Zweilicht

Zweilicht - Nina Blazon *Worum geht's?* Endlich beginnt Jays Auslandsjahr in New York, in der Heimat seines verstorbenen Vaters. Hier fühlt er sich ihm näher denn je - und nach dem schwerwiegenden Streit mit seiner Mutter sucht er diese Verbundenheit umso stärker. Bereits nach wenigen Tagen in Amerika scheint Jays Leben wieder steil bergauf zu gehen. Er verliebt sich in Madison, das Mädchen mit den Indianeraugen, und sie erwidert seine Gefühle! Doch Madison ist nicht das einzige Mädchen in Jays Leben. Von Zeit zu Zeit begegnet er Ivy, die außer ihm niemand sehen kann! Jay zweifelt schon an seinem eigenen Verstand, als Ivy ihn durch einen Kuss in eine fremde und verwunschene Welt, in eine andere Wirklichkeit führt. Jay bleibt keine Zeit, seine Gedanken zu ordnen, denn in seiner Welt überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Wendigo kündigt sich an, ein bösartiges Wesen, das sich von Seelen ernährt. Ehe Jay sich versieht, verschwindet die Grenze zwischen Traum und Realität und er befindet sich auf der Flucht zwischen zwei Wirklichkeiten. *Kaufgrund:* Um "Zweilicht" kam ich aus vielerlei Gründen nicht herum. Erstens: Auf Nina Blazons phantastischen Ideenreichtum ist stets Verlass und so konnte ich mich auf eine neue Fantasy-Geschichte freuen. Zweitens: Nachdem mich "Ascheherz" so begeistert konnte, wollte ich wissen, ob die Autorin diesen hohen Maßstab halten kann. Und drittens: Das Cover! *Meine Meinung:* "Zweilicht", das neue Werk aus Nina Blazons Feder, besitzt eine komplexe und extrem verstrickte Handlung. Der Roman beginnt, indem wir die Bekanntschaft von dem mysteriösen Mädchen Mo und ihren Gefährten machen. Sie befinden sich bei Jay und beobachten ihn beim Träumen. Mo fühlt sich auf unerklärliche Weise zu Jay hingezogen und schnell ist ihr klar: Den gebe ich nicht mehr her! Also ändert sie ihren Namen und tritt in Jays Leben... Wer oder was ist Mo? Diese Frage, die sich bereits nach den ersten Seiten stellt, weckt großes Interesse und regt zum Weiterlesen an. Fortan führt uns Blazon an der Nase herum! Immer wieder lässt sie Andeutungen über die wahre Identität der verschiedenen Charaktere in die Geschichte einfließen. Diese Hinweise sind logisch und klar mit der Handlung verknüpft, sodass man leichtgläubig in Blazons Fallen tappt. Mit jedem Kapitel verstärken oder verflüchtigen sich die Informationen und neue Rätsel kommen auf. Warum kann niemand außer Jay Ivy sehen? Was hat es mit der anderen Wirklichkeit auf sich, die sie ihm zeigen kann? Was hat es mit dem Wendigo oder den wundersamen Sprüchen auf sich, die Jay von seinem Vater vor seinem Tod erhielt? Fragen über Fragen, die sich stauen und uns Leser immer wissensdurstiger machen. Überraschende Wendungen, unerwartete Aufklärungen und ungeahnte Entwicklungen warten in jedem ungelesenen Kapitel und machen es unmöglich, "Zweilicht" zur Seite zu legen. Was ist Realität, was Traum? Sie Spannung steigt ins Unermessliche, bis es zu aufregenden Fluchtmanövern und Kämpfen und schließlich zum trefflich abgerundeten Ende kommt. Ich bin begeistert! Mit Jay dürfen wir endlich mal wieder einen männlichen Protagonisten auf seinen Abenteuern begleiten. Identifikationsschwierigkeiten wegen des Geschlechts gibt es nicht; er ist kein selbstverliebter Macho, sondern ein aufrichtiger