Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond

Red Riding Hood: Unter dem Wolfsmond - Sarah Blakley-Cartwright, David Leslie Johnson, Reiner Pfleiderer *Worum geht's?* Seit mehr als zwei Jahrzehnten müssen die Bewohner des Dorfes Daggorhorn einem Wolf zu jeder Vollmondnacht ein Opfer darbringen, damit er nicht mordet. Als Valerie sieben Jahre alt war, verschwand plötzlich ihr bester Freund Peter. Kurze Zeit später begegnet sie dem bösen Wolf, der das Dorf bedroht, doch er verschont das kleine Mädchen. Mittlerweile sind 10 Jahre vergangen und überraschenderweise kehrt Peter nach Daggorhorn zurück. Valeries alten Gefühle flammen mit neuer Leidenschaft auf. Aber ihre Eltern habe andere Pläne: Sie versprechen ihre Tochter an den reichen Henry Lazar, in den eigentlich Valeries große Schwester Lucie verliebt ist. Einen Tag nach dem letzten Vollmond beginnen alle Dorfbewohner mit der großen Ernte. Am Abend erwartet sie jedoch ein großer Schreck. Der Blutmond, der nur alle 13 Jahre auftaucht, steht am Himmel! Erst am nächsten Morgen zeigen sich die Konsequenzen der letzten Nacht, denn der Wolf hat sich sein nächstes Opfer geholt: Lucie. Die Bürger beschließen, sich an dem Wolf zu rächen, aber dadurch wird alles bloß noch schlimmer... *Kaufgrund:* Wer meine Rezensionen verfolgt, dem wird inzwischen aufgefallen sein, wie sehr ich an Märchen hänge. Bei meinen täglichen Stöberaktionen auf amazon stieß ich dann auf das moderne Rotkäppchen-Märchen "Red Riding Hood". Auch wenn ich von meiner ersten Märchenadaption, "Ash", nicht besonders begeistert war, wollte ich keinen Abstand von anderen Neufassungen nehmen. Daher bat ich den cbt-Verlag um ein Rezensionsexemplar, das mich letzten Mittwoch erreichte. *Meine Meinung:* Ich wollte ohne Vorurteile an dieses Buch herangehen; leider habe ich das nicht ganz einhalten können. Das lag nur zum Teil an meinen Erfahrungen mit "Ash", das mich zwar nicht völlig enttäuscht, aber auch nicht begeistert hat. Viel mehr hat mich die Tatsache gewurmt, dass es sich bei "Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" um ein Buch zu einem Film handelt. Andere Bücher, die auf einer Filmvorlage basieren, konnten mich noch nie überzeugen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es diesmal - zum Glück! - anders lief. Alle Vorurteile waren unbegründet, denn das moderne Rotkäppchen hat mir sehr gut gefallen! Vorab ein paar Informationen: Das Drehbuch zum Film wurde von David Leslie Johnson nach einer Idee von Leonardo DiCaprio geschrieben. Regisseurin Catherine Hardwicke hat sich dessen nur zu gern angenommen. Bei den Dreharbeiten bemerkte sie, dass die Geschichte und die Charaktere zu komplex für einen Film wären. Deshalb bat sie ihre Freundin Sarah Blakley-Cartwright darum, einen Roman zu schreiben. Das Sarah Blakley-Cartwright gerade an der Universität einen Abschluss in kreativem Schreiben gemacht hat, merkt man ihrem Schreibstil deutlich an. Durch die Sprache schafft sie es, eine mystische und düstere Atmosphäre zu kreieren, die perfekt zur Geschichte passt. Die Handlung ist keineswegs eine positive; sie ist verwoben mit vielen grausamen Taten, entsetzlichen Morden und ihren schonungslosen Darstellungen. Blakley-Cartwright weiß dies optimal umzusetzen. Aber nicht nur die düstere Seite liegt ihr. Auch die emotionale Liebesgeschichte wurde sehr schön umschrieben. Manchmal bleibt einem die Luft weg, als wäre man selbst in Valeries Situation. Bei den vielen Charakteren kommt man oft einmal durcheinander.Die Nebencharaktere allgemein bleiben sehr farblos, sodass ich oftmals nicht zwischen ihnen unterscheiden konnte (besonders bei Valeries Freundinnen). Der Schwerpunkt liegt ganz klar, wie sollte es auch anders sein, bei Protagonistin Valerie und den beiden Jungs Peter und Henry. Diese drei Figuren werden dafür umso besser umgesetzt und man kann sehr gut mitfühlen. Während mir Henry und Peter "bloß" sehr gut gefallen haben, konnte ich mich mit Valerie richtig identifizieren. Nach dem Tod ihrer Schwester Lucie fühlt man sich als Leser fast so bedrückt wie sie selbst! Die Geschichte bleibt bis zur letzten Seite spannend und mitreißend. Über das ganze Buch finden sich Andeutungen über die wahre Identität des Werwolfs, die sich dann im späteren Handlungsverlauf unerwartet als wahr oder falsch herausstellen. Es ist ein ständiges hin und her, wodurch einen niemals langweilig wird und man stets den Drang verspürt, den Roman weiterzulesen. Ich denke, dass das Ende bei vielen Lesern sehr unbeliebt sein wird. Auch ich habe mich irgendwie "allein gelassen" gefühlt und war enttäuscht, dass so viele offenen Fragen zurückgeblieben sind. Im Nachhinein finde ich es doch sehr gut gelungen. Ich habe die starke Vermutung, dass sich die Antworten zwischen den Zeilen befinden - man muss sie nur finden. Ich für meinen Teil habe meine Lösung! *Cover:* Das Cover spiegelt die düstere Stimmung im Buch perfekt wieder. Das einsame Rotkäppchen, das im unschuldigen weißen Kleid alleine im dunklen Wald steht, verstärkt die Atmosphäre enorm. Mir persönlich gefällt es sehr gut! *Fazit:* Ein wundervolles Buch, das ich bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen konnte. Ich war wirklich überrascht von der riesigen Spannung, die sich über die komplette Handlung erstreckt hat! Vor dem Lesen hätte ich niemals gedacht, dass ein Buch zu einem Film SO gut sein kann. Ohne zu viel vom relativ offenen Ende verraten zu wollen, möchte ich doch erwähnen, dass "Red Riding Hood ' Unter dem Wolfsmond" definitiv Wieder-lese-Charakter hat. Man denkt wohl, dass es nicht mehr dieselbe Spannung haben wird, aber falsch gedacht! Überzeugt euch selbst. Ich vergebe volle Punktzahl!