Langatmige Handlung voller Kitsch und Klischee

Am Anfang ist die Ewigkeit  - Trinity Faegen

*Worum geht's?*
Als die 17-jährige Sasha dem mysteriösen Ajax begegnet, gerät ihr Leben plötzlich völlig aus den Fugen. Die Ereignisse überschlagen sich und sie findet heraus, dass sie eine Anabo ist: eine Tochter Evas. Nur ihr Herz ist so rein, dass sie Ajax befreien kann. Denn er ist ein Mephisto, ein Sohn der Hölle, der durch einen Pakt an ein Leben auf der Erde gefesselt ist. Sasha fühlt sich zu Ajax hingezogen, aber ist sie bereit, für ihn alles aufzugeben? Während Sasha herauszufinden versucht, was sie wirklich will, wird ein grausamer Feind auf sie aufmerksam, der die Anabo um jeden Preis auslöschen will...

*Meine Meinung:*
"Am Anfang ist die Ewigkeit" von Trinity Faegen ist der Auftakt einer neuen Jugendbuch-Trilogie, die mit einer etwas anderen Liebesgeschichte lockt: Eine Anabo, eine Tochter Evas, und ein Mephisto, ein Sohn der Hölle, die sich unsterblich in einander verlieben. Was Romantasy-Fans sofort neugierig werden lässt, enttäuscht bereits nach wenigen Seiten auf ganzer Linie. Trinity Faegen wirft ihre Leser ohne große Erklärungen mitten in ein wirres Geschehen, in welchem man sich schlichtweg nicht zurecht finden kann, und lässt die Handlung schon bald nach einem stereotypen Schema verlaufen. Die vielversprechende Liebesgeschichte strotzt vor Klischee und Kitsch und auch sonst bietet die Geschichte nicht das, was man sich von ihr erhofft hat.

Die Handlung bleibt bis zum Schluss sehr oberflächlich und vorhersehbar. Im Grunde gibt es nur eine überraschende Enthüllung in Sashas Leben, aber selbst diese ist nicht sonderlich spektakulär oder entscheidend. Es kommt so schlichtweg keine Spannung auf, die einen zum Weiterlesen animieren würde. Die Geschichte bleibt karg und flach und wird vor allem von langatmigen Sequenzen bestimmt. Selbst die Kapitel, die durchaus Spannungspotenzial bieten, lässt die Autorin müde dahinplätschern. Dabei hätte Trinity Faegen sehr viel aus ihrer Idee herausholen können.

Sasha, eigentlich Alexandra Annenkova, ist die Hauptfigur des Romans. Sie ist eine Anabo, ein reines und perfektes Wesen, das für Gott bestimmt ist und von der noch unschuldigen Eva abstammt. Sasha ist quasi ein Engel auf Erden, der Inbegriff von Perfektion, und macht es allein durch ihre Persönlichkeit schon unmöglich, sich mit ihr identifizieren zu können. Leider wird sie ihrer Rolle als Anabo auch nicht gerecht. Sie ist wunderschön, liebenswert, makellos, aber auch ebenso naiv, unglaubwürdig und klischeehaft.

Ajax, genannt Jax, ist der männliche Protagonist und ein Mephisto, ein Sohn der Hölle. Er fällt einem zunächst durch seine besondere Hingabe auf. Um bessere Chancen bei Sasha zu haben, spioniert er sie, ihren Alltag und ihre Hobbies kurzerhand ein Weilchen aus. Er fällt so manche fragwürdige Entscheidung und verliert damit all seine Glaubwürdigkeit und Authentizität. Statt aus ihm einen attraktiven und klugen Charmeur zu machen, der die Herzen der Leserinnen im Sturm erobern kann, hat Trinity Faegen aus ihm einen platten und oberflächlichen Charakter gemacht. Mit seiner gesamten Art wirkt er eher suspekt als anziehend, wodurch man auch zu ihm keinen Draht aufbauen kann.

