Rezension: "Firelight. Flammende Träne" [German Review]

Vanish: A Firelight Novel - Sophie Jordan

*Worum geht's?*
Um ihren Liebsten zu retten, hat sie alles in Gefahr gebracht, was ihr wichtig ist - ihre Familie, ihr Rudel, ihren Draki. Aber Jacinda hatte keine andere Wahl! Um Will vor dem Tod zu bewahren, musste sie sich verwandeln - ganz gleich, wer dabei zugeschaut hat und welche Folgen es haben könnte. Nun werden Jacinda, ihre Schwester und ihre Mutter zurück in die Siedlung gebracht, wo sie sich den strengen Regeln der Dorfältesten fügen müssen. Jacinda muss Will um jeden Preis vergessen, aber kann sie ihre Gefühle wirklich ignorieren? Sie solange unterdrücken, bis sie sterben, wie es ihr Draki beinahe getan hätte? Ihre Verzweiflung treibt Jacinda geradewegs in die Arme des Drakiprinzen Cassian. Mit ihm wäre alles so einfach, so leicht, so unkompliziert... Als sich Jacinda unverhofft eine Gelegenheit bietet, Will wiedersehen zu können, muss sie eine Entscheidung treffen: Hört sie auf ihr Herz oder ihre Vernunft?

*Kaufgrund:*
"Firelight: Brennender Kuss" war für mich definitiv ein Jahreshighlight 2011. Sehnsüchtig habe ich auf die Fortsetzung und ein Wiedersehen mit der Draki Jacinda gewartet! Als das Buch endlich in mein Regal einziehen durfte, habe ich sofort mit dem Lesen begonnen.

*Meine Meinung:*
"Flammende Träne", der zweite Band der "Firelight"-Trilogie von Sophie Jordan, schließt nahtlos an seinen Vorgänger an und zieht einen mit einem spannungsgeladenen Anfang augenblicklich wieder in Jacindas Welt. Sporadisch lässt die Autorin die wichtigsten Geschehnisse des letzten Romans durch ihre Charaktere Revue passieren, sodass selbst größere Erinnerungslücken schnell beseitigt sind und den mitreißenden Lesefluss nicht mehr stören können.

Ich darf, kann und will gar nicht viel über den Inhalt verraten, denn bereits nach wenigen Seiten überrascht Sophie Jordan mit unerwarteten Wendungen. Dinge, die man nicht für möglich gehalten oder überhaupt noch in Erwägung gezogen hätte, sorgen für turbulente Wirrungen innerhalb der Geschichte. Durch das rasche Erzähltempo schreitet die Handlung schnell voran und man gerät so tief in die Geschichte, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann. Die anfängliche Spannung flaut recht schnell wieder ab und wird von einem riesigen Gefühlschaos abgelöst. Erst gen Ende findet sie wieder zu alter Stärke zurück. Wer auf der Suche nach purem Nervenkitzel ist, dem wird der zweite Band wohl nicht sonderlich zusagen (derjenige ist dann allerdings auch mit völlig falschen Erwartungen an diese Romantasy-Serie herangegangen...). Das zweite Buch der "Firelight"-Trilogie macht einfach Spaß und sorgt für gut unterhaltende Lesestunden!

In diesem Band erfährt man endlich mehr über das Rudelleben der Draki. Nachdem man im ersten Teil bloß einen kurzen Einblick in das abgelegene Dörfchen werfen durfte, spielt sich das Geschehen in "Flammende Träne" fast ausschließlich dort ab. Von dem sicheren, angenehmen Ort, an den sich Jacinda stets zurückgewünscht hat, ist allerdings kaum etwas zu sehen. Eine bedrückende Enge lastet auf Jacindas Heim, das nach ihrer Rückkehr streng bewacht wird. Denn die Dorfältesten und Cassians Vater Severin, der mächtigste Draki des Rudels, sind vorsichtiger geworden. Sie wollen den Feuerdraki ihres Rudels um keinen Preis verlieren und nehmen alles in Kauf, um Jacinda an das Dorf zu binden.

