Feuer und Glas - Der Pakt: Roman

Feuer und Glas: Der Pakt - Brigitte Riebe *Worum geht's?* Seit ihr Vater verschwunden ist, hat sich ihr Leben grundlegend verändert. Zusammen mit ihrer Mutter musste sie ihr altes Zuhause in Murano verlassen und zu ihrer Tante Ysa nach Venedig ziehen, wo sie nun in deren Gasthaus, dem "ippocampo", aushilft. Tag für Tag hofft die Tochter des Glasbläsers auf seine Rückkehr, bis sie plötzlich auf das Geheimnis ihrer Herkunft stößt: Sie gehört zu den Feuerleuten, die nur durch einen Pakt mit ihren Rivalen, den Wasserleuten, zusammenleben können. Doch nun wurde das Abkommen gebrochen und Venedig wird durch die Unruhen in der Stadt zu einer leichten Beute für die Feinde auf dem Festland. Wenn der Pakt nicht bald erneuert wird, ist Venedig dem Untergang geweiht! Dafür brauchen Feuer- und Wasserleute jedoch die gläserne Gondel, die dem Besitzer unglaubliche Kräfte verleiht. Zuletzt besaß Millas Vater dieses magische Artefakt, doch seither wurde er nicht mehr gesehen. Nun vermuten Feuer- und Wasserleute die Gondel bei der ahnungslosen Milla - und einige von ihnen scheuen vor keiner Tat zurück, um endlich an Macht zu gelangen... *Kaufgrund:* Historische Jugendromane haben schon lange einen festen Platz in meinem Herzen. Wenn dann noch eine ordentliche Portion Fantasy dazu kommt, kann es doch nur toll werden! Oder? *Meine Meinung:* Venedig im Jahre 1509. Ein ungewöhnlicher, dafür umso interessanterer Schauplatz für einen Jugendroman. Die romantische Stadt aus dem Wasser, durch deren Wasserstraßen die Gondoliere ihre Dienste verrichten. Autorin Brigitte Riebe beschreibt diese zauberhafte Stadt so authentisch und realistisch, dass man sich fast fühlt, als säße man selbst in einer Gondel, die durch Venedig treibt. Man muss dieses inspirierende Setting einfach lieben! Nicht nur das Setting ist verzaubernd, auch die gelungene Mischung aus "History" und "Fantasy" sorgt für eine magische Geschichte. Brigitte Riebe hat sich für den phantastischen Teil ihres Romans weder bekannten Geschöpfen noch Klischees bedient, sondern sich etwas eigenes, innovatives ausgedacht: Feuer- und Wasserleute. Beide Gruppierungen haben magische Fähigkeiten, die sie aus ihren Elementen beziehen. Nur in einem ausgewogenen Verhältnis können Wasser und Feuer friedlich nebeneinander existieren. Im ersten Augenblick mag dies nicht besonders tiefgründig klingen, doch dieser Eindruck täuscht gewaltig! Was sich die Autorin hier erdacht hat, ist eine feinfühlige und komplexe Geschichte über zwei fremde Fraktionen, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Anfangs noch ahnungslos wie Milla, entdeckt man Seite für Seite mehr Geheimnisse der Feuer- und Wassermenschen. Es wird immer spannender, aufregender, mysteriöser - bis ein großartiges Finale die Leser wünschen lässt, sie könnten bereits jetzt die Fortsetzung in den Händen halten. Die junge Milla ist die Protagonistin in "Feuer und Glas - Der Pakt". Sie ist eine natürliche Figur, mit der man auf Anhieb sympathisiert. Obwohl ihr Vater seit Jahren verschwunden ist und ihr jeder Tag schmerzt, an dem sie ihn nicht sehen kann, lässt Milla den Kopf niemals hängen. Sie ist ein liebenswürdiges, intelligentes Mädchen, das auf die Stimme ihres Herzens hört und ihren Glauben nicht verliert. Als Tochter des Feuerkopfs ist sie genauso mutig, tapfer und lebhaft wie er und scheut nicht davor zurück, genau das zu sagen, was sie denkt. Zum Glück ist Milla klug genug, um ihren Mund zu halten, wenn es brenzlig wird! Milla ist zwar eine aufgeweckte, selbstbewusste junge Frau, die sich nichts vorschreiben lässt, doch auch sie ist verletzlich und hat ihre Schwachstellen. Insgesamt ist Brigitte Riebe mit Milla eine wunderbare Protagonistin gelungen, die man als Leser genau deshalb ins Herz schließt, weil sie mit ihren Stärken und Schwächen eine rundum authentische Persönlichkeit ist. Milla ist zwar die Protagonistin des Romans, doch Brigitte Riebe fixiert sich in ihrer Geschichte nicht allein auf einen Charakter. Während vieler