wollte mir mein eigenes Bild zu Jutta Wilkes Erstlingswerk machen. Der Klappentext, der ein spannendes Abenteuer für junge Leser versprach, und das tolle Cover haben meinen Geschmack zumindest getroffen! *Meinung:* Nach einem vielversprechenden Prolog, der die Neugierde des Lesers schürt, aber auch bereits einige Vorahnungen aufkommen lässt, beginnt die Geschichte mit einem großen Krach: Nele muss miterleben, wie ihr Vater die gemeinsame Wohnung und damit seine Familie verlässt. Es fällt ihr sehr schwer, mit dieser Situation zurecht zu kommen. Mit einem solchen turbulenten Einstieg gelingt es der Autorin, eine Kennenlern-Phase für ihre Charaktere und ihre Beziehungen zueinander zu schaffen, ohne dabei langatmig zu wirken. Die eigentliche Geschichte beginnt erst in Österreich, doch die Zeit in Deutschland ist wichtig, um Protagonistin Nele und ihr Handeln besser verstehen zu können. Zusätzlich wird dadurch bereits zu Beginn das Mitgefühl des Lesers geweckt. Besonders jüngere Leser, deren Eltern selbst geschieden sind, werden sich augenblicklich mit Nele identifizieren können. Glücklicherweise ist sie keine Alleskönnerin, in der sich nur selten Leser wiederfinden. Durch ihr Verhalten wirkt sie sehr authentisch, allerdings sehr reif für ihr Alter. Ich hätte sie ein wenig älter geschätzt, wenn nicht angegeben wäre, dass sie zwölf Jahre alt ist. "Holundermond" ist einer der wenigen Romane, der zeigt, wie wichtig Nebencharaktere sein können. Würde sich die Handlung anfänglich nicht auf Nele fixieren, hätte ich sie nicht als Protagonistin erkannt - zu präsent und aktiv sind die Nebenfiguren, besonders Flavio und Jan. Durch den allwissenden Erzähler der Geschichte, der die Handlung und damit verbundene Aufmerksamkeit des Lesers gerne mal auf andere Charaktere richtet, erfährt man von anderen Figuren beinahe genauso viel wie von Nele. Das Buch glänzt mit all seinen Facetten und bleibt stets interessant. Für mich war es ein großer Pluspunkt, dass man durch die verschiedenen Blickwinkel auch den Gegenspieler Holzer näher kennenlernen durfte. Innovative Ideen machen "Holundermond" zu einem wahren Lesevergnügen für Jung und Alt. Zwar ist der Roman deutlich an die jüngeren Leser gerichtet, aber auch Erwachsene, die tief in ihrem Inneren noch Kind sind, werden sich von dem spannenden Zeitreise-Abenteuer mitreißen lassen. Der Schreibstil der Autorin ist dabei keineswegs störend, obwohl er sehr einfach und leicht gehalten ist, wie es bei einem Kinderbuch sein sollte. Die Szenen werden von Wilke durchaus bildhaft, aber niemals zu ausschweifend beschrieben. Langeweile kommt hier nicht auf! Jutta Wilke nimmt sich während der ersten zwei Drittel ihres Romans viel Zeit für ihre Charaktere und vor allem für die Handlung. Dies ist auch gut so, denn jede Seite wurde sinnvoll genutzt. Zum Ende hin gewinnt die Geschichte jedoch so sehr an Fahrt, dass sich die Ereignisse überschlagen. Einerseits ist dies natürlich ein Pluspunkt, denn durch die Spannung gelingt es dem Leser kaum, das Buch aus der Hand zu legen. Andererseits kommen allerdings zu viele neue Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Insgesamt ist die Geschichte mit der letzten Seite gut abgerundet, es bleiben aber Fragen im Raum, die am Leser und seinem "wohligen Abschlussgefühl" nagen. Vielleicht wollte sich die Autorin an dieser Stelle die Möglichkeit einer Vorsetzung offen lassen. *Cover:* Das Cover könnte nicht passender sein! Mir gefällt es sehr gut, wie die Äste des Baumes und die Buchstaben des Titels miteinander verknüpft worden sind. Außerdem finde ich es klasse, dass man bloß Neles und Flavios Silhouetten sieht. So bleibt dem Leser genügend Freiraum, sich die Charaktere ohne fremde Einflüsse vorzustellen. *Fazit:* Ich kann Jutta Wilke an dieser Stelle nur ein großes Lob für ihr Romandebüt aussprechen. Ihr ist ein großartiges Abenteuer gelungen, dass Leser im Alter von 10-13 verschlingen werden! Aber auch junggebliebene Erwachsene werden ihre Freude an "Holundermond" haben. Für das sehr abrupte Ende, das mir leider nicht sonderlich zugesagt hat, ziehe ich 1 Stern ab und vergebe insgesamt 4 Sterne.