Sternenkraut

Sternenkraut - Susanne Mittag *Worum geht's?* Seit Stella zwei Jahre alt ist, lebt sie mit ihrem Vater allein. Sie weiß nichts über ihre eigene Mutter, denn Richard weigert sich strikt über sie zu reden. Nur eines verbindet die pflanzenkundige Stella noch mit Flora: die Sprache Walisisch, die sie als Kleinkind von ihr erlernte! Mit nun zwölf Jahren findet das Mädchen mit dem grünen Daumen jedoch heraus, dass alles eine große Lüge war. In Wirklichkeit spricht sie eine Sprache, die niemand versteht. Stella versteht die Welt nicht mehr; welche Geheimnisse ranken sich um ihre Mutter? Was für eine Sprache spricht sie eigentlich? Und warum verfolgt sie ein seltsamer Mann, der sie die "Pflanzenflüsterin" nennt? Auf der Suche nach Antworten schleicht sie sich auf den Dachboden, findet dort einen eigenartigen Schlüssel - und mit ihm einen Weg in eine völlig andere Welt... *Kaufgrund:* Nach Susanne Mittags Kinderbuch "Melina und die vergessene Magie", das mich restlos begeistern konnte, musste ich "Sternenkraut" einfach lesen! *Meine Meinung:* Susanne Mittag ist keine Mitläuferin. Sie schließt sich nicht dem neuesten Hype an und schreibt Bücher über die modernsten übersinnlichen Wesen. Sie tut das, wozu wahre Schriftsteller geboren werden: Frau Mittag erzählt Geschichten, die so noch nie jemand gelesen hat. In ihren phantastischen Welten leben bisher unbekannte Wesen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die jeden Leser mit ihrer Individualität faszinieren können. So ist es auch in Frau Mittags neuestem Werk "Sternenkraut", das in den dunkelsten Höhlen einer fremden Welt spielt. Besonders die liebevoll entwickelte Gabe von Protagonistin Stella, ihr "grüner Daumen", hat es mir angetan. In jeder Zeile steckt kostbarstes Herzblut - und das liest man! Die Handlung von "Sternenkraut" zögert nicht lang. Sie hält sich nicht mit unnötig langen Einleitungen auf, sondern legt schnell ein rasantes Tempo an den Tag, das bis zur letzten Seite beibehalten wird. Da kommt man selbst beim Lesen aus der Puste! Außerdem entwickelt sich bereits zu Beginn des Romans durch überraschende Ereignisse eine große Spannung, die durch immer mehr unerwartete Wendungen ebenfalls bis zum Ende aufrecht erhalten werden kann. Die starke Kombination aus dem zügigen Tempo und dem stetigen Nervenkitzel sorgt dafür, dass man "Sternenkraut" nicht beiseite legt, ehe man nicht den letzten Satz gelesen hat! Der aufklärende Abschluss der Geschichte zog allerdings viel zu schnell an mir vorbei. In weniger als zehn Seiten werden die großen Geheimnisse gelüftet und die endlich aufgedeckten Wahrheiten werden von den Charakteren ohne weiteres hingenommen. An dieser Stelle hätte ich mir gewünscht, dass sich die Autorin mehr Zeit und Seiten für "Sternenkraut" nimmt, die Geschichte langsamer ausklingen lässt und die Figuren näher beleuchtet. Nun darf aber nicht vergessen werden, dass es sich hierbei immer noch um ein Kinderbuch handelt. Jüngere Leser würden sich bei einem längeren Ende wohl eher langweilen, als sich über tiefer greifende Informationen zu freuen. Stella ist eine ausgesprochen sympathische Protagonistin, die man sofort in den Arm nehmen und knuddeln möchte! Für ihr junges Alter ist das Mädchen bemerkenswert erwachsen; kein Wunder, wenn man alleine mit seinem tollpatschigen Vater aufwächst und früh lernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Obwohl sie nach außen einen sehr selbstsicheren Eindruck macht, wird schnell klar, dass Stella ein schüchternes Mädchen ist. Nicht zu wissen, was wirklich mit ihrer Mutter geschehen ist, plagt sie sehr und lässt sie an sich selbst zweifeln. Ihr Abenteuer in den Höhlen einer anderen Welt bringen ihr nicht nur Gewissheit und lang ersehnte Antworten, sondern auch Selbstbewusstsein und innere Stärke. Die Nebencharaktere passen hervorragend zueinander und ergänzen sich gegenseitig. Tasne und Kian, die bedeutendere Rolle spielen, könnten kaum unterschiedlicher sein: die wilde Abenteuerlustige, die eine ebenso faszinierende Gabe besitzt wie Stella, und der eher zurückhaltende Gutmütige, der alles dafür tun würde, um seinen geliebten Menschen zu helfen. An Stellas Seite ergeben die drei ein ausgeglichenen Gespann, das jedes Problem lösen könnte! Ich hätte gern noch viel mehr von ihnen erfahren! Auch der Bösewicht der Geschichte macht seinen Job gut. Ab dem ersten Moment ist er ein unangenehmer Zeitgenosse und löst im eigenen Magen ein unwohles Gefühl aus. Man ist froh, ihm nicht selbst über den Weg zu laufen. Wer so eine Atmosphäre verbreitet, hat den Titel Übeltäter zurecht verdient! Der lockere, flüssige Schreibstil der Autorin hat mich wieder einmal überzeugen können. Durch ihre bildhafte Sprache konnte ich mir jede einzelne Szene im Kopf so detailgetreu vorstellen, als wäre ich mittendrin. Was mich dabei so begeistert, ist die Tatsache, dass Susanne Mittag es ohne seitenlange Beschreibungen schafft, ein solches Kopfkino zu erzeugen. Scheinbar nebensächlich setzt sie stets die richtigen Worte als Akzente, lässt ihren Lesern dabei aber immer genügend Spielraum für die eigene Phantasie. Hier zeigt sich wahres Schreibtalent! *Cover:* Wow! Das ist mal ein Cover ganz nach meinem Geschmack! Mit den schönen Grüntönen und den rankenartigen Verzierungen repräsentiert es nicht nur die gesamte Leseatmosphäre auf wunderbare Art und Weise, es ist auch ein echter Hingucker! Die Silhouette, die Stella in einem Pflanzenmeer zeigt, ist quasi die Kirsche auf der Torte: Wunderschön und geheimnisvoll! *Fazit:* Mit "Sternenkraut" ist Susanne Mittag abermals ein großartiges Kinderbuch gelungen, das mit seiner sympathischen Protagonistin und der aufregenden, mysteriösen Geschichte alle jungen Leserherzen zum Mitfiebern animieren wird. Aber auch ältere Leser wie ich, die dem Kind in sich ein paar wunderbare Lesestunden gönnen möchten, werden Stella gerne während ihres Abenteuers begleiten. Ich vergebe sehr gute 4 Sterne!