Dark Queen: Schwarze Seele, schneeweißes Herz

Dark Queen Schwarze Seele, schneeweißes Herz - Kimberly Derting, Ugla Huld Hauksdóttir, Tanja Ohlsen *Worum geht's?* Charlaina, kurz Charlie, lebt im düsteren Ludania; einem Land, das von einer totalitären Königin nicht nur regiert, sondern auch in Angst und Schrecken versetzt wird. Die Königin duldet weder Ungehorsam noch Individualität in der Klassengesellschaft ihres Landes, in der es neben einer Einheitssprache für jede Klasse eine eigene Sprache gibt. Wer sich von dem Rest seiner Klasse abhebt oder es wagt, etwas gegen die Königin zu sagen, wird ohne Rücksicht an den Galgen gehängt. Charlie gehört zur Händlerklasse - und besitzt die Fähigkeit, die Sprachen aller Klassen zu verstehen. Nur ihre Familie weiß von dieser Gabe, die Charlie um jeden Preis geheim halten muss. Zusammen mit ihrer Freundin Brooklynn versucht sie in illegalen Clubs, dem dunklen Alltag zu entrinnen. Dort gibt es keine Klassen, keine Unterschiede. Eines Abends lernt Charlie Max kennen, der sie zugleich fasziniert und beängstigt. Er spricht eine Sprache, die sie noch nie zuvor gehört hat, und scheint zu ahnen, welche Gabe sie besitzt. Ob er sie verraten wird? Viel Zeit bleibt Charlie nicht, um sich eine Ausrede einfallen zu lassen. Rebellen überrennen die Stadt und beginnen einen fürchterlichen Krieg... *Kaufgrund:* Ich liebe Kimberly Dertings Schreibstil! Nach ihrer "Bodyfinder"-Reihe konnte ich natürlich nicht auf ihr neuestes Werk verzichten. *Meine Meinung:* Bereits in ihrer ersten Jugendbuchreihe, die "Bodyfinder"-Serie um Violet Ambrose, bewies uns Autorin Kimberly Derting ihr Talent dafür, zwei verschiedene Genre mühelos miteinander zu verknüpfen. Ob es ihr ein weiteres Mal gelingen sollte? Ganz klar: Ja! Mit "Dark Queen", einem Fantasy-Roman mit düsteren Dystopie-Elementen, startet Derting in ihre neueste Jugendbuchserie. Charlaina, von allen bloß Charlie genannt, lebt in Ludania, einem Land, das sich neben vielen anderen nach der Revolution der Herrschenden vor 220 Jahren aus unserer jetzigen Welt gebildet hat. Jedes Land wird von einer Königin regiert, die über besondere, magische Fähigkeiten verfügt. Das Volk hat jedoch rein gar nichts zu sagen. Es gibt kein Mitspracherecht, kein Selbstbestimmungsrecht, keine Möglichkeit, etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Die Menschen werden in Klassen hineingeboren, entsprechend erzogen und ausgebildet und bestmöglich von den anderen Klassen abgeschottet, damit weder durch Neid noch durch Abneigungen gefährliche Unruhen entstehen. Jedes Talent ist eine potenzielle Gefahrenquelle und für die diktatorische Königin Grund genug, wegen Hochverrats die Todesstrafe zu verhängen. Die Macht der Sprache spielt in dieser neuartigen Welt eine entscheidende Rolle: Jede Klasse besitzt eine eigene Sprache, die nur ihre Angehörigen verstehen können. Getreu dem Motto "Sprich, und ich sage dir, wer du bist" lassen sich die Menschen tatsächlich durch ihre Sprache auszeichnen. Nur Protagonistin Charlie nicht. Sie besitzt eine Gabe, die ihren Tod bedeuten könnte: Sie versteht alle Klassen... Kaum hat man mit dem Lesen begonnen, hat "Dark Queen" einen schon in den Bann gezogen. Ein düsterer Prolog zeigt uns die gefährliche Macht der Königin und wirft zugleich eine Menge Fragen auf: Was für ein makaberes Spiel wird hier eigentlich gespielt?! Augenblicklich weckt die Autorin das Interesse ihrer Leser, die sich wissbegierig auf die nächsten Seiten stürzen werden. Die Geschichte wird hauptsächlich aus Charlies Sicht erzählt; dem Mädchen, das eigentlich zur Händlerklasse gehört, aber durch eine besondere Gabe alle Sprachen verstehen kann. Nur ihre Familie weiß davon - schließlich wäre diese Fähigkeit ein guter Grund dafür, um Charlie an den Galgen hängen zu lassen. Sie muss vorsichtig sein, darf niemandem zeigen, wozu sie in der Lage ist. Dies ist jedoch viel leichter gesagt, als getan: So zu tun, als würde man