Ascheherz

Ascheherz - Nina Blazon *Worum geht's?* Summer hat ihr Gedächtnis verloren und kann sich an nichts aus ihrem früheren Leben erinnern. Nur die Liebe eines Unbekannten und der Blutmann, der sie in ihren Träumen verfolgt, sind ihr geblieben. Als dieser unerwartet in ihr neues Schauspielerleben tritt und versucht, sie zu ermorden, ergreift sie die Flucht. Dabei trifft sie auf den mysteriösen Anzej, der mit Summer in das Nordland gehen möchte, ihr jedoch nicht die Wahrheit über seine Beweggründe verrät. Während ihrer scheinbar ziellosen Reise kommen immer mehr Erinnerungen zurück und sie begreift, wer sie ist: Eine Zorya, eine Todesbotin, die den Menschen durch einen Kuss den ewigen Schlaf bringt, und einst hat sie ihrer Herrin, Lady Mar, ein Leben gestohlen. Doch was haben der Blutmann und Anzej mit all dem zu tun? Und wem hat ihr Herz gehört? Auf der Suche nach der Wahrheit muss Summer erkennen: Niemand ist der, der er zu sein scheint... *Kaufgrund:* Bisher haben mir alle Bücher von Nina Blazon gefallen; die einen mehr, die einen weniger. Deshalb greife ich immer wieder gerne zu ihren Werken. "Faunblut" gehört für mich eher in die mittelmäßige Sparte, aber die Welt, in der der Roman spielt, hat mich mit seinen Wesen und seiner Natur völlig in den Bann gezogen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich erfuhr, dass in "Ascheherz" neue Charaktere durch diese Welt streifen würden. *Meine Meinung:* "Ascheherz" spielt knapp 9 Jahre nach den Geschehnissen aus "Faunblut". Um eine Fortsetzung handelt es sich jedoch nicht! Zwar ist die phantastische Welt, in der die beiden Romane spielen, dieselbe, doch diesmal begleiten wir Summer, nicht Jade, auf ihrer abenteuerlichen Suche nach der Wahrheit. Es gibt ein Wiedersehen mit tollen Figuren aus "Faunblut" wie etwa Lady Mar oder Moira; wer sich aber auf ein erneutes Leseerlebnis mit Jade und Faun gefreut hat, wird in "Ascheherz" leider enttäuscht werden, denn beide werden nur in einem kleinen Absatz erwähnt. Die Handlung fasziniert, aber nicht ab der ersten Seite. Dies ist mein einziger, dennoch großer Kritikpunkt. Durch den Schreibstil ist man zwar bereits zu Beginn in der Welt von "Ascheherz", doch eine Spannung, die einen zum Weiterlesen anregt, baut sich erst sehr langsam auf. Es dauert sehr lang, bis man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wer sich durch die anfänglichen Startschwierigkeiten hindurch gekämpft hat, wird allerdings mit einer wundervollen Geschichte belohnt werden. Protagonistin Summer hat mir viel besser gefallen, als ich es für möglich gehalten hätte. Sie ist eine tolle Hauptfigur, die zu Beginn vor allem durch ihre Schwächen auffällt. Ihr Gedächtnisverlust hat sie angreifbar gemacht; sie weiß nicht einmal ihren richtigen Namen: Summer ist bloß der Name der Theaterrolle, die sie spielt. Wer ist sie wirklich? Woher kommt sie? Warum hat sie all ihre Erinnerungen verloren? Und wer ist der grausame Blutmann, der sie nicht nur in ihren Träumen verfolgt, sondern auch in der Wirklichkeit nach ihrem Leben trachtet? Diese Fragen treiben sowohl Summer als auch den Leser tiefer in das verstrickte Netz der Wahrheit, das sich während des Handlungsverlaufes nur langsam löst und somit die Spannung und Neugierde aufrecht erhält. Summers Entwicklung ist beachtlich, aber nie unglaubwürdig. Je mehr sie erfährt, desto stärker wird sie: Aus dem Mädchen, das stets selbst flüchtete, wird eine stolze und mutige Frau, die andere in die Flucht schlägt. Für mich waren die neuen Charaktere die größte positive Überraschung an Blazons neuem Roman. Jeder von ihnen glänzt mit Individualität, mit Stärken und Schwächen sowie mit tiefsinnigen Hintergrundgeschichten. Selbst die Nebenfiguren besitzen so ausgeprägte Persönlichkeiten, dass man sie lange im Gedächtnis behalten wird. Toll, dass man noch auf Autoren trifft, die sich nicht vom momentan verbreiteten Hype anstecken lassen, sondern ihre eigenen Geschichten weben. So ist es bei diesem Fantasyroman der Fall! Die Autorin hat sich nicht von Vampiren oder Werwölfen beißen lassen, sondern individuelle, einzigartige Wesen erschaffen. Ob Todesboten oder Tierläufer, Blazon hat so viel Fantasie in sie hineinfließen lassen, dass man unbedingt mehr von ihnen möchte. Unbedingt zu erwähnen ist der traumhafte Schreibstil der Autorin, der sich deutlich von anderen Jugendbuchautoren abhebt. Trotz der sehr bildhaften, detailreichen und ausgeschmückten Beschreibungen wirkt der Roman an keiner Stelle überladen oder gar kitschig. Anspruchsvoll, ohne dabei an Leichtigkeit zu verlieren, erzählt Blazon Summers Abenteuer. Sie schafft eine wunderbare Leseatmosphäre, die den Leser tief in die Welt von "Ascheherz" entführt. *Cover:* Das Cover finde ich ganz hübsch, besonders der Schmetterling hat es mir angetan! Damit wurde auch der Bezug zum Roman geschaffen, der mir immer so wichtig ist. Zwar wurde diesmal kein "komplettes" Mädchengesicht abgedruckt - ein großer Pluspunkt-, trotzdem stechen die abgebildeten Gesichtszüge in der breiten Cover-Masse des Genres nicht deutlich genug heraus. *Fazit:* "Ascheherz" ist Blazons bislang längstes Werk und genau das ist ihr größter Fehler gewesen. Alles an ihrem Roman stimmt: Die Handlung, die Charaktere, die phantastischen und vor allem einzigartigen Wesen und ihr Schreibstil. Bedauerlicherweise hat "Ascheherz" eine sehr lange Anlaufzeit. Nicht unterkriegen lassen, unbedingt dran bleiben - es lohnt sich! Insgesamt vergebe ich gute 4 Sterne.