Abschnitte lenkt sie die Aufmerksamkeit auf andere Figuren wie etwa Luka, Marco oder Salvatore. Auf diese Weise erlaubt sie uns, die Nebencharaktere besser kennenzulernen und die gesamte Handlung aus anderen Blickwinkeln zu betrachten: Was treiben sie in der Zwischenzeit, wenn sie nicht mit Milla zusammen sind? Welche Spielchen spielen sie, welche Ziele verfolgen sie und wer von ihnen ist wirklich ehrlich? Die Autorin hat sich in ihrem Roman eine verzwickte Figurenkonstellation ausgedacht, die sich mit jedem Kapitel ein wenig weiter aufklärt. Wer Freund oder Feind ist, dies ist anfangs sehr schwer zu sagen - aber es ist unheimlich spannend, es herauszufinden! An einigen Stellen mag es den Eindruck erwecken, als würde auch "Feuer und Glas - Der Pakt" nicht vom "Dreieckssyndrom" verschont bleiben. Nur wenige Seiten vergehen, ehe Milla auf zwei äußerst attraktive junge Männer trifft. Man kann es ihr nicht einmal übel nehmen, dass sie sich zu Beginn zu beiden hingezogen fühlt. Sowohl Wasserjunge Luca als auch Feuermann Marco haben ihre eigenen Reize und Vorzüge. Es bietet sich also geradezu an, in "Feuer und Glas - Der Pakt" eine "Teambildung" unter den Leserinnen zu provozieren. Es scheint unausweichlich, da überrascht Autorin Brigitte Riebe ihre Leser mit klaren Worten: Millas Herz schlägt nur für einen und das wird sich niemals ändern. Endlich gibt es mal eine Protagonistin, die weiß, was sie will, und nicht im Wechselbad ihrer Gefühle feststeckt! Obwohl die Liebesgeschichte ein wichtiger Teil der Handlung ist, spielt sie sich eher zaghaft ab und drängt sich nicht permanent in den Vordergrund des Geschehens. Als waschechte Historikerin hat es sich Brigitte Riebe selbstverständlich nicht nehmen lassen, auch "historisch" zu schreiben. So finden sich in ihrem Roman einige altertümliche Begriffe, die man als Laie gar nicht kennt! Wer weiß heutzutage denn noch, was eine Geldkatze ist oder welchen Teil einer Gondel man als Falze bezeichnet? Zum Glück lässt uns der Verlag nicht allein mit unserem Unwissen und hat ein Glossar ans Ende des Buches angehängt, das die Bedeutungen genau erläutert. Bei wem nun der Eindruck erweckt wurde, die Autorin würde für einen Jugendroman zu hochgestochen schreiben, dem sei schnell Entwarnung gegeben: Riebe schreibt leicht und locker, wie es sich für die angestrebte Zielgruppe gehört. Durch den Gebrauch der alten Ausdrücke unterstützt sie die bloß die historische Atmosphäre ihres Romans, ohne dabei den flüssigen, frischen Schreibstil zu behindern. Ein großes Lob meinerseits gibt es für die grandiose Gestaltung des Buches. Schlägt man den Buchdeckel auf, wird man von einer wunderschönen Karte Venedigs aus dem Jahre 1509 willkommen geheißen. Wenn man so einladend begrüßt wird, kann man gar nicht anders, als sofort mit dem Lesen zu beginnen und in das romantische Venedig einzutauchen! Auf den letzten Seiten befinden sich weitere tolle Extras, die "Feuer und Glas - Der Pakt" zu einem "wahren" Leseerlebnis machen. Ein Nachwort der Autorin und eine ausführliche Zeittafel zeigen auf, was sich 1506 und 1510 tatsächlich in Venedig zugetragen hat. Hierdurch wird erst deutlich, wie eng Brigitte Riebe ihren historischen Fantasyroman für Jugendliche tatsächlich mit der Realität verflochten hat. Es macht einen schon fast sprachlos, wie viel Hintergrundwissen in die Geschichte eingeflossen ist! *Cover:* Das Mädchen auf dem Cover - ganz offensichtlich Protagonistin Milla - ist sicherlich gut getroffen und hübsch anzusehen, doch ich bin und werde niemals ein Fan von Mädchengesichtern auf Coverbildern sein. Niemals. Da kann das Zusammenspiel der Farben noch so traumhaft sein! *Fazit:* "Feuer und Glas - Der Pakt" ist nicht nur ein gelungener Reihenauftakt, sondern auch eine grandiose Mischung aus "History" und "Fantasy". Brigitte Riebe zieht ihre Leser mit einem traumhaften Setting augenblicklich in den Bann und kann sie mit einer spannenden Geschichte bis zur letzten Seite fesseln. Einfach toll! Für "Feuer und Glas - Der Pakt" gibt es 5 Sterne.