Rezension: "Das verbotene Eden: Logan und Gwen"

Logan und Gwen - Thomas Thiemeyer

*Worum geht's?*
Gwen ist am Boden zerstört. Ihre Gefährtin Juna hat sie verlassen - für einen Mann! - und ist mit ihm geflohen. Wie konnte sie ihr das bloß antun? Gwen bleibt nichts außer einem Abschiedsbrief, den ER geschrieben hat. Die junge Heilerin weiß nicht mehr, was sie mit sich und ihrem Leben anfangen soll. Als ein Trupp aufgestellt wird, der den Inquisitor ausspionieren und wenn möglich sogar ausschalten soll, wittert Gwen ihre Chance, Antworten auf all ihre Fragen zu finden. Kurzerhand schließt sie sich der Gruppe an. Aber dann kommt alles anders, als geplant, und Gwen gerät in die Hände von Logan, einem jungen Kämpfer, der durch einen gewitzten Trick das Turnier der Clans gewonnen hat und sich nun den jüngsten Champion aller Zeiten nennen darf. Für die junge Frau wird er auf dem Sklavenmarkt viel Geld bekommen. Doch als es darauf ankommt, sind plötzlich Gefühle im Spiel, die niemand haben dürfte, und Gwen und Logan finden sich in Schwierigkeiten wieder, die nicht nur sie selbst, sondern alle Frauen und Männer in große Gefahr bringen werden...

*Kaufgrund:*
Bereits der erste Teil der "Das verbotene Eden"-Trilogie hat mich begeistert und mitgerissen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, und habe mich riesig darüber gefreut, als ich es endlich lesen durfte.

*Meine Meinung:*
Wie der Titel bereits andeutet, handelt es sich bei diesem Buch um eine Fortsetzung der "Das verbotene Eden"-Reihe. Der Roman spielt in der gleichen Welt und sogar die Handlungsstränge des ersten Bandes werden weitergeführt, diesmal jedoch aus einer anderen Perspektive. David und Juna, die im Auftakt um ihre Liebe kämpften, werden von Gwen und Logan abgelöst, zwei Charakteren, die bisher kaum eine bzw. keine Rolle spielten. Thomas Thiemeyer webt die wichtigsten Ereignisse des ersten Bandes geschickt in die Handlung dieses Buches ein, sodass man nach einer längeren Lesepause leicht wieder in die fremde Welt aus dem Jahre 2065 hinein finden kann. Sogar Seiteneinsteiger, die Junas und Davids Geschichte noch nicht gelesen haben, könnten zu erst zu "Das verbotene Eden: Logan und Gwen" greifen und anschließend den ersten Teil als Ergänzung lesen.

"Das verbotene Eden: Logan und Gwen" beginnt mit einem Prolog, der die Fans des ersten Bandes augenblicklich wieder in seinen Bann ziehen und aufatmen lassen wird. Nach dem ungewissen Ende des Vorgängers erfährt man endlich, ob Juna und David es zur Zuflucht geschafft haben; jenen Ort, an dem sie als liebendes Paar zusammenleben können. Leider ist das Wiedersehen nur von kurzer Dauer und beantwortet nicht alle Fragen, die man nach "Das verbotene Eden: David und Juna" noch gehabt hat. Thomas Thiemeyer lässt seine Leser allerdings nicht im Dunkeln. Im weiteren Verlauf der Handlung lösen sich weitere Handlungsstränge auf, auch ohne die Anwesenheit der "alten" Protagonisten.

Der Aufbau des Romans gleicht dem seines Vorgängers. Wieder einmal ist die Geschichte in drei große Abschnitte unterteilt, die mit interessanten und großartig gestalteten Grafiken eingeleitet werden. Während der erste Teil der Geschichte sich vor allem mit den zwei Hauptfiguren beschäftigt, sie und ihre Lebensumstände vorstellt und die Geschichte und ihre Hintergründe erläutert, jagt in den nächsten zwei Abschnitten ein temporeiches Ereignis das nächste. Mal wird es spannend, mal romantisch, dann wieder informativ. Thomas Thiemeyer bietet seinen Lesern eine abwechslungsreiche und innovative Geschichte, von der man sich schnell begeistern und mitreißen lässt.