Leider erfährt man auch im Mittelteil der Trilogie nicht sonderlich viel über die Enkros. Die Erzfeinde der Drakis, die nach ihrer Haut und ihrem Blut lechzen, sind die stille, tödliche Gefahr im Hintergrund des Geschehens, die für Trubel und Anspannung sorgen, selbst allerdings nicht in die Handlung eingreifen. Nach den wenigen Informationen, die "Brennender Kuss" lieferte und die Neugierde ins Unermessliche wachsen ließ, hätte ich mir im zweiten Band einiges mehr erhofft. Schade! Trotzdem hat die Geheimnistuerei um die Enkros auch sein Gutes: Im dritten und letzten Buch der Trilogie kann sich Sophie Jordan einem (hoffentlich) spektakulären Treffen mit den Enkros nicht mehr entziehen!

Jacinda, die Feuerdraki, bleibt die Protagonistin und Erzählerin des Romans, ist allerdings kaum mehr wiederzuerkennen. Die Stärke, die Hartnäckigkeit, die Verbissenheit, die Jacinda in "Brennender Kuss" zu einer kämpferischen Protagonistin gemacht haben, hat die junge Draki verloren. Die Ereignisse haben sie gebrochen und ihr verdeutlicht, dass sie nicht bloß auf ihr Herz hören darf. Sie muss ihre Gefühle für Will unterdrücken und endlich vernünftig werden, denn nur so kann sie ihr Rudel, ihre Familie und auch sich selbst beschützen! Doch Jacinda wäre nicht Jacinda, wenn sie die Vernunft über ihre Gefühle stellen würde. Sie ist ein Feuerdraki und trägt das Feuer in ihrem Herzen, das nach all den schrecklichen Geschehnissen bloß einen Funken braucht, um neu zu entfachen...

Jacindas Gefühle spielen in "Flammende Träne" eine noch größere Rolle und stürzen die Liebesgeschichte in ein absolutes Chaos. Während Jacinda um Will und ihre verbotene Liebe trauert, treibt sie ihr Liebeskummer und ihre Verzweiflung immer mehr in Cassians Arme. Der Drakiprinz, der schon immer in Jacinda verliebt war und nie ein Geheimnis darum gemacht hat, versucht seinerseits, in der jungen Feuerdraki wahre Gefühle für ihn zu entfachen. Die Dreiecksbeziehung verläuft zwar nach dem üblichen Jugendbuchschema, aber mir hat sie trotzdem gut gefallen. Die emotionalen und romantischen Momente hat Sophie Jordan so schön beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als dahinzuschmelzen. Allerdings hat sich die Autorin im Geschichtsverlauf des zweiten Bandes etwas zu stark auf die Liebesgeschichte fixiert, sodass der Rest der Handlung ein wenig in den Hintergrund gerät.

Sophie Jordans Schreibstil ist einfach großartig. Sie schreibt so mitreißend, leicht und fesselnd, dass sich die Seiten schnell lesen lassen. Ehe man sich versieht, hat man bereits alle verschlungen und wartet sehnsüchtig auf den dritten und letzten Band der Trilogie! Besonders die gefühlvollen Szenen sind in Sophie Jordans Romane kleine Highlights, aber auch die spannenden Momente sorgen dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.

*Cover:*
Warum der Verlag sich entschieden hat, das Originalcover des Abschlussbandes für den zweiten Teil zu übernehmen, ist mir nicht ganz ersichtlich. Trotzdem gefällt mir die Aufmachung ganz gut. Das liegt leider jedoch weniger an dem viel zu typischen Mädchengesicht, dafür aber umso mehr an den schönen Verzierungen, den tollen Effekten und dem hochwertigen Material des Schutzumschlags.

*Fazit:*
"Flammende Träne" ist ein gelungener zweiter Teil der "Firelight"-Trilogie, der einen genauso stark fesselt und an die Seiten bannt wie sein Vorgänger. Ganz an dem typischen "Mittelteil-Tief" kommt das Buch allerdings nicht vorbei, denn Jacindas Liebeschaos drückt sich stark in den Vordergrund und lässt dem spannenden Teil der Handlung damit zu wenig Platz, um sich ausgiebig entfalten zu können. Ich habe mich daran jedoch kaum gestört, denn Sophie Jordan hat mich mit ihrem Talent für romantische Momente dahinschmelzen lassen. Protagonistin Jacinda kann ebenfalls mit neuen Facetten überzeugen und macht "Firelight: Flammende Träne" zu einer gelungenen Fortsetzung, die für viele tolle Lesestunden sorgen kann. Ich vergebe 4 Sterne.