Gute Idee, mäßig umgesetzt

Herzblut - Gegen alle Regeln - Melissa Darnell

*Worum geht's?*
Savannah war noch nie in ihrem Leben krank. Als sie eines Tages aufwacht und sich nur mit Mühe aufraffen kann, den Tag anzutreten, spürt sie ganz genau, dass etwas nicht in Ordnung ist. Trotzdem quält sie sich durch den Schulalltag der Jacksonville High, den sie nur durch die Unterstützung ihrer Freundinnen übersteht. Die fiesen Sprüche der Clann-Mitglieder, der Kinder der wichtigsten Menschen der Stadt, setzen ihr diesmal noch stärker zu - besonders die Blicke von Tristan, für den Savannahs Herz heimlich schlägt. Früher waren sie einmal enge Freunde, doch plötzlich war alles anders... Wenige Tage später erfährt Savannah von ihrer Familie die Ursache für ihr Unwohlsein: Sie beginnt, sich zu verwandeln. Sie ist kein normales Mädchen und die Magie in ihrem Innersten kämpft sich an die Oberfläche. Und je mächtiger sie wird, desto tödlicher wird sie für ihre große Liebe Tristan...

*Meine Meinung:*
Mit "Gegen alle Regeln" startet Melissa Darnell die "Herzblut"-Trilogie, in der Hexen und Vampire zu verfeindeten Kontrahenten werden. Zwischen den verhassten Fronten stehen Savannah und Tristan, zwei Jugendliche, die ihren Platz in der magischen Welt erst finden müssen und sonst ein recht normales Leben an der Jacksonville High führen. Obwohl sie wissen, dass sie Abstand von einander halten müssen, treiben sie ihre Gefühle immer wieder in die Nähe des anderen. Welcher Gefahr sie sich damit aussetzen, wird ihnen erst viel zu spät bewusst - und leider hat das auch seine Konsequenzen für die Geschichte. Auf Spannung wartet man lange Zeit vergeblich.

Obwohl das Übernatürliche und Magische von Anfang an eine Rolle spielt und thematisiert wird, mischt es sich nur sehr dezent in die Handlung ein. Bis zum letzten Drittel hat sich "Herzblut - Gegen alle Regeln" für mich eher wie ein stereotypes Teenie-Drama mit seichten Fantasy-Elementen als wie eine packende Fantasy-Liebesgeschichte a la "Romeo und Julia" gelesen. Nicht selten hatte ich das Gefühl, einer bestimmten Szene schon einmal irgendwo begegnet zu sein, denn maßgebliche kreative Ideen oder innovative Entwicklungen hat Melissa Darnell nicht in ihren Trilogie-Auftakt eingewoben - wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass Protagonistin Savannah ihre eigene Vollkommenheit im Weg steht.

Die große Enthüllung, das Geheimnis um Savannahs Abstammung, wird relativ früh aufgeklärt und verläuft zu meiner bitteren Enttäuschung nicht nur unspektakulär, sondern so gestellt und aufgesetzt, dass es absolut unauthentisch wirkt. Savannahs Eltern offenbaren ihrer Tochter ein Geheimnis, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen wird, doch statt sich über die Geheimniskrämerei zu ärgern, mit ihrer neuen Identität zu hadern oder überfordert zu sein, akzeptiert sie alles sofort. Genauso schnell und unglaubwürdig, wie Savannah die Enthüllung serviert bekommt, nimmt sie sie auch hin...

… und hinterlässt damit einen naiven, unrealistischen Eindruck, der sich im Verlauf der Geschichte nur noch weiter festigt. Savannah ist ein viel zu perfekter Charakter und ihr größtes Problem scheint ihr "Tranceblick" zu sein, mit dem sie sich jede Menge Stalker angelt. Sie ist viel zu rund, zu glatt und weiß das auch! Es nervt sie - und genau das hat mich auch an ihr genervt. Savannah wirkte auf mich immer viel zu aufgesetzt und zu gekünstelt. Dabei ist sie eigentlich eine Figur mit einer guten Hintergrundgeschichte und viel Potenzial, das leider nicht gut genutzt wurde. An sich ist Savannah eine nette Protagonistin mit einem großen Herzen, aber richtig warm wurde ich mit ihr leider nicht. Dafür blieb sie mir bis zum Schluss zu mittelmäßig.

