Die Leipziger blogger sessions 2017

In diesem Jahr fanden am letzten Messetag nun schon zum zweiten Mal die Leipziger blogger sessions statt. Mit einem Preis von satten 42 Euro für knapp vier Stunden Programm hat das Ticket eine ordentliche Lücke in mein Buchbudget geschlagen – und wer mich kennt, weiß, dass ich quasi jedes Mal mit Begeisterung die halbe Messe wieder mit nach Hause nehme –, dennoch siegte diesmal die Neugierde darüber, was die Leipziger Buchmesse wohl für die Blogger veranstaltete hatte. Im Nachhinein muss ich jedoch leider sagen, dass ich doch lieber die vier weiteren Taschenbücher hätte nehmen sollen …

 

Die blogger sessions fanden im Congress Center der Leipziger Buchmesse statt. Bei der Anmeldung erhielt man eine spärlich gefüllte Goodie-Bag, die neben Werbematerialen der Sponsoren, Block und Bleistift einen dicken Schmöker über Leipzig beinhaltete. Tatsächlich gebrauchen konnte ich aus der Tasche nichts, aber gut: Darum ging es ja auch gar nicht. Nachdem der Chef der Leipziger Buchmesse die neugierigen Blogger schließlich begrüßte, leitete FAZ-Feuilleton-Chef Andreas Platthaus die blogger sessions mit einer wirklich gelungenen Keynote ein. Auf Platthaus hatte ich mich schon im Vorfeld am meisten „gefreut“, denn für mich war absolut unverständlich gewesen, wie ausgerechnet jemand, unter dessen Zeitungshaus auch ein Oliver Jungen Blogger bis unter die Gürtellinie denunziert, eine Veranstaltung für die „(Zitat Jungen)“-Leser bereichern sollte.

 

Platthaus, begeisterter Comic-Leser und Entenhausen-Fan, fasste in seiner Keynote aber endlich genau das zusammen, was wir Blogger schon seit Jahren predigen: „Wir haben einen gemeinsamen Feind, und das sind diejenigen, die nicht lesen“. Er äußerte sich bewundert für das Engagement und die Leidenschaft der Blogger, gab zu, dass er sich die Mühe ohne sein festes Gehalt wohl nicht machen würde, und räumte sogar ein, dass das Feuilleton Blogger viel zu lange unterschätzt und belächelt hat. Nun ja: Auf einer Veranstaltung für eben jene blieb ihm wohl kaum etwas Anderes übrig, aber ich hatte durchaus den Eindruck, dass Andreas Platthaus es ehrlich mit uns meinte.

 

Wolfgang Tischler von literaturcafe.de führte als Moderator durch die weitere Veranstaltung, zum Schluss etwas gehetzt, im Großen und Ganzen aber sehr angenehm. Nach der Keynote konnte man zwischen einem Vortrag zum Thema Presserecht, Kooperationen, Datenschutz und Werbung von Tilman Winterling, selbst Blogger auf 54books.de und Rechtsanwalt, und einer Diskussionsrunde zum Thema „Warum über Bücher bloggen?“ wählen. Ich entschied mich für letztere und war trotz der sympathischen Speaker leider sehr enttäuscht, denn eine Diskussion kam überhaupt nicht zustande. Da rechts von mir ein Journalist einer namenhaften Zeitung und links von mir eine Verlagsmitarbeiterin saßen, verwunderte mich dies allerdings ganz und gar nicht.

 

Im Anschluss konnte man sich einen Vortrag mit BookTuberin Jessy von „Melody of Books“, Instagramerin Katja Murschel von „Minas Morgul Books“ und Podcaster Senor Rolando von „Büchergefahren“ zum Nutzen der verschiedenen medialen Kanäle anhören. Ich lauschte stattdessen jedoch Tina Lurz und Marcel Koch von lovelybooks.de zum Thema SEO. Für Bloggerfrischlinge oder jene, die sich bisher nicht mit dem Thema SEO befasst haben, war der Vortrag informativ und spannend gestaltet. Wer schon etwas länger dabei ist, wird hier vielleicht den einen oder anderen Tipp mitgenommen haben, prinzipiell aber zumindest mit der Erinnerung den Raum verlassen haben, der Thematik zukünftig doch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

 

Mit einem Vortrag von Wolfgang Tischler und Fabian Neidhardt von mokita.de über das mehr als leidige Thema Monetarisierung fanden die diesjährigen blogger sessions ihren Abschluss. Die beiden Speaker haben 21 Möglichkeiten herausgestellt, wie man mit seinem Buchblog Geld verdienen kann. Welche das sind, könnt ihr selbst im Literaturcafé nachlesen. Einige Vorschläge, wie etwa das Crowdfunding und Patreon, erschienen mir für Buchblogs etwas an den Haaren herbeigezogen. Wer mit seinem Blog eine kommerzielle Absicht verfolgen will, findet hier aber mit Sicherheit den einen oder anderen Denkanstoß.

 

Während der Pausen oder im Anschluss an die Veranstaltung konnte man die Chance nutzen, sich von der Fotografin Birgit-Cathrin Duval ablichten zu lassen, um ein schickes und professionelles Profilfoto für den eigenen Blog zu bekommen. Damit waren die 4,5 Stunden auch schon vorbei und mitgenommen habe ich … die Erinnerung, mehr auf SEO zu achten, und ein Foto (das dafür aber auch mein Highlight der blogger sessions ist. Danke an dieser Stelle an die tolle Fotografin!). Für den stolzen Preis von 42 Euro. Organisatorisch war die Veranstaltung gut, es gab genügend Verpflegung, Sitzplätze und eine gute Atmosphäre. Inhaltlich hätte man aber viel mehr herausholen können. Wie es oft bei Veranstaltung für Buchblogger ist, hatte ich auch hier das Gefühl, das mehr Interessierte als richtige Blogger im Publikum saßen. Damit verfehlt eine solche Veranstaltung auch irgendwie ihren Sinn und Zweck.

 

Die Leipziger blogger sessions wurden von insgesamt sechs Sponsoren unterstützt: Buchjournal, LovelyBooks, BookLikes, NetGalley, VLB-Tix und Kiss & Tell Communications. Darunter sind durchaus namenhafte Unternehmen der Branche, weshalb ich mich sehr darüber wunderte, wie man bei solch einer Sponsorenriege noch immer einen so stolzen Preis verlangen konnte. In die Goodies kann das Geld nun wirklich nicht geflossen sein … Denn dort war ja nicht einmal gutes Schreibzeug dabei, um fleißig mitschreiben zu können. Für mich waren die blogger sessions 2017 zwar kein Reinfall, aber das Geld waren sie mir absolut nicht wert. Ob ich im kommenden Jahr wieder dabei sein werde – sofern die Veranstaltung denn fortgeführt wird – wage ich deshalb zu bezweifeln. Dafür müsste das neue Programm schon mehr als vielversprechend klingen.

 

Über die sozialen Netzwerke könnte ihr euch tiefer in die genauen Inhalte der Programmpunkze einlesen. Sucht dafür nach dem Hashtag #bmb17. Vor allem Büchertatzen hat sehr prägnant und detailliert darüber getwittert.