Ruf der verlorenen Seelen

Ruf der verlorenen Seelen  - Kimberly Derting *Worum geht's?* Drei Monate sind vergangen, seit Violet den Mörder der Mädchen stellen konnte und dabei selbst nur knapp entkam. Es gab keine weiteren Zwischenfälle und eigentlich sollte das für Violet Ambrose Grund genug sein, um endlich zu entspannen und die Zeit mit ihrem Freund Jay zu genießen. Aber ihr Unterbewusstsein meint es nicht gut mit ihr und quält sie weiter in ihren Träumen. Als ihre Freundin Chelsea sie zu einem Ausflug nach Seattle einlädt, kann sie es kaum aushalten, aus ihrer Kleinstadt herauszukommen und ihren Sorgen zu entfliehen. Was gibt es schließlich besseres als eine Shoppingtour, um auf andere Gedanken zu kommen? Doch dann kommt es ganz anders, als sie erwartet hätte: Am Hafen wird sie von einem Echo eines Toten überwältigt. In einem Container findet sie einen toten Jungen, der bereits vor Wochen als vermisst gemeldet wurde. Nur einen kurzen Moment ist Violet unvorsichtig - und schon ahnt das FBI von ihrer Gabe. *Kaufgrund:* "Bodyfinder - Das Echo der Toten" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Kein Wunder also, dass ich die Fortsetzung auch unbedingt lesen musste! *Meine Meinung:* Ein kurzer Prolog und schon hat es Kimberly Derting geschafft, uns an den zweiten Teil ihrer "Bodyfinder"-Serie zu bannen. Sie erlaubt uns, einen Blick auf eine schreckliche Szene zu werfen: Ein unbekannter Mann zielt mit einem Gewehr auf Violet. Wer ist der Mann? Wieso will er Violet etwas antun? Wieso ist Violet, nach allem was ihr bisher zugestoßen ist, allein unterwegs? Mit dem ersten Kapitel springt Derting fünf Wochen in die Vergangenheit, als die Welt für Violet noch mehr oder weniger in Ordnung war, und beginnt zu erzählen, wie es zu dem grausigen Moment kommen konnte. Spannung ab der ersten Seite: Nach dem aufregenden Prolog, der das Maß an Nervenkitzel bereits sehr hoch setzt, entwickelt sich die Handlung rasant weiter. Mit ihrem knappen, mitreißenden Schreibstil und der Entdeckung von neuen aufregenden Informationen in genau den Momenten, in denen die Geschichte abzuflachen droht, kann uns die Autorin bis zur letzten Seite fesseln und begeistern. Es macht unheimlich viel Spaß, "Ruf der verlorenen Seelen" zu lesen und Violet auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Leider schwächelt der zweite Band der Reihe ein wenig und kann nicht mit seinem Vorgänger mithalten. So spannend das Buch auch ist, der "Wow"-Effekt während der Auflösung hat mir gefehlt. Neben der großen Spannung legt die Autorin auch in "Ruf der verlorenen Seelen" großen Wert auf die Emotionen zwischen Violet und Jay. Während im ersten Teil der Reihe die romantischen Gefühle die Spannung oft ungewollt unterbrachen, ist Kimberly Derting nun eine bessere Balance gelungen. Insgesamt gibt es weniger, dafür aber intensivere Szenen zwischen den beiden, die sich zudem zwischen den spannenden Moment hineinschlängeln und diese nicht unterbrechen. Leider konnte es Derting nicht bei einer glücklichen Beziehung zwischen Violet und Jay belassen. Dabei sind sie doch so ein süßes Pärchen, mit dem man gerne mitschwärmt! Nein, Derting musste - aus welchen Gründen auch immer - Ärger im Paradies anzetteln. Bereits zu Beginn zeigt sich, dass die beiden in diesem Band der Reihe mit ersten Beziehungsproblemchen und Differenzen kämpfen müssen. Es beginnt mit unnötigen Eifersüchteleien von Violet, die ihr schließlich völlig über den Kopf wachsen. Sie steigert sich in etwas herein, was für uns Leser nach