und herzensguter junger Mann, der jeden beschützt, der ihm etwas bedeutet. Durch die Umstände - der Tod seines als Indianer lebenden Vaters, der Streit mit seiner Mutter und die Tatsache, dass nur er Ivy zu sehen scheint - hat er jedoch auch gelernt, vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Er ist einer der seltenen Charaktere, mit denen man sich durch ihre Art auf Anhieb versteht. Genauso wie die meisten seiner weiblichen Protagonisten-Kolleginnen in diesem Genre weiß er nicht, wohin mit seinen Gefühlen. Madison oder Ivy? Im Laufe des Geschehens muss Jay noch einige Mal erkennen, dass nicht jede Personen die ist, die sie vorgibt zu sein. Aber wer wüsste das besser als er selbst... Blazon wäre nicht Blazon, wenn sie sich in ihrem Roman auf ihren Hauptcharakter fixieren würde. Die Nebencharaktere besitzen mindestens genauso viel Tiefe wie Jay - besonders diejenigen unter ihnen, die eine Maske tragen und ihr wahres Gesicht erst spät zeigen. Für beide Mädchen, Ivy und Madison, hat sich die Autorin sogar eigene komplexe Hintergrundgeschichten ausgedacht, die mit der des Protagonisten ohne Mühen mithalten könnten. Die Nebenfiguren dienen in "Zweilicht" nicht der Zierde, sie bestimmen das Voranschreiten der Handlung entscheidend und entwickeln sich ebenso wie Jay. Insgesamt sind es allesamt großartige Charaktere! Der bildliche und traumhafte Schreibstil Blazons sorgt in "Zweilicht" für großartiges Kopfkino. Während des Lesens schleichen sich die Bilder der Szenen in die Köpfe der Leser, ohne dass dieser darüber nachdenken muss. An ihren Beschreibungen merkt man, wie wichtig der Autorin die eigene Fantasie ihrer Leserschaft ist. Sie wird niemals zu ausführlich oder zu ausschweifend, schildert alles nur im Groben, sodass man sich jede einzelne Szenerie mit einer persönlichen Note vorstellen kann. Bei einzelnen wichtigen Details jedoch setzt sie Akzente und beschreibt sie so deutlich, als wären sie wahrhaftig vor uns. Auf diese Weise verschafft uns Blazon die Möglichkeit, völlig in die Welt ihres Romans eintauchen zu können ohne vor Staunen die bedeutsamen Fakten zu überlesen. An dieser Stelle möchte ich Nina Blazon noch einmal zusätzlich für ihren riesigen Ideenreichtum loben. Das allseits bekannte, unbeliebte "Hey! Das habe ich schon einmal irgendwo gelesen"-Gefühl kommt bei ihren Romanen niemals auf. Blazon hat bereits eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht und sich und ihre Geschichten dabei stets neu erfunden. Sie macht sich nichts aus momentanen Hypes, springt nicht auf die Erfolgszüge der Vampire und Werwölfe auf. Sie beweist mit jedem ihrer Werke, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Mehr davon! *Cover:* Bekannterweise kann ich Mädchengesichter auf den Covern nicht ausstehen. Diesmal haben die Grafiker allerdings so gute Arbeit geleistet, dass ich eine Ausnahme machen muss. Das Cover von "Zweilicht" ist umwerfend! Und mit dem rankenden Efeu gibt es auch meinen gewünschten Bezug zum Titel. Einfach klasse! *Fazit:* Glücklicherweise war dieses Buch kein Traum! Blazons neuester Roman hat mich in jeglicher Hinsicht begeistert. Ob Handlung, Sprache oder Charaktere - schlichtweg alles hat gestimmt. Ich würde sogar soweit gehen, "Zweilicht" als Blazons bisher bestes Werk zu bezeichnen. Volle 5 Sterne!