jemanden nicht verstehen, wenn er einen in einer "fremden" Sprache beleidigt, ist viel schwieriger, als man vermuten mag! Die Angst vor dem Tod hat Charlie zu einer zurückhaltenden, vorsichtigen jungen Frau heranwachsen lassen. Dabei ist es nicht nur ihre Gabe, die sie in Angst und Schrecken leben lässt. Eine Gruppe von Rebellen, die die Königin stürzen wollen, belagert ihre Heimatstadt und attackiert sogar mit Bomben. Nicht selten muss Charlie zusammen mit ihren Freunden und ihrer Familie Unterschlupf in speziellen Schutzräumen suchen. Umso erstaunlicher ist es, dass Charlie trotz der schwierigen Bedingungen so mutig, entschlossen und loyal geworden ist. Sie ist eine wahre Kämpfernatur - eine starke Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. An einigen Stellen wechselt Kimberly Derting kurzfristig die Perspektive und lässt einen allwissenden Erzähler ans Werk, der uns über die Machenschaften der Nebenfiguren aufklärt. Auf diese Weise erhalten wir einen exklusiven Einblick in die Personen um Charlie herum, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Absichten. Besonders spannend sind die Einsichten in die dunkle Königin, in denen sie ihre Macht spielen lässt. Brr, sie lässt einem mit ihrer kalten Art das Mark in den Knochen gefrieren! Doch wer ist ein echter Freund, wer ist hinterlistiger Feind? In "Dark Queen" haben die Nebenfiguren einige riskante Geheimnisse. Nicht nur Charlie muss ein besonderes Augenmerk darauf legen, mit wem sie ihre Zeit verbringt und wem sie vertraut. Neben der toughen Protagonistin sind die Nebenfiguren ein großer Pluspunkt für den Serienauftakt. Sie reißen mit, überraschen, rauben uns Lesern den Atem. Kurzum: In "Dark Queen" gibt es in Sachen Charaktere keine Nieten, sondern nur begeisternde Hauptgewinne, über die man noch viel mehr erfahren möchte! Glücklicherweise handelt es sich ja um eine Reihe, doch auf die Fortsetzung müssen wir uns leider noch gedulden. Während ich von den Charakteren den ganzen Tag nur schwärmen könnte, verpasst die Handlung dem Roman einen kleinen Dämpfer. Derting hat so viele neue Ideen hineingebracht, von denen man noch nie zuvor gelesen hat - bezaubernde, beeindruckende Ideen, die selbst Vielleser des Genres begeistern werden. Auch die dunkle Atmosphäre ist geradezu perfekt und erlaubt es dem Leser, völlig in Charlies Ludania einzutauchen. Man hört die Sirenen und Bomben förmlich mit den eigenen Ohren (kleine Anmerkung: Derting hat sich von einer Zeugin des zweiten Weltkrieges berichten lassen, wie furcheinflößend die Zustände - besonders die Klänge - waren. Kein Wunder also, dass ihr dieser Part bemerkenswert gut gelungen ist!). Ja, alles könnte perfekt sein, wäre die Handlung bloß nicht so schrecklich durchsichtig! Man hat bereits nach den ersten 50-60 Seiten eine grobe Ahnung davon, wie die Geschichte verlaufen wird, und bis auf einige Überraschungen von den Charakteren selbst entwickelt sich die Handlung tatsächlich so. Derting hat ihren Ideenreichtum mehr als einmal unter Beweis gestellt, deshalb hätte ich hier viel mehr von ihr erwartet. Schade! Nichtsdestotrotz hat es sehr viel Spaß gemacht, "Dark Queen" zu lesen und ich kann es kaum abwarten, die Fortsetzung in den Händen zu halten! *Cover:* Trotz des Mädchens bin ich ein absoluter Fan von diesem Cover. Es strahlt eine ganz spezielle Atmosphäre aus, die mich völlig für sich begeistern konnte und zudem hervorragend zum Buch selbst passt. Düster und magisch - toll! *Fazit:* "Dark Queen" ist ein großartiger Serienauftakt, dem ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Derting hat mit ihren außergewöhnlichen Ideen eine beeindruckende Welt geschaffen, die mich in jeglicher Hinsicht für sich gewinnen konnte. Wahnsinn! Die einzigartigen Charaktere sind dabei wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen! Für die zu durchsichtige Geschichtsentwicklung gibt es leider einen kleinen Punkteabzug. Ich vergebe insgesamt 4 Sterne!