Mit Tristan, dem männlichen Protagonisten, ging es mir nicht anders. Er ist der begehrteste Junge der Schule und zudem der Sohn des Clann-Oberhauptes. Sowohl die hübschesten Mädchen als auch die stärksten magischen Kräfte fliegen ihm mühelos zu, obwohl er in Wahrheit an beidem nicht wirklich interessiert er ist. Alles, was er will, ist Savannah zu beschützen - das Mädchen, das er nicht haben kann. Wie auch Savannah hat Tristan als Charakter durchaus seine positiven Seiten. Seine Ecken und Kanten waren jedoch viel zu schwach ausgeprägt. Tristan entspricht für mich leider viel zu sehr dem typischen Klischee-Prinzen des Genres und konnte mich daher nicht sonderlich für sich begeistern.

Melissa Darnell erzählt die Geschichte nicht nur aus einer Perspektive. Sie lässt beide Protagonisten abwechselnd zum Zuge kommen, um den Lesern ihre persönlichen Sichtweisen auf das Geschehen zu beschreiben. Der Einblick in ihre Gedanken und Gefühle hat mir die Charaktere zumindest noch ein wenig schmackhafter gemacht, denn mit einem außenstehenden Erzähler hätte ich wohl gar keinen Zugang zu ihnen finden können. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel erhält man aber zudem aber auch einen guten Überblick über die sich gegenüber stehenden Gruppen. Sowohl Vampire als auch Hexen können so ihre Vorzüge zeigen und klarstellen, wieso und warum sie zu Feinden geworden sind.

Je näher das Ende des ersten Bandes rückt, desto besser hat mir "Herzblut - Gegen alle Regeln" dann doch noch gefallen. Im letzten Drittel gibt die Geschichte noch einmal richtig Gas und kann mit spannenden Entwicklungen punkten. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere konnten plötzlich meine Neugierde wecken und mich an die Seiten fesseln. Melissa Darnell kann ihr Potenzial also doch nutzen! Diese Steigerung kam allerdings viel zu spät, um die ganzen Kritikpunkte bis dahin wieder wettzumachen. Trotzdem hat das letzte Drittel noch einiges aus dem Auftakt herausgeholt und mich sogar neugierig auf die Fortsetzung werden lassen. Mehr als ein ganz nettes Lesevergnügen hat mir "Herzblut - Gegen alle Regeln" nicht bescheren können, aber für den Folgeband scheint sich die Autorin noch einiges zurückgehalten zu haben.

*Cover:*
Das Gesamtbild des Covers gefällt mir ausgesprochen gut. Das Rosenmeer in den kräftigen Rottönen steht im starken Kontrast zu dem Mädchen mit dem blütenweißen Kleid, das nur in Grautönen abgebildet ist. Mit dem Mädchen an sich mag ich mich allerdings nicht recht anfreunden, da sie mich mit ihrem ausdrucksstarken Blick nicht einmal ansatzweise an Savannah erinnert.

*Fazit:*
"Herzblut - Gegen alle Regeln" von Melissa Darnell ist der Auftakt einer neuen Trilogie, die ihre Leser mit einer guten Idee lockt, diese aber nur mäßig umsetzt. Statt der dramatischen Liebesgeschichte im Stil von "Romeo und Julia", die einen emotional völlig mitreißen kann, gibt es in "Gegen alle Regeln" eine nette Highschool-Romanze mit Fantasy-Elementen. Sowohl die Handlung als auch die einzelnen Charaktere sind sehr stereotyp und hätten neben ein paar innovativen Ideen auch Ecken und Kanten gut vertragen können. Alles in allem ist "Herzblut - Gegen alle Regeln" für mich leider nur ein durchschnittlicher Trilogie-Auftakt. Da das letzte Drittel doch noch mein Interesse wecken konnte, vergebe ich insgesamt knappe 3 Sterne.