Wer denkt "Ach, es sind bloß zwei neue Hauptfiguren, da werden die Geschichten sicherlich einige Parallelen haben", der irrt gewaltig! Thomas Thiemeyer behandelt im zweiten Band zwar viele Themen, die bereits bei "David und Juna" entscheidend waren, tut dies allerdings unter völlig neuen Gesichtspunkten. Man lernt die Welt im Jahre 2065, die man bereits zu kennen glaubte, nochmals anders kennen. Thomas Thiemeyer zeigt eine neue Facette seiner Dystopie, die mit der ersten nur wenig gemein hat, aber unweigerlich mit ihr verknüpft ist und mit ihr gemeinsam großartig auf das vielversprechende Finale hinarbeitet.

Ein spannender neuer Aspekt, der einen beträchtlichen Gruselfaktor mit in die Geschichte bringt, sind die so genannten Bleichen; Menschen, die man nicht mehr als solche bezeichnen kann. Seit der großes Katastrophe vor über 60 Jahren leben sie im Untergrund und meiden die Sonne und das Leben an der Oberfläche. In dieser Zeit haben sie sich zu fürchterlichen Bestien entwickelt, Kreaturen, die nach Fleisch lechzen - völlig egal, woher es stammt. Sie sind zu Monstern geworden, denen man lieber nicht begegnen möchte...

Gwen, die weibliche Hauptfigur des Romans, durfte man bereits in "Das verbotene Eden: David und Juna" kennenlernen, wenn auch nur flüchtig. Als Junas Gefährtin tauchte sie bereits einige Male auf, blieb allerdings sehr blass, was sich nun, da sie ihre eigene Geschichte zu erzählen hat, natürlich ändert. Bereits zu Beginn des Romans kann man gar nicht anders, als Gwen in sein Herz zu schließen. Die junge Heilerin, die schon im Trilogieauftakt einen sympathischen Eindruck hinterließ, hat schwer unter den vergangenen Geschehnissen zu leiden. Junas Verlust hat sie gebrochen, ihr das Selbstbewusstsein geraubt, ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Sie scheint zu schwächeln und man möchte ihr am liebsten selbst zur Seite stehen, um sie zu stützen. Im Verlauf der Handlung vollzieht Gwen jedoch eine extreme Entwicklung, vor der man den Hut ziehen muss. Sie findet wieder zu sich selbst und wird eine viel stärkere junge Frau als die, die man damals kennengelernt hat. Auf einmal ist sie schlagfertig, frech und lässt sich nichts mehr gefallen - und daran ist Logan nicht ganz unschuldig...

Logan, der männliche Protagonist, ist ein völlig neuer Charakter. Zusammen mit seinem Adoptivbruder und -vater, einem Schmied, lebt er in einem Clan fernab der alten Stadt. Sie haben nur wenig mit dem Inquisitor und der Religion zu tun und leben unter ihren eigenen Bedingungen. Bildung und Glaube sind für sie nicht weiter wichtiger, aufregende Kämpfe und Alkohol dagegen schon. Auch Frauen gegenüber sind sie nicht so negativ eingestellt, denn bei ihnen gelten sie als Statussymbole. Das Leben in den Clans ist grob, die Männer sind ungehobelt - und trotzdem ist unter ihnen der gutmütige Logan aufgewachsen, der zwar auch mit Kraft, aber viel mehr mit seiner Intelligenz überzeugen kann. Er hat ein gutes Herz und ein starkes Bewusstsein für Gerechtigkeit, ist stets darum bemüht, das Richtige zu tun - aber was ist das Richtige? Erst durch die Zeit, die er mit Gwen verbringt, lernt er, diese Frage für sich selbst beantworten zu können.

Gwen und Logan sind ein Protagonistenpärchen, das man sicher nicht so schnell vergessen wird, aber auch die Nebencharaktere der Geschichte sind definitiv mehr als bloß "Nebensache" und haben es verdient, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Der Autor hat mit ihnen keine "Mittel zum Zweck" geschaffen, die nur dazu da sind, ihre Aufgabe in der Geschichte zu erledigen. Jede einzelne Figur in der "Das verbotene Eden"-Trilogie ist eine facettenreiche und individuelle Person, die die Leser neugierig auf sich macht. Unter ihnen stecken viele Rohdiamanten, denen es leider nicht vergönnt ist, selbst einmal eine Hauptrolle in der Trilogie zu übernehmen, obwohl sie eindeutig das Potenzial dazu hätten. Dazu zähle ich vor allem Edana und Arkana. Sie bekommen in der Buchreihe zwar viel Aufmerksamkeit geschenkt und werden näher beleuchtet, trotzdem sind sie als Charaktere so interessant, dass ich mir für sie eigene Romane wünschen würde.
(Wie wäre es denn mit der ein oder anderen Kurzgeschichte über Ihre Nebencharaktere, Herr Thiemeyer? Ihre Fans würde es sicher freuen...)