den Anfängen nicht mehr nachvollziehbar bleibt, und es kommt zu beinahe lächerlichen Streitszenen, bei denen man nur noch den Kopfschütteln kann. Mit dieser Entwicklung hat die Autorin leider total daneben gegriffen! Derting bleibt dem Stil der Serie treu und schreibt ganze sieben Kapitel aus der Sicht eines Stalkers, der Violet das Leben zur Hölle machen will - denn sie hat etwas, was der Stalker will. Und er ist bereit, alles zu tun, um es zu bekommen. Im Gegensatz zum Mörder aus dem ersten Teil konnte mich der Stalker leider nur wenig begeistern. Ab dem ersten Moment ist es offensichtlich, wer hinter den geheimnisvollen Gedanken steckt, wer sich da in Mordfantasien verliert. Nach wie vor haben diese Kapitel ihren Reiz und mit ihren grausigen, schonungslosen Beschreibungen sorgen sie definitiv für Spannung und Aufregung, aber Derting konnte ihre Leser diesmal nicht so geschickt an der Nase herumführen wie in ihrem Serienauftakt. Die Kapitel sind übrigens nach den sieben Todsünden benannt; nette Idee! Violet lässt uns nach diesem Band mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits kann sie uns erneut davon überzeugen, was für eine faszinierende Protagonistin sie ist. Sie beweist mehr als einmal ihren Mut und springt über ihre Schatten. Außerdem wird in "Ruf der verlorenen Seelen" endlich ihre Gabe genauer thematisiert: Wie wirkt sie auf Violet? Was fühlt sie dabei? Andererseits trifft Violet einige Entscheidungen, die nicht verständlich sind. Man möchte sie am liebsten an den Schultern packen und schütteln! Sie verliert ich in ihren Geheimnissen und Sorgen, verschanzt sich und lässt niemanden an sich heran - so kennen wir unsere Violet nicht! Jay bleibt der liebevolle Junge, den wir aus "Echo der Toten" kennen. Egal, wie sehr sich Violet vor ihm zurückzieht - er bleibt stets an ihrer Seite und bietet ihr die Unterstützung an, die sie braucht. Immer da, rücksichtsvoll, einfühlsam - so lieb man ihn auch gewonnen hat, an einigen Stellen wirkt er zu perfekt, zu fehlerfrei. Immerhin gibt Derting ihm die Chance, sich als starke Persönlichkeit zu beweisen, und lässt ihn nicht einfach links liegen. Die bisher bekannten Nebencharaktere werden dagegen leider kaum vertieft, dafür gibt es aber einige neue interessante Gesichter, die den Geschichtsverlauf entscheidend prägen. Besonders Sara und Rafe vom FBI machen neugierig! Zum Schluss eine Bitte im eigenen - und nachdem ihr euch dran gehalten habt auch in eurem! - Sinne: Lest die "Bodyfinder"-Serie! Ihr werdet sie garantiert verschlingen, denn sie garantiert mitreißende und spannende Lesestunden. Nutzt eure Chance jetzt, dem Mörder auf die Spur zu kommen, und kauft euch die Bücher! Momentan ist die Leserschaft leider zu gering, sodass der Coppenrath-Verlag überlegt, die Serie einzustellen - und das hat sie wirklich nicht verdient! Also, auf zum Buchladen! *Cover:* Nanu? Kein Farbwechsel des Originalcovers? Da scheint sich ausnahmsweise ein Verlag der Kritik an Covern anzunehmen und etwas zu verändern! Leider wird somit die Verbundenheit zur Reihe undeutlich und der Inhalt passt noch immer nicht dazu. Trotzdem sieht es klasse aus! *Fazit:* In Sachen Handlung und unerwarteten Wendungen kann "Ruf der verlorenen Seelen" leider nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Trotz der Schwächen ist der zweite Teil der "Bodyfinder"-Serie eine solide Fortsetzung, die gut unterhält und definitiv Lust auf Mehr macht. In der großen Hoffnung auf die Veröffentlichung der Folgebände vergebe ich gute 3 Sterne.