Über schwache Hauptcharaktere können einen nur grandiose Nebencharaktere ein wenig hinwegtrösten. Leider findet man in "Am Anfang die Ewigkeit" kaum eine andere Figur, der man noch etwas abgewinnen kann. Sie verhalten sich allesamt so banal, naiv und und kindisch, dass man sich ernsthaft fragen muss, warum sie die Highschool und nicht den Kindergarten besuchen. Bloß ihr jugendliches Interesse an Sex erinnert einen wieder an ihr wahres Alter. Aber selbst die erwachsenen Charaktere können nicht mit Vernunft oder Facettenreichtum punkten. Schade, denn auch hier hat Trinity Faegen viel Potenzial versteckt.

Als außenstehender Leser möchte man unbedingt in die Geschichte abtauchen. Allerdings nicht aus dem Grund, dass man Sashas und Jax' Geschichte noch intensiver erleben möchte, sondern weil man die Charaktere ständig an den Schultern packen und zur Vernunft rütteln möchte. Das Buch steckt voller übertriebener und unnötiger Teenie-Dramen, die sogar Leser, die selbst noch in der Pubertät stecken, nerven müssen. Beide Protagonisten sind dermaßen altruistisch veranlagt, dass es schon ungesund ist. Sie treffen überstürzte und unlogische Entscheidungen, die niemand außer ihnen selbst nachvollziehen kann, und steigern sich so sehr in ihre Handlungen hinein, dass sie ihre eigenen ursprünglichen Absichten völlig aus den Augen verlieren.

Trinity Faegens Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Sie schreibt sehr einfach und schlicht und hält sich nicht lange mit Beschreibungen auf. Schöne Wortbilder oder Absätze, die man sich mit einem Post-It markieren und herausschreiben möchte, sucht man in "Am Anfang ist die Ewigkeit" leider vergeblich, aber dafür hat Faegens Schreibstil einen entscheidenden Vorteil: Er liest sich sehr flüssig und sorgt dafür, dass man nahezu durch die Seiten fliegen kann. Es entsteht sehr schnell ein Lesefluss, doch leider wird dieser nicht nur durch die langatmige Handlung unterbrochen. Faegen nutzt oftmals Begriffe aus der Umgangssprache oder böse Beleidigungen, die einen aufschrecken lassen. Leider hat sich die Autorin damit selbst Steine in den Weg gelegt.

Ein großer Pluspunkt ist jedoch der Abschluss des Romans. "Am Anfang ist die Ewigkeit" lässt zwar einige Fragen offen, schließt die Haupthandlung um Ajax und Sasha allerdings ohne einen Cliffhanger ab. In der Fortsetzungen werden Jax' Brüder das Ruder in die Hand nehmen und die Buchreihe mit ihren eigenen Geschichten weiterführen. Da sie mit Abstand die interessantesten Figuren waren, werde ich der Fortsetzung vielleicht doch noch eine Chance geben.

*Cover:*
Was für ein Cover! Ich habe mich auf Anhieb in das wunderschöne Kleid des Mädchens (und auch ein wenig in ihre Haare...) verliebt und finde die Stimmung, die durch das Cover aufgebaut wird, einfach klasse. Schade, dass die Geschichte dem Cover nicht gerecht werden konnte.

*Fazit:*
"Am Anfang ist die Ewigkeit" von Trinity Faegen hat meinen Geschmack leider überhaupt nicht getroffen. Durch den Klappentext hatte ich mir eine spannende und aufregende Romantasy-Geschichte erhofft, doch stattdessen erwarteten mich Kitsch und Klischee. Die Handlung plätscherte langatmig vor sich hin, die Charaktere überzeugten höchstens mit Naivität und Oberflächlichkeit und sogar der Schreibstil der Autorin hatte seine Schwächen. Ich kann leider nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen. Wer nicht allzu viel erwartet und sich für Teenie-Dramen und perfekte Charaktere begeistern kann, wird an diesem Roman sicherlich mehr Spaß haben als ich. Für "Am Anfang ist die Ewigkeit" vergebe ich schwache 2 Lurche.