Der Autor hat sich dazu entschlossen, einige Abschnitte aus der Perspektive seiner Nebenfiguren zu schildern. Auf diese Weise bekommt man Einblicke in die Handlungsstränge der Geschichte, die für das große Finale entscheidend sind, die Gwen und Logan allerdings nicht direkt betreffen. Sowohl der Inquisitor als auch Arkana spielen dabei wichtige Rollen. Sie schüren die Neugierde der Leser ins Unermessliche und machen die Wartezeit bis zum dritten Band beinahe unerträglich! Mein persönliches Highlight war jedoch Dachs, Logans kleiner Bruder, der in "Das verbotene Eden: Logan und Gwen" die Welt auf seine eigene schlaue Art beschreiben durfte. Denn Dachs ist stumm und kann sich nur durch eine Zeichensprache mit seiner Familie verständigen. Er ist ein cleveres und aufgewecktes Kerlchen, das sich zurecht einen Platz in meinem Herzen erkämpft hat.

Thomas Thiemeyer legt viel Wert auf Details, ohne sich dabei in langatmigen Beschreibungen zu verirren. Er findet das richtige Gleichgewicht zwischen bildhaften Ortsbeschreibungen, spannenden Handlungsschilderungen und individuellen Charakterdarstellungen, die in ihrem ausgeglichenen Zusammenspiel mal wieder verdeutlichen, was für ein talentierter Schriftsteller hinter ihm steckt. Er schafft es mit Leichtigkeit, seine Leser an die Seiten seiner Geschichten zu fesseln und ihnen außerdem ein Kopfkino zu bescheren, das man so intensiv erlebt, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören möchte. Ich habe mich sogar einige Male dabei ertappt, wie ich mir gewünscht habe, "Das verbotene Eden" tatsächlich als Verfilmung auf der Leinwand genießen zu dürfen... Schlaflose Nächte sind mit diesem Roman garantiert!

Im dritten und letzten Band der Trilogie werden wieder zwei andere Charaktere die Rollen der Protagonistin übernehmen: Magda und Ben. Beide sind für die Leser nicht unbekannt und haben in den ersten zwei Bänden bereits Erwähnung gefunden. Ich bin sehr gespannt und kann mir noch gar nicht vorstellen, wie Thomas Thiemeyer mit diesen zwei neuen Protagonisten umgehen wird. Schließlich handelt es sich bei der "Das verbotene Eden"-Trilogie um eine Jugendbuchreihe und Magda und Ben stechen als Hauptfiguren eindeutig aus dem typischen Protagonistenschema heraus. Lassen wir uns überraschen - Herr Thiemeyer wird uns sicherlich nicht enttäuschen!

*Cover:*
Ich mache mir lieber meine eigenen Bilder von Protagonisten und kann es deshalb nicht leiden, wenn man mir auf Buchcovern Gesichter präsentiert, die meine Vorstellung bereits einschränken. Ich muss allerdings zugeben, dass den Grafikern hier ein grandioses Cover gelungen ist. Die Charaktere sehen tatsächlich genau so aus, wie ich sie mir selbst auch vorgestellt hätte, und auch die Farbgebung, die Schrift und die blassen Verzierungen im Hintergrund sind echte Eyecatcher!

*Fazit:*
Was für ein Buch! Der zweite Teil der "Das verbotene Eden"-Trilogie, der sich diesmal mit den Protagonisten Logan und Gwen beschäftigt, hat mich in jeglicher Hinsicht aus den Socken gehauen und mir sogar noch besser gefallen als sein Vorgänger. Thomas Thiemeyer vereint in seinem Roman alles, was man sich als Leser nur wünschen kann: eine grandiose und aufregende Geschichte, die einen die Nächte durchlesen lässt, facettenreiche Charaktere, die einen dazu bringen, mit jeder Faser des eigenen Körpers mitzufiebern, und eine ausgeprägte Welt, aus der man nicht mehr auftauchen will. "Das verbotene Eden: Logan und Gwen" hat definitiv Lieblingsbuchcharakter und bekommt deshalb volle 5 Sterne!